Review: «Quadrilateral Cowboy»

Das Indie-Studios Blendo macht Games, die angenehm kurz und voll mit surrealem Witz sind. Kurz ist das mehrstündige «Quadrilateral Cowboy» nun eher nicht. Witzig und verrückt aber sehr wohl. Und das rettet das Game, trotz Schwächen beim Gameplay.

Zwei Frauen mit Köpfen wie Kartonschachteln sitzen am Boden, auf den ausgestreckten Beinen je ein Computer-Keyboard.

Bildlegende: Eben noch an der Abendschule, jetzt schon als Hacker unterwegs: Wir sind Teil eines Trios von Renegaten-Ingenieurinnen. Blendo Games

Dass «Quadrilateral Cowboy» kein gewöhnliches Game ist, wird gleich zu Beginn klar (gut, schon der Titel hätte es ahnen lassen): Wir sitzen auf einer Art Hover-Töff, der wie ein Zweitakter schnurrt. Von links und rechts fliegen unsere beiden Komplizinnen ins Bild, ebenfalls auf fliegenden Motorrädern. Wir setzen Kopfhörer auf, schalten unseren Walkman ein. Bloss dass der Walkman in diesem Fall ein Vinyl-Walkman ist und bald eine LP mit Debussys «Clair de lune» zu spielen beginnt.

«Quadrilateral Cowboy» (dieser Name!) ist nach eigenen Angaben ein «Cyberpunk Heist Adventure». Ein Hacker-Game, das in einer 1980er-Jahre Parallelwelt spielt, in der fiktiven Stadt Nuevos Aires.

Wer andere Games des Indie-Studios Blendo kennt, weiss, was ihn erwartet: Grob und blockförmig gezeichnete Landschaften. Menschen mit Köpfen wie Kartonschachteln. Seltsame technische Gerätschaften und drollige Apropos an allen Ecken und Enden. Es ist eine wunderbar surreale Welt, in der Hover-Töffs und romantische Klaviersuiten gleichermassen Platz haben.

Ein Roboterhund und ein Gewehr in einem Koffer

Im Vergleich zu früheren Blendo-Games ist «Quadrilateral Cowboy» ein fast schon ausuferndes Werk geworden: Während der Vorgänger «Thirty Flights of Loving» (2012) in einer Viertelstunde durchgespielt war, dauert es um die vier Stunden, bis wir hier am Ende sind. Und während wir beim Vorgänger kaum mehr machen konnten als zuzusehen, wie die Geschichte von selbst ihren Lauf nahm, ist «Quadrilateral Cowboy» ein «richtiges» Game geworden, bei dem wir auch etwas zu tun haben.

Ein aufgeklappte Notebook.

Bildlegende: Wie MS-DOS-Befehle: Die Programmiersprache in «Quadrilateral Cowboy» wird auch totale Anfänger nicht überfordern. Blendo Games

Die Hauptmechanik ist das Hacken: Wir geben Code in ein kleines Terminal ein und kontrollieren so Türen, Fenster oder Laserbarrieren.

Die «Programmiersprache» erinnert an MS-DOS-Befehle. So zeigt etwa «dir» eine Liste mit allem rundherum, das wir hacken können – zum Beispiel zwei Türen, «door1» und «door2». Wenn wir nun die erste dieser beiden Türen für 3 Sekunden öffnen wollen, tippen wir «door1.open(3)» ins Terminal. Wollen wir 5 Sekunden nach der ersten auch noch die zweite Türe für 3 Sekunden aufgehen lassen, tippen wir «door1.open(3); wait(5); door2.open(3)».

Das ist so einfach, dass es auch Leute ohne Programmierkenntnisse in kürzester Zeit begriffen haben. Zumal das Game uns nie zu viel auf einmal zumutet, sondern schrittweise an neue Funktionen heranführt. Etwa wenn wir bald einmal einen kleinen, programmierbaren Roboterhund zur Seite bekommen, der Befehle an Stellen ausführen kann, die wir selbst nicht erreichen können.

