Review: «Super Smash Bros»

Die Wii-U-Version von «Super Smash Bros» ist unbestritten der Zenit der heiss geliebten Prügelspiel-Serie. Ich respektiere das Spiel. Doch heiss wurde mir dabei nicht.

Freundlich schaut sie durch mich hindurch, die kleine Plastik-Figur. Unter den blonden Locken der Prinzessin die blauen Augen, ausdruckslos. Die eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere ausgestreckt, eine eingefrorene Herausforderung: «Habe ich dich nicht gewarnt? Du wolltest einfach verprügelt werden, nicht?»

Nein, wollte ich nicht. Ich dachte, ich sei jetzt besser. Ich dachte, ich hätte wildes Panik-Fuchteln unter Kontrolle gebracht. Die Rettungssprünge gelernt. Meinen Schwertwirbel und die Fernattacke mit dem Pfeilbogen im Griff. Ich dachte, ich könne jetzt auch mal austeilen statt immer nur einzustecken.

Die Amiibo-Figuren Link und Peach.

Bildlegende: Nicht freundlich schauen sie drein. Sondern kühl verächtlich. Guido Berger/SRF

Doch die Plastik-Prinzessin lernt eben auch dazu. Und sie lernt schneller als ich. Die Maschine spielt besser als ich.

Heiss geliebte Serie

«Super Smash Bros» ist ein Prügelspiel. Seit der ersten Version 1999 wurden in der Serie mehr als 17 Millionen Stück verkauft. Spieler und Kritiker lieben es heiss.

Es versammelt unzählige Charaktere aus Nintendo-Spielen: Mario, Link, Peach, Yoshi, Zelda, Kirby, Donkey Kong, Bowser, Pikachu und alle anderen. Dazu kommen einige «fremde» Figuren wie Mega Man (von Capcom), Pac-Man (Namco) oder Sonic (Sega). Aus 51 Figuren wählen wir eine aus und kämpfen dann gegen eine bis sieben andere, indem wir sie treten, schlagen oder sonstwie verprügeln.

Einzigartige Mechanik: Runterschubsen

Die Mechanik von «Super Smash Bros» unterscheidet sich dabei grundlegend von anderen Prügelspielen wie «Street Fighter», «Tekken» oder «Dead or Alive».

Eine Frau im goldenen Raumanzug, ein Fuchs und ein grüner Knubbel-Dinosaurier.

Bildlegende: Samus aus «Metroid» vs. Fox aus «Star Fox» vs. Yoshi. Nintendo

Erstens ist es kein Duell, sondern alle hauen alle. Zweitens geht es nicht in erster Linie darum, die Gegner K.O. zu hauen. Das Ziel ist stattdessen, sie von der «Stage» aus dem Bildschirm zu schubsen. Ausserdem: Je mehr Schaden einem Gegner zugefügt wird, desto weiter wird er bei einem erneuten Treffer zurückgeschubst. Je mehr wir also einstecken mussten, desto grösser ist die Chance, dass wir beim nächsten Treffer in die Tiefe fallen.

Dieses Grundprinzip ist toll, weil es sich klar von anderen Prügelspielen absetzt, das Spiel komplexer macht. Und weil es sowohl kulturelle wie hauseigene Tradition von Nintendo aufnimmt: auch im Sumo ist das Ziel, den Gegner aus dem Ring zu bugsieren. Und das Herumhüpfen auf Plattformen gehört zur DNS Nintendos.

Kompromisslose Perfektion

Auch im Detail könnte «Super Smash Bros» kaum perfekter sein. Die vielen, vielen Figuren sind sehr unterschiedlich zu spielen. Einige sind gross und schwer und damit schwieriger herumzuschubsen. Andere sind dafür schnell und wendig und schwieriger zu treffen. Einige schlagen, andere hauen oder fuchteln mit Schwertern. Trotzdem sind sie ausgewogen.

Ein hektischer und unübersichtlicher Kampf.

Bildlegende: Chaos mit Mega Man. Nintendo/SRF

Dabei ist es erstaunlich, wie kompromisslos das Spiel ist. Für Neueinsteiger ist das Chaos zu Beginn überwältigend. Wir verlieren immer wieder unsere Figur aus dem Blick. Nicht nur, weil drei andere wild auf sie einprügeln. Sondern auch, weil wir uns viel mehr bewegen als in anderen Prügelspielen, auf den Plattformen herumhüpfen. Dabei hält die Kamera immer alle Spieler im Blick, was besonders bei weitläufigen Levels bedeutet, dass sie schwenkt oder zoomt, was die Orientierung nicht leichter macht.

