«Paper Mario: Color Splash» hämmert Farbe in die Welt

Die «Paper Mario»-Serie hat uns schon immer gefallen. Entsprechend ungeduldig haben wir auf eine Wii-U-Version gewartet. Die ist jetzt da, wunderschön anzusehen, charmant, herzig und humorvoll – doch das Kampfsystem ist zu umständlich.

Bösewichte haben die Farbe aus Marios Welt herausgesaugt. Mit Hilfe des fröhlichen Farbkübels Huey haut Mario mit einem grossen Farb-Hammer auf alles Entfärbte – und färbt so die Welt wieder ein. Platsch!

Das mag wirr klingen, im Game ist es aber ganz intuitiv. Am Boden und an Wänden sehen wir weisse Flecken, auch einzelne Objekte wie der Pfahl eines Geländers können farblos sein. Unser Hammer ist mit Farbe gefüllt, die aus ihm spritzt, wenn wir auf etwas hauen. So hämmern wir alles wieder schön bunt.

Video: Guido & Geraldine spielen «Paper Mario: Color Splash» (Let’s Play)

Per Hammer die Welt einfärben

Der Hammer ist mit den Primärfarben Rot, Blau und Gelb gefüllt wie die Farbpatronen in einem Tintenstrahldrucker. Hämmern wir auf etwas, das grün sein sollte, werden Blau und Gelb verbraucht. Umgekehrt können wir den Hammer auch wieder auffüllen: Wenn wir auf etwas Grünes hauen, werden Blau und Gelb aufgefüllt.

Eine rote Strasse rollt sich zusammen, Mario rennt davon.

Bildlegende: All diese weissen Flecken müssen wir noch einfärben – wenn dann die Welt aufhört, sich aufzurollen. Nintendo

Das Einfärben der Welt ist für sich allein genommen schon befriedigend – ist ein Level zu 100% eingefärbt, verspüren wir eine tiefe innere Ruhe, weil alles so schön aufgeräumt ist. Oft ist das Einfärben aber auch Teil eines Rätsels: Wir setzen starre Dinge in Bewegung, machen Verstecktes sichtbar oder beleben eine Figur wieder.

Besonders Letzteres ist oft dramatisch: Wenn die Farbe aus den Toads – niedliche Pilzwesen – herausgesaugt wird, werden sie bewusstlos und kreischen in einer Art Nahtoderfahrung. Die Shy Guys, die wie Vampire mit Plastikröhrchen die Toads aussaugen, tragen Masken, die ohnehin etwas an die Hockey-Maske von Horror-Ikone Jason erinnern. Für ein Game des sonst ausschliesslich fröhlich-harmlosen Herstellers Nintendo ist das gelegentlich überraschend gruselig.

Umständliches Kampfsystem

Gegen diese Shy Guys kämpfen wir wie folgt: Wir wählen Karten aus, färben sie ein und lösen so einen Angriff aus.

Farbe spritzt, der Boden bebt.

Bildlegende: Ein besonders präzise ausgelöster Hammerangriff. Nintendo

Zum Beispiel kann Mario mit einem Hammer hauen, auf Gegner springen oder Feuerblüten werfen. Wir wählen die entsprechende Karte aus. Oft ist die noch farblos weiss – nur wenn wir sie einfärben, also gewissermassen mit Farbe aufladen, richtet sie am Gegner dann auch Schaden an. Stärkere Karten benötigen mehr Farbe.

Um Kämpfe zu gewinnen, verbrauchen wir also zwei Ressourcen: Wir spielen Karten aus, worauf sie weg sind. Und wir verbrauchen Farbe, um Karten überhaupt ausspielen zu können. Farbe füllen wir durch Hämmern auf. Karten finden wir in Verstecken, gewinnen sie beim Kämpfen oder kaufen sie gegen Münzen.

Zu Beginn des Games sind diese Ressourcen noch knapp, wir müssen sparsam damit umgehen. Nach etwa einem Drittel des Spiels haben wir dann aber eigentlich immer genug Farbe und Karten in der Hand.

Mit dem Ausspielen der Karte ist der Angriff noch nicht abgeschlossen; wie schon immer in der «Paper Mario»-Serie kommt noch ein Timing-Element dazu. Wenn wir beispielsweise eine Hammer-Karte ausspielen, müssen wir danach im genau richtigen Moment den A-Knopf drücken. Je präziser wir das machen, desto härter haut der Hammer zu.

Ein Shy Guy mit grünem Helm mit Spitze. Mario zeigt ihm, wo der Hammer hängt. Auf dem Kopf.

