Playstation 4: Die Konsole ist jetzt ein PC

Sony hat in New York die neue Playstation 4 angekündigt. Dabei überrascht der Prozessor der Spielkonsole – ein Chip von AMD, auf Basis der x86-Architektur.

Der Dualshock-4-Kontroller mit Share-Knopf, Berührungsfläche und blau leuchtendem Licht.

Bildlegende: Dualshock 4: Die Konsole selbst wurde nicht gezeigt, lediglich der Kontroller mit Share-Knopf und Fummelpad. Sony

In einer bombastisch inszenierten Show vor Journalisten und Entwicklern hat Sony am Mittwochabend in New York die Playstation 4 angekündigt. Richtig gezeigt wurde die Konsole allerdings noch nicht: Kein Gerät war zu sehen, lediglich der neue Kontroller. Auch ein Preis wurde nicht genannt. Und der Termin für den Verkaufsstart ist noch reichlich vage: Vor Weihnachten 2013 will Sony die Playstation 4 in die Läden bringen. Ob dabei auch Europa berücksichtigt wird, ist noch offen. (Die Playstation 3 erschien in Amerika und Japan im November 2006, in Europa erst im darauffolgenden März).

Der neue Prozessor dürfte die Entwickler freuen

Besonders die anwesenden Spielentwickler hörten wohl bei der wichtigsten technischen Neuerung genau hin: Die Playstation 4 wird von einem Prozessor von AMD angetrieben. Acht Kerne hat er und basiert auf der x86-Architektur. Das bedeutet, dass dieser neue Playstation-4-Prozessor das gleiche zugrundeliegende System verwendet wie PCs.

Damit wählt Sony eine deutlich andere Strategie als noch bei den Vorgänger-Modellen. Die Playstation 3 läuft mit dem Cell-Prozessor, den Sony zusammen mit IBM und Toshiba spezifisch für die Spielkonsole entwickelte. Nun setzt man stattdessen auf einen Prozessor von AMD, eine Anpassung des «Jaguar»-Systems, das eher auf Strom- und Kostensparen ausgelegt ist.

Diese Strategie wird für die Spielentwickler beachtliche Konsequenzen haben: Während die Cell-Architektur der Playstation 3 ein Biest war, das man erst zähmen lernen musste, haben die meisten Entwickler langjährige Erfahrung auf der x86-Architektur. Die damit verbundene Hoffnung wird sein, bei der Herstellung der Spiele Kosten sparen zu können – eine Aussicht, die einer Industrie entgegen kommt, die sich schon länger über stetig steigende Entwicklungskosten Sorgen macht.

Günstigere Entwicklung für ein geschwächtes Sony

Doch auch Sony scheint nun kleinere Brötchen zu backen. Das Unternehmen musste im letzten Jahr über fünf Milliarden Franken Verlust melden, das schlechteste Ergebnis der Firmengeschichte.  Die äusserst teuren Entwicklungs- und Herstellungskosten der Playstation 3 könnte sich Sony schlicht nicht mehr leisten. Dass man nun beim Prozessor auf eine angepasste Variante eines fertigen Produktes setzt, müsste die Entwicklungskosten der neuen Konsole deutlich gesenkt haben.

Auch so ist spürbar, dass die Playstation 4 für Sony ein Schicksalsprodukt ist. Das zeigt sich in der frühen Ankündigung. Sony wollte wohl unbedingt vor dem Konkurrenten Microsoft an die Öffentlichkeit gelangen. Denn von Microsoft wird erwartet, dass sie im Sommer an der E3-Messe eine neue Xbox zeigen. Den Fehlstart der Playstation 3, die erst ein Jahr nach der Xbox 360 erschien, will Sony nicht wiederholen.

Streaming, Sharing, Spiele

Neben Technik zeigte Sony auch Funktionen. So wird die Playstation 4 Spiele streamen können: Statt ein Spiel auf Disk zu kaufen oder herunterzuladen und zu installieren, wird man direkt über eine dicke Internetleitung spielen können – lediglich die fertig gerechneten Bilder kommen zur Konsole; das Spiel läuft in einem Rechenzentrum, also so genanntes «Cloud Gaming». Damit wäre Ausprobieren oder Mieten möglich. Sony hat dafür im letzten Sommer das Unternehmen Gaikai aufgekauft; dessen Technologie wird nun erwartungsgemäss in der Playstation 4 eingesetzt.

Auch in die andere Richtung wird gestreamt: Nutzer können anderen live beim Spielen zuschauen. Zudem sollen Zusammenschnitte der besten Momente veröffentlicht werden können. Bereits jetzt gibt es auf Plattformen wie Youtube unzählige von Stunden an Spiel-Mitschnitten, in denen Spieler stolz ihre tollsten Erlebnisse vorführen; Sony reagiert auf diese Subkultur und könnte sie in den Mainstream bringen.

Auch einige Spiele für die neue Konsole wurden angekündigt. Auffällig war dabei «Destiny» von Bungie. Denn Bungie war bisher eng mit Microsoft verbunden, durch «Halo», eins der erfolgreichsten Spiele auf der Xbox. Auch Exoten wie das Rätselspiel «The Witness» von Game-Professor Jonathan Blow wurden auf die grosse Bühne gehoben. Das ist zwar ein Indie-Spiel, das kaum eine grosse Masse erreichen wird; doch Sony hat eine langjährige Tradition, immer wieder auch obskuren Produkten eine grosse Plattform zu bieten, und setzt die offenbar auch mit der Playstation 4 fort.

Keine Reaktion auf Smartphones

Die Game-Industrie befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Smartphones und Tablets werden als Spielgeräte genutzt; auf Plattformen wie Facebook oder einfach so im Internetbrowser wird gespielt. Jene Spiele haben komplett andere Geschäftsmodelle als die auf Konsolen. Spiele kosten statt achtzig nur einige Franken (oder sind «Free to play»); man spielt in kurzen Abschnitten statt stundenlang auf der Couch. Besonders im mobilen Bereich haben Smartphones den traditionellen Spielkonsolen für unterwegs bereits arg zugesetzt. Es wurde deshalb mit Spannung erwartet, wie Sony auf diese Herausforderung reagieren würde.

Die Playstation 4 vermittelt nun den Eindruck, dass Sony nicht von einer Abwanderung ihres Zielpublikums ausgeht. Sondern vermutet, dass sich das Spielerlebnis vor einer Konsole so deutlich von dem auf einem Smartphone unterscheidet, dass auch ein ganz unterschiedliches Publikum bedient werden kann. Man versucht zwar, Tablets und Smartphones unter dem Stichwort «Second Screen» an die Konsole anzubinden. Doch letztlich setzt Sony auf ihre alte Stärke und belässt die Konsole vor dem Sofa im Zentrum.

Zwar wird nicht mehr ganz so arg geklotzt wie in den goldenen Zeiten der Konsole. Doch für Konsolen- und PC-Spieler, die sich unter dem Eindruck der Ein-Franken-Spiele immer mehr um ihr Hobby zu sorgen begannen, muss die Präsentation der Playstation 4 ein ermutigendes Zeichen sein.