Review: «Octodad: Dadliest Catch»

Dieses Spiel ist mehr als nur eine wahnwitzige Prämisse: «Octodad – Dadliest Catch» baut uns einen Slapstick-Spielplatz, auf dem Komik passiert, wie sie nur der Computer schreiben kann.

Ein Oktopus in Anzug und Krawatte hält seine Frau und Kinder im Arm... äh: Tentakel.

Bildlegende: Kernfamilie mit Tintenfisch: «Dadliest Catch» ist Nachfolger des Games «Octodad» von 2010. Es wurde durch eine Kickstarter-Kampagne crowd-finanziert. SRF/Young Horses

Es ist eine ganz alltägliche Geschichte: Oktopus trägt dreiteiligen Anzug, Oktopus heiratet Menschenfrau, Oktopus wird Vater, Oktopus und Familie kaufen ein kleines Häuschen in der Vorstadt, Oktopus muss um jeden Preis verhindern, dass ihm jemand auf die Schliche kommt.

Tentakel bewegen mit dem Rollrad

So weit, so gewöhnlich. Kompliziert wird die Sache in dem Moment, in dem wir selbst in die Haut (Die Schale? Den knochenlosen Sack?) des Okto-Vaters schlüpfen. Die zentrale Spielmechanik von «Octodad – Dadliest Catch» ist die vertrackte Steuerung. In der PC-Variante steuern wir entweder die Arme (Tentakel!) oder die Beine (noch mehr Tentakel) unserer Figur. Mit der Leertaste wechseln wir zwischen beidem.

Ein (teilweise durchsichtiger) Oktopus in Anzug und Krawatte steht vor einem Spiegel.

Bildlegende: Tentakel-Steuerung: Die schwierige Steuerung ist zentrales Element der Spielmechanik von «Octodad – Dadliest Catch». Young Horses

Um Octodads Arm in die Höhe zu heben, drehen wir am Rollrad der Maus. Mit gedrückter linker Maustaste bewegen wir ihn nach links oder rechts. Octodads Beine steuern wir einzeln: Mit der linken Maustaste das linke, das rechte mit der rechten. Arm- und Beintentakel lassen sich so einigermassen präzise steuern – aber wem ist schon nach Präzision, wenn wir Octodad stattdessen mit weit ausholenden Schritten und wild fuchtelnden Armen in Stühle, Bänke, Tische und Regale krachen lassen können?

Überall Bananenschalen!

Und so entstehen die schönsten Momente des Games: Etwa, wenn wir den Oktopus zum Familieneinkauf in den Supermarkt begleiten und nur mit Mühe überhaupt erst durch die Eingangstüre kommen. Zwei Mausklicks später haben sich Arme und Beine unserer Spielfigur dann schon so unglücklich in den Gittern zweier Einkaufswagen verfangen, dass wir die beiden Wägelchen die nächsten Minuten mitschleifen müssen und damit nur noch mehr Chaos anrichten.

Ein Oktopus in Anzug und Krawatte stolpert über Stühle und Tische.

Bildlegende: Slaptstick à gogo: Kein Möbelstück und keine Hochzeitstorte ist vor den Tentakeln des ungeschickten Oktopus sicher. Young Horses

Das sind Momente, die kein Comedy-Schreiber in dieser Form zu Papier bringen könnte. Momente, die sich dynamisch auf dem Slapstick-Spielplatz ergeben, den «Octodad – Dadliest Catch» für uns aufbaut. Gegeben sind nur die Parameter der Zerstörung: Hindernisse und Fallen des Alltags.

Aber wie unser Oktopus dann etwa auf Bananenschalen dem Traualter entgegenschliddert, das ist jedes Mal anders. Und fast jedes Mal zum Schreien komisch.Und überhaupt: Warum nur liegen in diesem Spiel immer und überall Bananenschalen auf dem Boden? Warum nur?!

Da ist eine tiefe Trauer in den Augen dieses Oktopoden

«Octodad – Dadliest Catch» lebt von seiner wahnwitzigen Prämisse. Und kitzelt, zumindest im ersten Teil des Games, auch alles daraus heraus. Alltagsaufgaben wie Frühstück zubereiten oder Rasen mähen werden in den Händen – Entschuldigung: Tentakeln – des Oktopoden zur absurden Inszenierung. Die dazu gespickt ist mit versteckten Gags und Anspielungen auf andere Indie-Games: Die Mintcraft-Schokolade im Supermarkt etwa oder das Werbeplakat für Stanley's Pair O'Bowls (siehe: «The Stanley Parable»).

Der zweite Teil des gut zweistündigen Games ist aber konventioneller gehalten und wir haben fast schon klassische Game-Aufgaben zu bestehen: an misstrauischen Meeresbiologen vorbeischleichen, ohne gesehen zu werden zum Beispiel. Diese Aufgaben verlangen plötzlich nach Präzision der Steuerung und enden schnell im «Game Over». Das kann frustrieren, wo wir uns doch vorher noch nach Lust und Laune hatten austoben können.

Über die ganze Spieldauer kann «Octodad – Dadliest Catch» die verrückten Ausganglage also nicht hoch halten. Aber das Game schafft trotzdem etwas Unerwartetes: Dass wir über seinen Protagonisten nicht nur lachen, sondern uns mit ihm identifizieren und Mitleid wegen seines Lebens in ständiger Angst spüren. Denn da ist eine tiefe Traurigkeit in den Augen dieses Oktopoden, der doch nur in Frieden mit seiner Familie leben will.

«Octodad» gibt es für PC und Playstation 4. Das Game ist ab 7 Jahren freigegeben.

Seht her, ein Oktopus!

Ein Oktopus in Anzug und Krawatte gestikuliert mit zweien seiner Tentakel vor einen beschädigten Holz-Lattenzaun.

Youtube

Der «Octodad – The Dadliest Catch»-Youtube-Trailer zeigt, wie viel ungewollte Zerstörung acht Tentakel anrichten können.