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Games Review: «The Last of Us: Left Behind»

In dieser neuen Ergänzung zu einem der besten Spiele des letzten Jahres erfahren wir mehr über das Mädchen Ellie und erleben zarte Momente in einer Welt ohne Hoffnung. Die Geschichte ist tieftraurig. Warum sie uns dennoch nicht zu Tränen gerührt hat.

Am Ende von «The Last of Us: Left Behind» hätte ich beinahe geweint. Beinahe.

Wären mir tatsächlich die Tränen gekommen, dann hätte ich hier die grossen Wörter ausgepackt. Ich hätte wohl von «Meilenstein» und «historischem Moment» geschrieben. Denn es ist mir schlicht noch nie passiert, dass ich beim Spielen weinen musste.

Nicht, als Sephiroth in «Final Fantasy VII» die Blumenverkäuferin Aeris , Link öffnet in einem neuen Fenstertötet. Die Szene ist zwar legendär, und auch ich war geschockt. Denn dass eine Hauptfigur unwiederbringlich sterben kann, ist nach wie vor eine absoluten Ausnahme in Spielen. Doch die Tränen kamen mir deswegen nicht.

In «Flower, Link öffnet in einem neuen Fenster» und «Journey, Link öffnet in einem neuen Fenster» war ich nah dran. Besonders der jeweilige Schluss war in beiden Spielen bewegend, hervorragend vorbereitet und mit berührender Musik untermalt. Doch ich war emotional zu erschöpft, mehr aufgewühlt als gerührt.

Ellie attakiert einen Mand mit einem Messer.
Legende: Ellie verteidigt Joel allein gegen Plünderer. Naughty Dog

Und auch im Hauptspiel «The Last of Us» gab es Szenen, die es beinahe schafften. Beispielsweise das Drama um Ish, Link öffnet in einem neuen Fenster und der erschütternder Fund in seinem improvisierten Kindergarten. Oder die Szene mit Bill, der sich ganz alleine in einer Kleinstadt verschanzt hat und mit dem wir nach längeren Kämpfen die Überreste seines Partners Frank finden, der Selbstmord begangen hat. Die Notiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, die Frank für Bill hinterliess, ist herzzerreissend.

Mehr über Ellie erfahren

Und nun kehren wir mit der Erweiterung «Left Behind» noch einmal in diese post-apokalyptische, tieftraurige Welt von «The Last of Us» zurück. Ein parasitärer Pilz hat die meisten Menschen befallen und sie in Zombies verwandelt. Und auch die wenigen Überlebenden sind zu Monstern geworden, nach zwei Jahrzehnten Überlebenskampf und Hoffnungslosigkeit (im Sountrack auch gut hörbar).

In der Hauptgeschichte vom letzten Jahr folgten wir dem Schmuggler Joel: Er soll die junge Ellie in ein Labor bringen, weil sie gegen den Pilz resistent ist und damit das letzte Fünkchen Hoffnung für die Menschheit.

Die neue Erweiterung «Left Behind» ergänzt nun das Hauptspiel um einige Kapitel. Wir erfahren mehr über Ellie: Wie sie es schaffte, Joel das Leben zu retten – ein Abschnitt, der im Hauptspiel übersprungen wurde. Und wie Ellie lebte, bevor sie Joel traf und bevor sie wusste, dass ihr der Pilz nichts anhaben kann.

Die Erweiterung fokussiert geschickt auf die Stärken des Hauptspiels: Wilde Action tritt in den Hintergrund, Kampf vermeiden durch Schleichen ist wichtiger. Im Zentrum stehen vor allem die ruhigen Momente und Dialoge.

Tieftraurige Geschichte

Riley am Boden, Ellie bedroht sie mit einem Messer.
Legende: Riley hat Ellie erschreckt. Ellie findet das nicht lustig. Naughty Dog

Es ist eine Geschichte der verlorenen Unschuld. Sie zeigt zarte Momente zweier heranwachsender Mädchen. Ellie und ihre Freundin Riley kannten nie etwas anderes als die Apokalypse. Sie verbrachten ihr ganzes Leben in einer Welt, die man niemandem wünscht und schon gar nicht Kindern. Dennoch finden sie Freundschaft und leichte, wenn auch kurze Momente des Glücks. Und sie klammern sich an die Hoffnung, die alles ist, was ihnen bleibt.

Damit erzählt «Left Behind» eine Geschichte über das Wesen der Menschlichkeit. Es ist eine tieftraurige Geschichte. Die sehr wohl das Zeug hätte, mich zu Tränen zu rühren.

