Review: «OlliOlli 2: Welcome to Olliwood»

«OlliOlli 2» ist das beste Skateboard-Spiel der Welt. Kommt euch das bekannt vor? Ja, ich habe es schon bei «OlliOlli» gesagt. Die zweite Version ist noch besser, denn sie ist farbiger und noch gnadenloser.

«OlliOlli» habe ich sehr gemocht. Denn es versteht, wo echter Style herkommt: von Können. Andere Skate-Spiele packen möglichst viele Original-Klamotten und Skateboard-Bemalungen in das Spiel, um cool auszusehen, und helfen uns kräftig dabei, mühelos die tollsten Tricks hinzulegen. «OlliOlli» dagegen gibt sich nicht mit einer Illusion zufrieden: Wenn wir hier eine fehlerfreie, stilvolle Linie abliefern, dann haben wir die uns verdient – geübt, geübt und nochmal geübt.

Deshalb gehört «OlliOlli» für mich auf die Liste unserer schönsten Game-Momente 2014. Jetzt kommt erst ein Jahr später bereits die zweite Version. Und die ist sogar noch besser.

Knallbunt farbige Kulissen

Sitzen in diesem Wägelchen Zombies?

Bildlegende: Die Achterbahn ist etwas gruslig. Der Nosegrind dafür stylisch. Screenshot

Zunächst einmal ist «OlliOlli 2» farbiger. Wenn ich am Vorgänger überhaupt einen kleinen Makel ausmachen kann, dann sind es die Hintergründe der Levels: etwas zu grau, etwas zu ausgeblichen. In «Welcome to Olliwood» sind sie nun knallbunt und dank dem Hollywood-Thema auch abwechslungsreicher: Wir skaten in Wild West, durch Azteken-Tempel und auf einer Achterbahn.

Doch der Star dieses Spiels sind nicht die Sets, sondern die Mechanik. Die ist im Kern unverändert: Wir sehen unseren Skater von der Seite und ziehen unsere Linien von links nach rechts über einen immer komplizierteren Hindernisparcours aus Rampen, Treppen und allerlei Kram, der im Weg steht.

Erst beim Landen gibt es Punkte

Mit dem linken Stick am Kontroller bereiten wir einen Trick vor, gehen in die Knie. Lassen wir den Stick los, springen wir ab. Wenn wir den Stick dabei noch bewegen, beispielsweise in einem Halbkreis im Uhrzeigersinn, hüpft unsere Spielfigur nicht nur den Standard-Ollie, sondern lässt das Brett kunstvoll wirbeln.

Die Erklärung, wie Grinding geht: Stick im richtigen Moment nach unten.

Bildlegende: So geht's. Ganz einfach. Screenshot

Dafür gibt es allerdings noch keinen Blumenstrauss. Denn erst wenn wir sauber landen, den Trick stehen, erhalten wir Punkte zur Belohnung. Dafür müssen wir exakt im richtigen Moment den richtigen Knopf drücken. Je besser das Timing, desto mehr Punkte. Drücken wir zu spät oder viel zu früh, stolpern wir hin peinlich und gehen leer aus.

Wir müssen also Risiko und Belohnung abwägen: Früher drücken bedeutet, dass wir den Trick eher stehen – dafür gibt es aber weniger Punkte. Ausserdem geben sich anspruchsvolle Skater nicht mit einem mickrigen Trick zufrieden: Möglichst viele fehlerfrei aneinanderreihen ist das Ziel. Eine solche «Combo» gibt sehr viele Punkte – aber nur, wenn wir sie am Schluss auch stehen, also mit der allerletzten Landung die Punkte einfahren. Machen wir nur einen einzigen kleinen Fehler: alles weg, von vorn.

Nochmal von vorn

Das grüne Dreieck am Kontroller setzt uns sofort an den Anfang zurück. Diesen Knopf drücken wir sehr, sehr oft. Hier nicht sauber gelandet, dort zu früh abgesprungen – von vorn. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal.

Das Ziel ist nur zu Beginn, überhaupt heil durch den Hindernisparcours zu kommen. Später geht es vor allem darum, möglichst viele Punkte zu machen – also fehlerfrei möglichst stylisch durchzusausen, die «Combo» immer länger aufzublasen und sie am Schluss mit einer perfekten Landung abzuschliessen.

In jedem Level schliessen wir fünf Aufgaben ab und schalten so eine Version des Levels mit mehr Hindernissen und schwierigeren Aufgaben frei. Und wer echten Nervenkitzel und die schlüpfrigsten Schweisshände verspüren will, misst sich im täglichen Wettkampf namens «Daily Grind» online mit anderen: eine zufällige Strecke, die wir so oft üben können, wie wir wollen; für den Lauf, der für die Rangliste zählt, haben wir dann aber genau einen einzigen Versuch.

Neu: Katapult-Rampen und eeewige «Combos» dank «Manuals»

«OlliOlli 2» behält das alles bei. Gut! Denn es wäre schade gewesen, diese hervorragende Mechanik grundsätzlich zu verändern. Damit «Welcome to Olliwood» aber trotzdem mehr als nur eine optische Verbesserung ist, gibt es einige kleine Neuerungen:

Oben: entspannte Urwaldvögel.

Bildlegende: Auauau! Die Tempel, getränkt mit Skater-Blut. Screenshot

So können wir auf vielen Strecken mehrere Routen wählen: oft eine hoch, eine tief. Ein neues Hindernis, das diese Routenwahl ermöglicht, sind Rampen: Wenn wir auf denen im exakt richtigen Moment abspringen, katapultieren sie uns mit zusätzlichem Schwung besonders hoch oder weit.

Und schliesslich sind in «OlliOlli 2» die «Combos» noch wichtiger als im Vorgänger. Dabei helfen die neuen «Manuals»: Auf flacher Strecke fahren wir nicht mit allen vier Rädern, sondern nur auf den vorderen oder hinteren zwei. Statt also sauber im Flachen zu landen, damit die «Combo» abzuschliessen und die Punkte zu kassieren, können wir zwischen Sprüngen und Grinds eben diese «Manuals» einbauen und so eine «Combo» beliebig verlängern – noch mehr Risiko für noch mehr Punkte.

Das macht «OlliOlli 2» natürlich noch schwieriger. Doch es ist konsequent – man dreht den Regler, der schon auf Elf stand, gnadenlos noch weiter nach rechts. Jetzt steht er auf Zwölf. Und ihr wisst ja: Zwölf ist lauter als Elf. Eins lauter. Eins lauter ist eins besser.

«OlliOlli 2: Welcome to Olliwood» ist für Playstation 4 und Vita. Für Playstation-Plus-Abonnenten ist es gratis. Spielstände lassen sich zwischen PS4 und Vita synchronisieren (bei Problemen hilft dieser Tipp). Das Haikiew ist hier.

Tolle Idee, Herr Kollege!

Tolle Idee, Herr Kollege!

Marcus Dittmar im deutschen Game-Blog «Superlevel» ist superclever und trifft das Grundgefühl von «OlliOlli 2» in seiner Kurzkritik exakt: Er macht einen kleinen Schreibfehler und beginnt den Abschnitt erneut. Und erneut. Und erneut. So schön meta! Sage ich ganz ohne Neid. Ich schwöre.