Aber auch sonst ist das Spiel total hardcore, auch wenn es visuell kindlich daherkommt. Wer bei Prügelspielen einfach gerne wild und schnell auf alle Knöpfe drückt («button mashing»), hat hier keine Chance. Das Spiel erwartet, dass wir lernen und trainieren.

Üben, üben, üben

Ich wurde erst besser, als ich einige gute Anfänger-Tipps auf dem Internet fand. Man soll eher ausgewogene Figuren verwenden (Mario, Link oder den Bewohner aus «Animal Crossing») und sich zunächst auf eine konzentrieren. Ausserdem hilft es, zuerst gegen einen einzigen Gegner zu kämpfen statt gleich gegen drei, um Angriffe und Bewegungen der eigenen Figur zu lernen. Und schliesslich: immer in Bewegung bleiben und insbesondere Sprünge sicher beherrschen.

Dazu können wir Anzahl und Stärke der Gegner oder den Level frei wählen, Regeln verändern, also alles genau so einstellen, wie wir es zum Üben benötigen. «Super Smash Bros» bietet jede Option, die wir uns wünschen.

Sammeln, sammeln, sammeln

Ein virtuelles Sammelfiguren-Regal.

Bildlegende: Für Sammler: im Spiel Figuren kaufen (für Spielgold, nicht echtes Geld). Nintendo

Schliesslich ist das Spiel eine Art Museum für die Figuren von Nintendo (und einigen zugewandten Herstellern). Im Spiel erhalten wir kleine Trophäen dieser Figuren, die wir dann in einem Trophäen-Raum bestaunen können. Für jede Figur ist aufgelistet, in welchem Spiel aus welchem Jahr sie das erste Mal auftauchte.

Doch nicht nur im Spiel können wir sammeln. Eine wesentliche Ergänzung von «Super Smash Bros» sind die von Nintendo neu lancierten Amiibo-Figuren. Eineinhalb Dutzend sind schon erhältlich, von Mario und Yoshi über Zelda und Link bis zu Pikachu und Kirby.

Geld-Druckmaschine

Natürlich werden laufend neue erscheinen. Die Figuren kosten ab 15 Franken und sind bereits ein Verkaufsrenner. Im Weihnachtsmarkt hat Nintendo allein in den USA über 700’000 Amiibo-Figuren verkauft und gegenüber den Konkurrenten «Disney Infinity» und «Skylanders» aus dem Stand einen Drittel Marktanteil erobert.

Eine Hand hält eine Amiibo-Figur auf den Wii-U-Kontroller.

Bildlegende: Mario aus Plastik wird Mario aus Pixeln. Nintendo

Die Figuren finden auch in anderen Nintendo-Spielen Verwendung (beispielsweise «Mario Kart 8»). In «Super Smash Bros» werden sie zu Kämpfern. Wir halten die Figur an den Wii-U-Kontroller. Schwups erscheint die Figur im Spiel, zum Beispiel Prinzessin Peach. Wir können ihr einen Spitznamen geben, sie mit Ausrüstung verbessern und dann in den Kämpfen als Gegner oder Helfer antreten lassen. Je mehr Kämpfe die Figur bestreitet, desto stärker wird sie. Wenn wir wollen, können wir gar nur die Figuren gegeneinander kämpfen lassen und einfach zusehen.

Kühle Maschine

So kam es, dass meine Plastik-Prinzessin schon nahe am Maximal-Level 50 ist und mich regelmässig besiegt. Die Maschine lernt schneller als ich.

Das fand ich deprimierend. Unter der zuckersüssen Knubbel-Oberfläche wirkte das Spiel auf mich kühl und fremd. Alles rief mir zu: «Sammeln, sammeln! Üben, üben!» – ich muss eine Maschine werden, um diese Maschine zu besiegen.

Dennoch muss ich «Super Smash Bros» respektieren. Das Spiel weiss genau, was es sein will und zieht das kompromisslos perfekt durch. Wer die Serie oder diesen Typ von Spiel mag: Das ist der Zenit.

«Super Smash Bros» ist für Wii U und 3DS. Es ist ab 12. Das Haikiew ist hier.