Nah am Wasser gebaut

Und das wäre auch gar nicht so schwierig. Ich stelle fest, dass ich mit zunehmendem Alter stetig näher am Wasser baue. Im Kino oder vor dem Fernseher kenne ich das Gefühl der aufsteigenden Tränen gut. Ich heule zwar nie los wie ein Schlosshund, aber es kommt durchaus vor, dass Tränen kullern. Nicht nur bei Meisterwerken wie «Grave of the Fireflies, Link öffnet in einem neuen Fenster». Sondern durchaus auch bei einer durchschnittlichen romantischen Komödie wie «The Object of My Affection, Link öffnet in einem neuen Fenster» oder wegen einer Dracula-Puppe in «Forgetting Sarah Marshall, Link öffnet in einem neuen Fenster».

Während also Filme genau wissen, wie man auf meine Tränendüse drückt, haben Spiele diese Nuss nach wie vor nicht geknackt.

Ich frage mich, warum.

Das Rezept für Tränen

Musik ist bestimmt wichtig. Die richtige Melodie im richtigen Moment, das ist ein sicheres Rezept: am Hirn vorbei direkt ins Herz. Diesbezüglich ist «The Last of Us» mit dem glänzenden Soundtrack von Oscar-Gewinner Gustavo Santaolalla schon einmal gut gerüstet.

Als zweites müssen die Figuren in diesem einen Moment glaubwürdig sein. Ich muss ihre Emotion erkennen können. Die Figuren müssen mir etwas bedeuten. Ich muss ihnen Empathie entgegenbringen können. Auch das ist in «Left Behind» so. Es gibt zwei Schlüssel-Szenen, eine süss, eine salzig. Beide stützen auf einen Dialog zwischen Ellie und Riley ab, beide Szenen sind grossartig geschrieben und gespielt. In einem Film hätte ich bei beiden wohl feuchte Augen gekriegt.

Das Problem: Empathie vs. Interaktion

Es ist bezeichnend, dass diese beiden Szenen Filmsequenzen sind, denen ich zuschaue, ohne Ellie zu kontrollieren. Ich vermute, dass darin der Schlüssel liegt.

In einem nicht interaktiven Medium wie einem Film kann ich mich verlieren. Ich vergesse mich selbst, folge nur den Figuren und dem Ablauf der Geschichte. So empfinde ich mit ihnen, direkt durch sie.

Ellie und Riley albern herum in einem Fotoautomat.
Legende: Im Spiel finden wir einen Fotoautomaten – das Resultat können wir dann auf Facebook posten. Naughty Dog

In einem Spiel und somit auch in «Left Behind» geht das nicht. Denn meist habe ich die Kontrolle über die Figur und spiele sie. Möglicherweise nicht genau so, wie das die Figur Ellie in dem Moment tun würde. Dann entzieht mir das Spiel die Kontrolle, lässt mich Ellie zuschauen und gibt mir danach die Kontrolle wieder zurück.

So kann Ellie nicht eine in sich geschlossene Figur sein. Stattdessen enthält sie einen Teil von mir. Das macht es unmöglich, mich selbst zu vergessen. Und deshalb ist es schwieriger, der Figur reine Empathie entgegen zu bringen.

Denn während die Figur traurig ist, bin ich es im selben Moment nicht – stattdessen aufgeregt, weil ich gerade einen Kampf überstanden habe. Oder erfreut, weil ich in der Geschichte gut vorwärts komme. Oder gespannt, was da hinter der nächsten Ecke lauert. Es ist ein bisschen schizophren.

Ich glaube, das sind einfach zu komplexe Voraussetzungen für eine so einfache, direkte Reaktion wie Tränen. Die kann nur durchschlagen, wenn ich mich selbst völlig vergessen habe, ein leeres Gefäss bin.

Deshalb bin ich nun bereit, dieses Kapitel abzuschliessen: Ich gebe es endlich auf, auf ein Spiel zu hoffen, das mich zu Tränen rührt.

Denn es ist unsinnig, die Erwartungshaltung an ein Medium auf ein anderes zu übertragen. Games funktionieren anders als Filme. Bestimmte Emotionen wie Stolz oder Befriedigung können Games vermitteln wie kein anderes Medium – mit anderen Emotionen tun sie sich halt schwerer.

Bei einem anderen Spiel hätte man noch argumentieren können, dass es halt nicht gut genug ist. Doch «The Last of Us: Left Behind» lässt diese Ausrede nicht zu. Dieses Spiel hätte man nicht besser machen können. Es ist feinfühlig und berührend. Das ist grossartig – auch wenn wir Heulsusen die Nastüechli stecken lassen können.

«The Last of Us: Left Behind» ist eine Erweiterung von «The Last of Us» auf der Playstation 3. Es ist ab 18. Unser Review von «The Last of Us» ist hier. Das Haikiew ist hier.

Beitrag hören

Den Game-Tipp zu «The Last of Us: Left Behind» hört ihr am Mittwoch nach 14 Uhr auf SRF 3.

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