Review Review: «Battlefield 1»

Im Ersten Weltkrieg bekam Krieg eine ganz neue Bedeutung. Mit Schlachten, in denen der Material- und Menschenverschleiss so hoch war wie nie zuvor. Insgesamt standen 70 Millionen Soldaten unter Waffen, gut 17 Millionen davon liessen ihr Leben in blutigen Kämpfen an der Front.

Dementsprechend kurz war die Lebenserwartung eines Soldaten im Ersten Weltkrieg. Schützengrabenalltag und verbitterte Stellungskämpfe liessen wenig Platz für Heldengeschichten.

Hinzu kam, dass der Tod an der Front vor rund 100 Jahren eine Art Industrialisierung durchlief. Während die Engländer vor allem Panzer bauten, schickten die Franzosen die ersten Flugzeugbomber in die Schlacht und die Deutschen spezialisierten sich auf Zeppeline. Und das zu einer Zeit, in der die Kavallerie noch als stärkste militärische Truppe galt.

Das führte zu wilden und blutigen Schlachten und «Battlefield 1» schickt uns mitten in diese Kämpfe direkt an die Front. Kriegsverherrlichung? Ich denke nicht, denn wer «Battlefield 1» gespielt hat, wird im echten Leben wohl nie mehr als Soldat ausrücken wollen.

Spielbarkeit steht vor historischer Genauigkeit

Das schwedische Entwicklerstudio Dice, das 2005 das Kommando über die «Battlefield»-Serie übernahm, hat sich offenbar umfangreich mit der Geschichte des Ersten Weltkriegs befasst. Dice beansprucht für seinen Shooter aber keine historische Richtigkeit, die Spielbarkeit steht vor dem Anspruch an die Realität.

Eine gute Entscheidung, denn so können wir auch mit der schwersten Rüstung hohe Absprünge hinaufklettern, unser Pferd ist nicht gleich beim ersten Treffer dahin und manche Waffen sind lediglich Prototypen und wurden so nie an der Front gebraucht.

«Battlefield 1» Single-Kampagne

Der historische Rahmen wird in der für Einzelspieler ausgelegten «Battlefield 1»-Kampagne lediglich in kurzen Texten eingeblendet. Im Zentrum stehen fünf Einzelschicksale, die in 1-2 Stunden langen Episoden erzählt werden. Mir gefällt das, auch wenn es manchmal sogar für mich als Mädchen etwas kitschig beziehungsweise seltsam daherkommt.

Überleben und nach Hause kommen, das ist das Ziel der Soldaten. Den Krieg gewinnen? Wen interessiert's?! Dabei gibt es keine klassischen Gut-gegen-Böse-Geschichten. Warum wir dennoch immer auf der Seite der Alliierten kämpfen, ist mir ebenso schleierhaft, wie der Umstand, dass wir im Single-Player-Modus ein anderes Flugsystem lernen als beim Online-Spiel.

Schliesslich geht es in der Kampagne aber vor allem darum zu zeigen, was «Battlefield 1» alles kann. Und so besteigen wir zum Beispiel einen Panzer und üben uns im Umgang mit 100 Jahre alten Waffen, kriechen oder rennen durch die hübsch gestalteten Landschaften und holen einen Zeppelin vom Himmel.

Die Kampagne als Tutorial

Doch um eine gelungenen Kampagne zustande zu bringen, hätte Dice mehr investieren müssen. Die Computer Gegner sind auch im schwersten Modus noch sehr unaufmerksam. Und auf weiten Strecken fühlt sich die Kampagne mehr an wie ein gut gemeintes Tutorial.

Aber vielleicht muss man hier auch ein Auge zudrücken. Denn noch nie wurde eine Ausgabe von «Battlefield» der Single-Player-Kampagne wegen gekauft. Kaum jemand kann sich überhaupt an die jeweiligen Geschichten aus den Vorgängern erinnern. Mit «Battlefield 1» könnte sich dies allerdings ändern, nicht zuletzt weil die Kampagne hier für Neulinge eine gute Übung ist, um sich auf den Mehrspieler Modus vorzubereiten – das eigentliche Herz der Serie.

Online gilt es ernst

Denn die Paradedisziplin von «Battlefield» ist ganz klar der Multiplayer-Modus. Das zeigen die Macher auch im neusten Ableger eindrücklich.

Das liegt zum einen an den abwechslungsreichen und detailreichen Karten in unterschiedlichsten Grössen. Egal, ob im steilen Gefälle der italienischen Alpen mit ihren unzähligen Felsvorsprüngen, oder in der arabischen Wüste, wo man auch schon mal über einen Perserteppich kriecht. Das Setting könnte unterschiedlicher kaum sein.

Hinzu kommt, dass sich die Karten durch die Schlacht verändern. Manche Strukturen bleiben allerdings auch beim stärksten Bombardement bestehen, damit man dort nach langen Kämpfen noch Deckung findet. Aber auch neu entstandene Krater können Soldaten nach erbitterten Kämpfen Schutz bieten.

Deckung geben oft auch die eingeschränkten Sichtverhältnisse. Die können entweder zufällig durch das wechselnde Wetter entstehen. Oder durch die Mitspieler, die mit ihren Granaten und Geschossen ordentlich Staub aufwirbeln und mit Flammenwerfern und Brangranaten dichten Rauch produzieren.

