Review: «The Sims 4»

Die neue Version der Game-Serie wurde technisch gründlich überarbeitet. Nun zeigen die Sims mehr Emotionen und Häuser lassen sich leichter bauen. Dafür wurden anderenorts Abstriche gemacht: Swimming-Pools fehlen und auch Kleinkinder! Langjährige Fans haben an diesen Veränderungen gar keine Freude.

Ein Sims in einem Strahlenschutzanzug hat einen Fisch gefangen.

Bildlegende: Vergiftet oder Prachtsexemplar? Die Meinungen über «The Sims 4» gehen stark auseinander. Electronic Arts

Wer ein Herz für Ideen hat, die sich irgendwo zwischen spekulativer Wissenschaft und Science-Fiction bewegen, der stösst im Internet immer häufiger auf eine Theorie namens «Simulismus». Sie besagt, dass unsere Realität möglicherweise nur eine Computer-Simulation ist, in der wir Menschen uns ahnungslos bewegen.

Ein Sims würde diesen Gedanken wohl mit einem schulterzuckenden «Baba bui, baba na, magugu» quittieren – oder wie immer man «Alter, das habe ich doch schon lange gewusst» auf Simlish sagt. Schliesslich führen die Sims schon seit mehr als 14 Jahren ein mehr oder weniger glückliches Leben in unseren Computern. Die wohl bekannteste Lebenssimulation hat sich bis heute fast 200 Millionen Mal verkauft und gilt als eine der erfolgreichsten Game-Serien aller Zeiten.

«Wir wollen Swimming-Pools!»

Der letzte Teil – «The Sims 3» – ist 2009 erschienen und wurde seitdem mit 20 Erweiterungs- und Accessoire-Paketen um zusätzliche Inhalte ergänzt («Luxus-Accessoires»! «Gib Gas-Accessoires»! «Katy Perry Süsse Welt»!). Das nun veröffentlichte «The Sims 4» ist der erste wirklich neue Eintrag in die Spiele-Reihe.

Ein Sims spielt ein Lied an einem Klavier.

Bildlegende: Emotion pur: Wie sich ein Sims fühlt, beeinflusst auch seine Fähigkeiten. Nur ein glücklicher Sims spielt ein glückliches Lied! Electronic Arts

Entsprechend hoch waren die Erwartungen der langjährigen Fans. Und – man ahnt es schon – entsprechend gross ist nun auch die Enttäuschung mancher langjähriger Fans: «Wir können keine Swimming-Pools mehr bauen!», klagen sie. Es gibt keine Kleinkinder mehr, keine Friedhöfe und Geister und Männern fehlt die Körperbehaarung!

Fleissig werden im Internet 89 Features aufgelistet, die in der neuen Version ganz fehlen oder nur mehr eingeschränkt funktionieren. Die Befürchtung: Viele der fehlenden Dinge sollten erst in späteren Erweiterungs-Paketen ins Spiel kommen – Erweiterungs-Pakete, für die gezahlt werden muss. Schnell war darum auf der Aktivisten-Plattform Change.org eine Petition lanciert, die zumindest die Swimming-Pools und Kleinkinder wieder im Spiel haben will (und bisher mit 24'000 Leuten unterzeichnet wurde – das sind etwa etwa 0,01 Prozent aller bisherigen Sims-Käufer).

Emotionen statt Kleinkinder

Der Unmut dieser lauten Minderheit von Sims-Fans ist so gross, dass sich die Sims-Produzentin Rachel Franklin schliesslich in einem Blog-Post rechtfertigte, weshalb so viele lieb gewonnene Features in «The Sims 4» fehlen. Auf den Verdacht, viel werde den Fans jetzt noch vorenthalten, um sie später dafür bezahlen zu lassen, ging sie nicht ein.

Stattdessen verwies sie auf die neuen technischen Grundlagen, auf die das Game gestellt sei und die Kompromisse nötig machten. Statt Kleinkindern gebe es nun realistischere Emotionen und statt Swimming-Pools sei dafür das Bauen und Umgestalten von Häusern viel simpler geworden.

Auf der richtigen Seite des Uncanny Valley

Einfacher oder zumindest intuitiver ist auch der Einstieg ins Spiel: Ausgehend von ein paar Voreinstellungen lassen sich Gesicht und Körper einer neuen Figur per Maus so modellieren, dass wir innert Kürze unser ungefähres Ebenbild vor uns haben – dem wir dann ebenso schnell eine Wampe und Segelohren ziehen können, bis schliesslich ein effeminiert watschelnder Fettsack vor uns steht.

Die Sims sind noch ein wenig mehr zu Comic-Figuren geworden, mit übergrossen Augen und übertrieben animierten Bewegungen, die sie nicht nur auf der richtigen Seite des Uncanny Valleys stehen lassen, sondern im Game auch für viel (unfreiwillige) Komik sorgen. Alleine schon das Durchspielen aller möglichen Gangarten beim Erstellen einer Figur kann so für stundenlange Freude sorgen.