Weitere programmierbare Hilfsmittel sind eine Art Schleuder, die Leute oder Gegenstände über grössere Distanzen spickt. Oder ein Gewehr in einem Koffer, mit dem wir auf Knöpfe und Schalter schiessen.

Weiter mit Trial and Error

Auf Menschen zielen wir dagegen nie. Denn in «Quadrilateral Cowboy» gibt es keine Feinde, die wir ausschalten müssen. Nur Sicherheitssysteme, die es zu überlisten gilt. Wie positioniere ich mein Team und Material am besten, damit ich zur rechten Zeit eine Tür öffne, die dann meinem Roboterhund den Weg freimacht, einen Laser zu deaktivieren? Wie schaffe ich es, unbemerkt ans Ziel zu kommen und dabei Türen oder Fenster nie länger als 3 Sekunden offen zu lassen, damit kein Alarm ausgelöst wird?

Ein Tresorwagen schwebt in der Luft

Bildlegende: Wir überfallen gepanzerte Fahrzeuge, rauben einen Zug aus und wagen uns sogar einmal in eine Raumstation im Orbit vor. Blendo Games

Die Puzzles der insgesamt 10 Missionen sind nie besonders schwierig. Trotzdem kommen wir oft nur mit der Methode Trial and Error weiter – ausprobieren, ob ein Plan klappt und einen neuen Ablauf programmieren, wenn etwas schief läuft.

So gross die Freude ist, wenn ein Raub schliesslich effizient und elegant über die Bühne geht, so gross kann der Frust der (vielen) vorausgegangenen Versuche sein. Zumal das Game durch einige Bugs geplagt wird – etwa wenn wieder einmal Kamera oder Terminal einfrieren oder sich das Game gleich ganz verabschiedet. Mir ist das zum Glück nur einmal passiert. Man liest aber von Leuten, die mit vielen solchen Abstürzen zu kämpfen hatten.

Zwischenszenen bleiben in Erinnerung

Diese technischen Probleme sind aber nicht «Quadrilateral Cowboys» grösster Schwachpunkt. Viel mehr stört, dass das Game einer Abfolge von Tutorials gleicht. Kaum wurde uns eine neue Funktion beigebracht, wartet schon die nächste Lektion auf uns und wir können alles Vorangegangene vergessen. Den Roboterhund zum Beispiel brauchen wird während ungefähr zwei Missionen, danach spielt er keine Rolle mehr.

Ein Hinterhof mit Stühlen und Fahrrädern.

Bildlegende: Grob gezeichnet aber atmosphärisch: Zwischensequenzen bleiben in besserer Erinnerung als das Gameplay selbst. Blendo Games

Die Game-Kritik des «Guardian» stellt dazu richtig fest, dass das vignettenhafte Erzählen, das die Blendo-Spiele prägt, beim Gameplay seine Grenzen findet. Eine skizzenhafte Geschichte kann im besten Fall mit wenigen Worten oder Bildern eine Welt entstehen lassen. Skizzenhaftes Gameplay dagegen fühlt sich immer bloss unfertig und unvollständig an.

Es wäre schön, wenn all die Hacker-Tricks, die uns «Quadrilateral Cowboy» beibringt, nicht nur während jeweils einer oder zwei Missionen zum Einsatz kämen. Aber vielleicht wird das ja noch möglich: Der Source-Code des Spiels ist offen zugänglich und jeder kann das Game nach eigenem Gutdünken modifizieren. Die 10 vorgegebenen Missionen müssen also nicht die einzigen bleiben.

Badminton auf dem Hausdach

Und was das skizzenhafte Erzählen angeht, hat «Quadrilateral Cowboy» – wie schon «Thirty Flights of Loving» mit seinen ans Kino erinnernden Jump Cuts – viel zu bieten. Denn zwischen unseren Missionen erleben wir auch stille Momente, etwa wenn wir mit unseren Komplizinnen im Auto fahren oder bei Sonnenuntergang auf einem Hausdach Badminton spielen.

Es sind jeweils nur kurze Szenen, in denen wir kaum etwas anderes tun, als den Moment zu erleben. Aber es sind die Stellen des Spiels, die wohl am längsten in Erinnerung bleiben.

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