Review: «Lego Dimensions»

Ein Cocktail aus Legosteinen und -figuren, einem familientauglichen Bildschirm-Abenteuer, angerührt mit einem Potpourri aus Themen quer durch die Populärkultur – von Herr der Ringe bis zu den Simpsons. So ein Cocktail müsste doch eigentlich schmecken, oder? Doch er ist etwas fade...

Es ist derzeit einer der grossen Trends bei Kinder- und Familiengames: Sammelfiguren aus Plastik, die am Bildschirm zu lebendigen Spielfiguren werden. Lego schlägt mit «Dimensions» denselben erfolgversprechenden Weg ein wie schon Disney mit der Infinity-Reihe oder Nintendo mit Amiibo.

Vor wenigen Wochen spielte ich mit meinen Kindern (7, 9 und 13 Jahre alt) Disney Infinity 3.0 – Star Wars – Twilight of the Republik. Das Game konnte fast schon begeistern. Da «Lego Dimensions» fast mit identischem Konzept und Gameplay aufwartet, war ich gespannt.

Batman, Gandalf, Wyldstyle.

Bildlegende: Das Portal verbindet die verschiedenen Lego-Welten. SRF

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist ein Portal, mit dem unsere Spielfiguren von einer Dimension in eine andere reisen können. Ein Wurmloch quasi. Wir setzen das Portal aus den beigepackten Legosteinen zusammen und stellen sie vor uns auf den Tisch. Die Bauanleitung haben wir zuvor in der Introsequenz des Spiels gefunden.

Das Portal existiert jetzt also virtuell im Game und real vor uns. Wir stellen unsere drei Legofiguren auf die drei freien Felder und sie tauchen im Spiel auf.

Mit dem Zauberer Gandalf, Batman und der Lego-Figur Wyldstyle haben wir eine bunte Truppe am Start. Nachdem wir erst einmal quer durch Gotham City und eine Troll-Höhle aus «Lord of the Rings» gewirbelt worden sind, landen wir in einer weiteren bunten Lego-Welt und das Abenteuer beginnt.

Finde die Story

Wir erfahren, dass wir einen putzigen Roboter retten sollen, der in einem Wurmloch verschwunden ist und in einer anderen Dimension ausgespuckt wurde.

Unsere drei Helden vor dem frisch zusammengebauten Portal.

Bildlegende: Unsere drei Helden vor dem frisch zusammengebauten Portal. screenshot

Viel mehr erfahren wir aber auch nicht. Auch wie das Portal funktioniert, das vor uns auf dem Tisch steht und uns auch im Game wieder begegnet, erschliesst sich uns nur sehr langsam. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir uns im Spiel etwas alleine gelassen fühlen.

Langsam kommen wir Vier mit den unterschiedlichen Fähigkeiten unserer drei Spielfiguren zurecht. So kann Batman etwa einen Haken auswerfen, um Gegenstände zu sich heran zu ziehen oder entfernt gelegene Schalter umzulegen. Gandalf setzt seinen Zauberstab gegen Gegner und Hindernisse ein und Wyldstyle macht sich mit ihrer Sprungkraft unentbehrlich. Wir spielen zu zweit und kontrollieren daher immer zwei der drei Figuren. Die dritte kann aber auch jederzeit ins Spielgeschehen eingreifen. Der Figurenwechsel geschieht via Kontroller.

Genialer Split-Screen

Eine spektakuläre Lösung hat Lego Dimensions für das Problem gefunden, dass ein zweigeteilter Bildschirm zwar verwirrend ist, dass sich beide Spieler aber nur damit frei in der Welt bewegen können.

Der dynamische Split-Screen. Hier im Auenland.

Bildlegende: Der dynamische Split-Screen. Hier im Auenland. screenshot

Der Bildschirm teilt sich nur dann, wenn sich die Figuren auch tatsächlich von einander fortbewegen. Sobald sie wieder zusammenfinden, verschwindet der Split-Screen praktisch unmerklich und man spielt wieder gemeinsam in der einen Szene.

Doch zurück zu unserer Mission. Was die Aufgaben in diesem Abenteuer tatsächlich sind, bleibt oft unklar. Hauptsächlich hauen wir auf Dinge um uns herum, um an neue Lego-Steine zu kommen. Die setzen wir dann zu Brücken, Treppen und ähnlichem neu zusammen, um einen Raum oder eine Szene weiter zu gelangen.

Doch was wir bauen, können wir gar nicht beeinflussen! Das ist vom Spiel vorgegeben. Oft führt das zu wahllosem Umhergeklicke nach dem Trial and Error-Prinzip. Kein Kompliment für das Level-Design.

Wir stehen auf einem fliegenden Quadrat. Die Selbstzerstörungssequenz läuft. Wirr!

Bildlegende: Wir stehen auf einem fliegenden Quadrat. Die Selbstzerstörungssequenz läuft. Wirr! screenshot

Der Geschichte hilft es auch wenig, dass die Schauplätze dauernd und gefühlt zufällig ändern. Sie bleibt dünn. Im Schüttelbecher dieses Populärkultur-Potpourri reisen wir via Wurmloch zu Homer Simpson, kämpfen als Gandalf im Batmobil gegen die böse Hexe aus dem Lande Oz oder wandeln als Wyldstlye durch das Auenland Frodos.

Was sich am Boden des Kinderzimmers ganz natürlich mischt, wirkt hier im Game bisweilen aufgesetzt und unorganisch.

Mehr Figuren – mehr Inhalt

Wie bei den anderen Sammelfiguren-Games, kauft man sich auch bei Lego Dimensions mehr Inhalt in Form von weiteren Legofiguren. Immer wieder stösst man im Game an Sackgassen, an Orte, bei denen man nicht weiter kommt. Etwa weil man zuerst ein Hindernis sprengen sollte, aber keine Figur hat, die sowas kann. Subtil blendet das Spiel dann die Legofigur ein, die mit der entsprechenden Fähigkeit ausgestattet wäre, aber noch im Regal des Spielzeugladens steht...

Zu viel gewollt?

Das Spiel hat viele interessante Ansätze. Zum Beispiel den erwähnten Split-Screen, oder versteckte Baupläne, mit denen wir aus unseren Legosteinen auf dem Tisch neue Fahrzeuge bauen können, die wir dann auch im Spiel gebrauchen können.

Die Interaktion mit den echten Legosteinen ist komplexer als etwa mit den Figuren in Disney Infinity. So können wir unsere Figuren per unterschiedliche Wurmlöcher an andere Orte im Spiel teleportieren, indem wir sie auf ein anderes Feld des Pads stellen.

Unser Familien-Urteil: Trotzdem wollte der Funke in unserer Familienrunde nicht so richtig überspringen – ausser beim 9-jährigen. Zu wirr die Spielanage, zu wenig packend die Story, zu wenig abwechslungsreich waren die Aufgaben, die es zu erledigen galt.

«Lego Dimensions» ist für Playstation 3/4, Xbox 360/One und Wii U.

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