Das multifunktionale Puppenhaus

Sowieso sind «The Sims» eine Art elektronisches Puppenhaus, mit dem zu spielen kein eigentliches Ziel und keinen vorgegebenen Weg hat. Dem einen genügt es, seine Puppen schön herzurichten und darum verbringt er die meiste Zeit mit dem Erstellen seiner Figuren.

Drei Sims-Figuren stehen nebeneinander.

Bildlegende: Modell-Athlet oder Pencilneck: Das modellieren der Sims-Figuren ist einfacher und intuitiver geworden. Electronic Arts

Die andere legt wenig Wert aufs Äussere und will lieber ihre Puppen miteinander spielen lassen. Sie kann sich darüber freuen, dass die Sims nun realistischere Emotionen im zwischensimlischen Miteinander zeigen und darüber, dass ein Sim jetzt mehrere Dinge gleichzeitig tun kann – etwa ein Sandwich essen und derweil mit vollem Mund telefonieren.

Der Dritte wiederum will sein Puppenhaus so komplett als möglich einrichten und ärgert sich schrecklich darüber, dass er keine Swimming-Pools mehr bauen kann und es keine Geschirrspüler mehr gibt.

Unterhaltsame erste Stunden – technische Probleme

Ob «The Sims 4» also eine grosse Enttäuschung oder ein Schritt nach vorne ist, hängt vom persönlichen Spielverhalten ab – und auch davon, wie viel Zeit man schon mit den Vorgängerversionen verbracht hat. Ich zum Beispiel habe immer Mal wieder eine Version der Sims gespielt, aber das nie besonders ausdauernd. Dass im vierten Teil viele Dinge fehlen, die vorher zur Sims-Welt gehörten, ist mir deshalb kaum aufgefallen.

Ein dreistöckiges Sim-Haus.

Bildlegende: Bauen leicht gemacht: Häuser werden ganz einfach per «Drag&Drop» gebaut. Dafür gibt es Einschränkungen beim Grundriss und der maximalen Höhe. Electronic Arts

Die ersten Stunden, die ich mit dem Spiel verbracht habe, waren denn auch durchaus unterhaltsam. Gut möglich aber, dass mich die Limitationen stören werden, wenn ich noch mehr Zeit mit dem Game verbringe.

Einiges ist mir aber auch nach kurzen Spielen schon negativ aufgefallen. Da wären etwa die von vielen Spielern erlebten technischen Probleme. Bei mir äusserten sie sich dadurch, dass das Game mehrmals eingefroren ist und auf keine Eingaben mehr reagiert hat.

Das war vor allem dann schlimm, wenn ich zuvor viele Veränderungen an einer Figur oder einem Haus gemacht hatte, ohne diese zu speichern. Allerdings: Von solchen Pannen waren auch schon frühere Versionen der Sims geplagt – nicht dass das die jetzigen Fehler entschuldigen sollte.

Die Welt der Sims ist keine offene mehr

Und sehr gestört hat mich auch, dass die Welt der Sims nun keine offene mehr ist: Konnten wir in «The Sims 3» noch ins Auto steigen, und unserem Sims bei der Fahrt von der einen Nachbarschaft in die andere zusehen, ist das jetzt nicht mehr möglich – und nicht nur, weil Autos in «The Sims 4» gar nicht mehr fahren können, sondern nur als Dekorationsobjekte herumstehen.

Eine Sims-Nachbarschaft, aus der soeben eine Rakete startet.

Bildlegende: Raketen aber keine Autos: Wir können nicht mehr so einfach durch die Sims-Welt fahren, einzelne Gebiete müssen mühsam neu geladen werden. Electronic Arts

Stattdessen teleportieren sich unsere Sims nun von einer Nachbarschaft in die andere. Das geschieht aber nicht nahtlos, sondern wird durch einen Ladevorgang unterbrochen – selbst wenn man das Haus, zu dem man gehen will, schon im Bildschirmhintergrund sehen konnte.

So wird das Durchstreifen der Sims-Welt schnell zur Geduldsprobe. Und man kann davon ausgehen, dass diese Limitation auch nicht mit einem kommenden Erweiterungs-Paket verschwinden wird.

«The Sims 4» gibt es für Windows-PCs, zum Installieren ist ein Konto bei der Origin-Plattform notwendig. Das Game ist ab 12 Jahren freigegeben.

So funktioniert «The Sims 4»

So funktioniert «The Sims 4»

Das «Feature Preview Video» bei YouTube zeigt, wie man einen Sim erstellt, wie das mit den Emotionen funktioniert und was hinter dem neuen Baumodus steckt.