Review: «Fifa 16»

Schuld ist die Frauenfussball-WM 2015, der Film «Bend It Like Beckham» und das erste «Fifa»-Game mit kickenden Frauen.
Das bringt sogar eine wie mich, die Sportgames meidet und von Fussball keine Ahnung hat, dazu, «Fifa 16» zu spielen. Das Resultat: Absurdes Theater in drei Akten.

Erster Akt: «Eine hängende Spitze»

«Fifa 16» startet auf und konfrontiert mich zur Einführung mit dem Spiel Real Madrid versus FC Barcelona. Als erstes werfe ich einen Blick auf die Steuerung, hätte aber genauso gut die Annalen des Planeten Gamma Trianguli VI lesen können.

OMG, what am I doing?!

Bildlegende: Das erste richtige Spiel: Es kann losgehen. Screenshot SRF

Immerhin: Ich lerne, dass es «Team-Pressing», «IV-Offensiv», «Lupfer» und «Volley» gibt. Und Spezialbefehle für Jubel-Momente («Ohrschrauber»). Na gut. Glücklicherweise gibt mir ein virtueller Trainer Tipps, wie ich meine Fussballfiguren steuern kann, denn die Angaben helfen mir wenig.

Aber eigentlich bin ich wegen des Frauenfussballs hier. Gleich nach dem Intro wähle ich mein erstes Spiel: Deutschland gegen China. Meine Chinesinnen irren verloren über das Feld und ich breche in irres Lachen aus, das mir die Tränen in die Augen treibt und minutenlang anhält. Was tue ich hier eigentlich?!

«Vielleicht waren‘s ja die Nerven», höre ich die Fussballkommentatoren Wolff Fuss und Frank Buschmann aus dem Off. Ihre Bemerkungen sind wunderbar absurd und damit beste Unterhaltung. Schliesslich «können wir nicht erwarten, dass alles wie geschnitten Brot läuft.» Ja, ganz meine Meinung. Es endet (erwartungsgemäss) 0:2 für Deutschland. Ist damit «eine hängende Spitze» gemeint?

Zweiter Akt: «Chance lebt noch»

Erst mit «Fifa 16» hat der Entwickler Electronic Arts es geschafft, auch den Frauenfussball in die «Fifa»-Serie zu integrieren. Fast zwei Dutzend Vorgänger kamen ohne Frauen aus. Warum? Die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen existiert doch seit 1991.

Electronic Arts erklärt die Verspätung damit, dass es so lange dauerte, die weibliche Physis und die andere Spielweise der Frauen auf das Game zu übertragen. Frauenfussball sollte nicht – wie in zahlreichen Games üblich – einfach dazu führen, den Männern ein weibliches Aussehen überzustreifen und dem Ganzen das Etikett Frauenfussball anzukleben.

«  Ganz wichtig: Er hält den Ball fest. »

Wolff Fuss, Frank Buschmann
Fussballkommentatoren Fifa 16

Ganz überzeugt mich die Argumentation nicht. Ob die Männer und Frauen in «Fifa 16» unterschiedlich spielen, erkenne ich nicht, egal wie sehr ich mich bemüht habe. Aber ich freue mich über Abby Wambach und andere Spielerinnen, deren Namen ich zumindest kenne. «Chance lebt noch» kommt von den Kommentatoren – ich spiele also weiter. Etwas enttäuscht bin ich, als ich die Schweizer Mannschaft nicht unter den auswählbaren Frauen-Teams finde. Ich spiele weitere Runden, probiere Deutschland gegen USA (0:1), spiele Deutschland gegen England (0:0) und das Vergnügen wächst.

Dritter Akt: «Gut geklärt!»

Von Fifa-erprobten Gamern und anderen Reviews erfahre ich, dass sich die Games in ihrer Spielmechanik je nach Version abwechseln würden: Fifa-Games mit geraden Zahlen (Fifa 12, 14, 16) seien zäher und realistischer, solche mit ungeraden Zahlen (Fifa 13, 15) böten ein schnelleres Spiel.

Ha! Trophäe "Ich bin der Boss"!

Bildlegende: Dank FC Basel der Beweis: Fussball geht doch! Screenshot SRF

Von all dem merke ich nichts – ich bin immer noch voll darauf konzentriert, überhaupt dem Ball zu folgen und meine Figuren irgendwie in Richtung Gegnertor zu bewegen. Zum Glück hindert mich das Game daran, Eigentore zu schiessen.

Nach all dem Frauenfussball will ich doch noch Zeit mit den Männern in «Fifa 16» verbringen. Etwas vorbelastet wähle ich Matches mit dem FC Basel und gewinne gar gegen Düsseldorf. Was bleibt: Ich kann offenbar gut Probleme lösen, denn «Gut geklärt!» höre ich von den Kommentatoren am häufigsten.

Ganz am Schluss eines FCB-Matches erhalte ich noch eine Spiel-Trophäe, die mir bestätigt: «ICH BIN DER BOSS». Wenn das kein guter Anfang für eine Karriere in weiteren Fussballspielen ist! Denn irgendwann will ich noch das Schweizer Frauenteam spielen. Nächstes Jahr vielleicht.

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