Damit sind wir bei den Waffen von «Battlefield 1» angelangt. Die sind allesamt mindestens 100 Jahre alt und funktionieren dementsprechend anders, als wir uns das von einem Shooter gewohnt sind.

Ein verstecktes Menü, die Waffenanpassungen sind auch für Sehende schwer zu finden.

Bildlegende: «Battlefield 1» Je mehr eine Klasse gespielt hat, desto mehr Waffen und Gadgets lassen sich freischalten. Screenshot SRF

Die vier Soldaten-Klassen (Sturmsoldat, Sanitäter, Versorger und Späher) sind mit unterschiedlichen Gadgets und Waffen ausgestattet, die ein ganz neues Taktieren ermöglichen. So ist der Späher beispielsweise nicht mehr der, der sich ganz am Rand der Karte flach auf den Bauch legt und sein Scharfschützengewehr anlegt. Er wird ebenfalls ganz vorne an der Front zum Einsatz kommen, wie alle anderen Soldaten im Ersten Weltkrieg auch.

Neue Waffen bekommt man in «Battlefield 1» übrigens nicht automatisch, man muss sie sich nach dem Freischalten kaufen. Das ist neu und nur einer von vielen Tipps, die euch helfen können, bevor ihr euch in den Schützengraben oder einen der schmucken Erster-Weltkrieg-Panzer mit Seitentüren setzt.

Adieu Langeweile dank noch mehr Abwechslung

Insgesamt können wir zwischen sechs verschiedenen Spielmodi wählen, was für Abwechslung beim Online-Spielen sorgt.

  • Operationen (Operations): 32 Spieler pro Team. Angriff: versucht Ziele auf der Karte einzunehmen und so Sektoren zu gewinnen. Verteidigung: zieht pro Kill ein Ticket ab.
  • Eroberung (Conquest): 32 Spieler pro Team. Fahr- und Flugzeugunterstützung. Flaggenpunkte einnehmen und halten gibt Punkte. Wer zuerst 1000 Punkte hat gewinnt.
  • Rush: 12 Soldaten pro Team. Angriff: pro Sektor 2 Telegraphenmasten sprengen. Verteidigung: Bombe entschärfen und durch Kills Tickets rauben.
  • Kriegstauben (War Pigeons): 12 Soldaten pro Team. Taube fangen, Botschaft schreiben (geht viel schneller wenn man stehen bleibt) und freilassen. Wer zuerst 3 Punkte hat gewinnt.
  • Team Deathmatch: Team gegen Team. Jeder Kill zieht Ticket ab. Wer zuerst keine mehr hat verliert.
  • Vorherrschaft (Domination): 12 Soldaten pro Team. Sehr kleines Feld. Flaggenpunkte einnehmen und halten gibt Punkte. Wer zuerst 100 Punkte hat gewinnt.
  • Server Modus: Hier können die unterschiedlichen Modi in unterschiedlicher Reihenfolge gespielt werden. Aber Achtung, im Gegensatz zum «schnellen Spiel» wird hier nicht auf die Level der Spieler geachtet. Man trifft also auf alles.
    Ein sogenanntes Behemoths - ein Monster!

    Bildlegende: «Battlefield 1» Wenn ein Team merklich hinten liegt, wird ihnen ein Panzerzug zur Verstärkung geschickt. Screenshot SRF

    Weil man sich nicht aussuchen kann, in welchem Team man spielt und es so zu unfairen Paarungen kommen kann, hat «Battlefield 1» sogenannte «Behemoths» eingeführt: Monster in Form eines Panzerzugs oder Zeppelins, welches das Team unterstützt das gerade hinten liegt.

Eine willkommene Abwechslung, die für neue Dynamik sorgt. Und die Aufmerksamkeit oft so sehr von den eigentlichen Zielen ablenkt, dass man den Punktestand hier noch einmal komplett rumreissen kann.

Kurz gesagt

«Battlefield 1» hat sich mit dem Ersten Weltkrieg nicht nur ein spannendes Setting ausgesucht, sondern setzt online genau an den richtigen Punkten an.

+ Tolle Grafik

+ Wetterverhältnisse und Erster-Weltkrieg-Waffen schaffen neue Dynamik

+ Karten und Spielmodi sind abwechslungsreich (Operations ist mein Lieblingsmodus!)

+ Shooter schön auf den Ersten Weltkrieg adaptiert

- Kampagne sollte vielleicht besser Tutorial heissen

Ihr seht: Ich habe nicht wirklich etwas auszusetzen. Die Macher haben mit «Battlefield 1» einen spektakulären, hübschen, hektischen und dynamischen Shooter geschaffen, an dem wir wohl noch lange Freude haben. Ich strecke all meine Daumen nach oben!!

«Battlefield 1» erscheint für PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows und kostet rund 80 Franken. Ist ab 18 Jahren freigegeben. Im Test kam die PC Version zum Einsatz.

Let's Play «Battlefield 1» mit Martina

Einsteigertipps

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Screenshot SRF

Eine Einführung im herkömmlichen Sinne sucht man in Battlefield vergebens. Was man unbedingt wissen sollte, bevor man sich in den Schützengraben des ersten Weltkriegs hockt erzählen wir euch darum hier: Unsere Einsteigertipps im Überblick zum Nachlesen.