Bildlegende: Laden wir den Hammer richtig auf, nützt dem seine Pickelhaube dann auch nichts mehr. Nintendo

Dieses komplexe System bringt uns das Spiel behutsam bei. Auch sonst lenkt «Paper Mario: Color Splash» hervorragend. Es gibt uns oft schon einmal Zugang zu einem Level, versperrt uns dort aber gleich an einer Barriere wieder den Weg. Es gibt uns so einen Ausblick auf zukünftige Aufgaben. Und weist uns später immer darauf hin, wenn sich dort etwas geändert hat.

Die Anzahl offene Aufgaben ist dabei immer genau richtig: Nie «Puh, es ist viel zu viel aufs Mal», sondern immer «Juhu, noch so viel Cooles vor!».

Witzige Dialoge, wunderschön

Die Geschichte des Spiels ist richtig witzig. In knackig-kurzen Dialogen wird sie uns erzählt, vollgepackt mit unterhaltsamen Wortspielen. Immer wieder habe ich laut herausgelacht, was mir sonst alleine selten passiert.

Fünf grüne Toads betrügen beim Hütchenspiel.

Bildlegende: Am Ocean Fest albern wir mit hinterhältigen Toads herum. Nintendo

Ausserdem ist «Color Splash» klar die schönste «Paper Mario»-Version – eine Welt aus Papier und Karton, mit Wellenschaum aus Glitter und klebrig glänzender Farbe, mit vielen kleinen visuellen Witzchen. Auch die Musik ist gewohnt grossartig – die Basslinie und die Posaune während der «Ocean Fest»-Party mag ich ganz besonders.

Langsam

«Paper Mario: Color Splash» ist deutlich langsamer als andere Mario-Spiele. Dort rennen und hüpfen wir in hohem Tempo durch Levels, die oft nur ein paar Minuten lang sind. Hier ist alles langsamer, weil sich die Kämpfe ziehen und weil auch die Levels länger sind. Das Game ist nicht auf Tempo, sondern auf gewissenhaftes Erkunden ausgerichtet.

Eine Grusskatze, Schaumwellen, Tatami, Pflaumen, Grüntee und Kirschblüten.

Bildlegende: Die «Cat-o-luck»-Sonderkarte veranstaltet viel Theater. So sehe der Rest der Welt Japan, meinen die Entwickler. Nintendo

Damit grenzt sich «Paper Mario: Color Splash» sowohl visuell als auch mechanisch gut von anderen Mario-Spielen ab. Trotzdem finde ich die Kämpfe zu umständlich. Auch bei Routine-Gegnern müssen wir zwei Karten aus Dutzenden auswählen, sie einfärben, vom Gamepad in Richtung TV schnipsen, im richtigen Moment den A-Knopf drücken – das ist viel Aktion für wenig Action.

Nach einer Weile können wir zwar einfache Gegner auch ohne Karten-Kampf besiegen. Und wir haben genug Münzen gesammelt, um bereits eingefärbte Karten zu kaufen – wenn wir so eine ausspielen, überspringen wir den Schritt des Einfärbens. Empfehlenswert ist ausserdem, die Tastenbelegung umzustellen, entweder auf «Basic + Buttons» (per Knopf und Stick Karten ausspielen, statt per Finger auf Touchscreen) oder auf «Advanced Touch Controls» (Karte auswählen und einfärben auf einem Screen statt auf zwei).

Und das, obwohl sie knallorange und niedlich aussehen.

Bildlegende: Die Cheep Cheeps (fliegende Fische) mag ich gar nicht. Sie versetzen mich immer sofort in Panik. Nintendo

Doch auch nach solchem Feintuning fühlen sich die Kämpfe nicht gestraffter an. Die Mechanik ist schlicht einen Tick zu kompliziert, ohne dafür aber besondere taktische Tiefe zu bieten.

Trotz allem: Grossartige Unterhaltung

Und schliesslich leidet «Paper Mario: Color Splash» auch unter einem grundsätzlichen Problem der Wii-U-Konsole. Wir schauen auf zwei Bildschirme, den TV und den Bildschirm auf dem Gamepad in unseren Händen. Wenn wir zwischen diesen Bildschirmen hin und her wechseln sollen, weist uns das Game darauf hin («Let's watch TV!», «Look at the menu.»). Weil das jedes Mal den Spielfluss unterbricht, wird der Eindruck der trägen Kämpfe noch verstärkt.

Dennoch erlebte ich nur ganz selten Frustmomente. Im Gegenteil, «Paper Mario: Color Splash» hat mich grossartig unterhalten. Nicht weil es ein Rollenspiel mit taktischer Tiefe ist, wie das frühere Versionen der Serien waren. Sondern weil es lustig, charmant, herzig und manchmal sogar ein bisschen gruselig ist.

«Paper Mario: Color Splash» ist für die Wii U.