Review: «Worms: W.M.D»

Freundschaften sind daran zerbrochen. Beziehungen kaputt gegangen. Schuld: die cartoonartigen Würmer von «Worms», die seit 20 Jahren die Unsportlichkeit zur Game-Kultur erklären. Nun kommt der absolute Test: SRF Digital-Neuling Martina Gassner vs. SRF-Digital Chef Guido Berger!

Neuling Martina tritt gegen den alt eingesessenen Big Boss Guido an...

Bildlegende: Martina vs. Guido Schon immer haben die Würmer Freundschaften auf's Spiel gestellt. Das ist auch beim neuen «Worms W.M.D» nicht anders. SRF

Zahlreiche Versionen sind in den letzten Jahren erschienen, angefangen von einer Worms Pinball Version, bis hin zum «3D Worms». Doch was auch immer sich die Macher von Team17 einfallen liessen, keine Version ist unter den Liebhaberinnen und Liebhaber so beliebt wie der 1999 erschienene Klassiker «Worms Armageddon».

Und genau weil hier ein so grosser Konsens herrscht, haben sich auch die Macher des neuen «Worms W.M.D» an den Quellcode vom Klassiker «Worms Armageddon» gehalten. Was man also erwarten darf: eine klassische, aber aufgepeppte 2D-Grafik, ein ausgedehntes Arsenal an irrwitzigen Waffen und die guten alten Würmer mit ihren lustigen Frisuren und Sprüchen.

Während ich mich als Fan der Serie, mit voller Euphorie an dieses Review schmiss. Bin ich mittlerweile nicht mehr ganz so überschwänglich. Warum? Soll in den folgenden Absätzen besprochen werden. Wer in Eile ist, findet den Kurzüberblick ganz am Schluss.

Was ist neu an «Worms: W.M.D»?

«Worms W.M.D» besinnt sich also auf seine Ursprünge und lässt so einiges weg, was in den Vorgängern ausprobiert wurde. So gibt es beispielsweise keine Wurmklassen mehr, aber auch die Wasserspielereien (Wasserpistolen, Wasserbomben etc.) wurden gestrichen. Genauso wie der Büffel der sich einst mit seinen Hörnern quer durch die Karte rammte.

Schade eigentlich, denn dies waren alles Dinge, die nicht nur witzig waren, sondern auch eine unvorhergesehene Komponente mit ins Spiel brachten. Die neuen Elemente sind weniger auf Chaos und Witz aus. Dafür mehr auf Strategie. Ob das die richtige Entscheidung war, wage ich zu bezweifeln.

Fertigung

Die grösste Neuerung ist wohl die Fertigung neuer Waffen. Was mir daran gefällt ist natürlich, dass es das Arsenal vergrössert. Oft liest man, das neue «Worms W.M.D» wartet mit sage und schreibe 80 Waffen auf. Das halte ich für übertrieben. Denn nur weil eine Bazooka plötzlich mit Feuermunition schiesst, macht es die Bazooka noch lange nicht zu einer neuen Waffe.

Im Online-Multiplayer ist das neue System nützlich: Wir können neue Waffen bauen, während die Gegner am Zug sind. Und wer sich gut überlegt, was er genau modifiziert, der wird schnell im Vorteil sein. Denn der Gegner weiss nie was wir als nächstes auspacken.

Nur leider ist das System zu wenig gut durchdacht. Denn bei lokalen Multiplayer-Spielen hat man schlichtweg zu wenig Zeit während seines Zugs auch noch neue Waffen zu bauen. Im Online-Modus wiederum fehlen oft die nötigen Komponenten, um Erweiterungen herzustellen. Und so spielt man meist nur mit den Waffen, die es standardmässig gibt, was massiv viel weniger Variation zulässt.

Ich hoffe schwer, dass Worms hier noch eine Einstellung nachreicht, bei der man auch ohne Fertigung einen Zugriff auf alle Waffen hat – diese ist allerdings noch nicht geplant.

Fahrzeuge und stationäre Waffen und Gebäude

Für die anderen Würmer ist lediglich die Hausfassade sichtbar.

Bildlegende: «Worms: W.M.D» hat Gebäude in denen man sich verstecken kann. Und in die man selbst nur rein sieht, wenn man auch selbst drin steht. Screenshot SRF

Eine weitere, absolute Neuerung sind Fahrzeuge, wie zum Beispiel Panzer oder Helikopter und stationäre Waffen, wie zum Beispiel ein Schafschützengewehr, mit dem wir uns in diesem Game nicht bewegen können.

Diese Objekte sorgen für eine ganz neue Dynamik im Spiel, da man keine eigene Munition verschiessen muss, aber sie bieten auch Schutz. In Deckung gehen, hat bei Worms noch nie geschadet. Während man sich früher allerdings lediglich mit einem Brenner ein Loch graben konnte, bieten in «Worms W.M.D» zum ersten Mal ganze Gebäude Schutz.

Alleine oder zusammen?

Ganz klar: Zusammen! Jede neue Ausgabe von Worms hat seine wahre Schönheit erst im Kampf gegen die vermeintlich besten Freunde entfaltet. Doch auch, wenn die besten Spielerinnen und Spieler gerade nicht auf Besuch sind, kann man auch alleine mit den Würmern Spass haben.

Einerseits online, wo wir gegen andere weltweit wurmen können. Dort musste ich aber schmerzhaft erfahren, wie wirklich gute Würmer wurmen. Denn Ranglistenpunkte kann man nur holen, wenn man gegen die Profis gewinnt. Wer sich das nicht zutraut, kann auch auf die Ranglistenpunkte verzichten und sich seine Einstellungen so zurechtlegen wie es am besten passt.

Andererseits gibt es einen Einzelspielermodus, wo wir gegen den Computer antreten. Dort können Neulinge sich von Grund auf durchs Training spielen. Einsame Herzen können sich an der Kampagne versuchen, wo es zur Belohnung auch die eine oder andere niedliche Zwischensequenz gibt.

Damals wie heute das die gleichen Würmer.

Bildlegende: «Worms» So sah Worms noch in den 90ern aus. Irgendwie hat sich wirklich nicht viel geändert. SRF

Und wie spielt es sich?

Eins vorne weg: Ich liebe Worms, seit mein Vater es mir in den 90er gezeigt hatte. Es gibt kein besseres Spiel, dass man zu Hause mit Freunden spielen kann. Das gilt auch für das neue «Worms: W.M.D» (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ea3wZRqchEE" data-mce-href="https://www.youtube.com/watch?v=Ea3wZRqchEE">seht selbst>).

Doch nach zwanzig Jahren ist es ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten: Gewisse Waffen richten viel zu viel Schaden an (Ölfässer, Bananenbombe).

Auf der anderen Seite richten die neu eingeführten Fahrzeuge und stationären Waffen viel zu wenig Schaden an. Sie sind zwar eine willkommene Abwechslung.

Was ich als Worms-Fan natürlich auch noch beanstanden muss: Viele alte, spassige Waffen wurden weggelassen. Und gewisse, wie beispielsweise die heilige Handgranate oder auch der Betonesel wurden verschlechtert, die früher viel Spielspass brachten.

Die Fans der Serie singen derzeit eine Lobeshymne nach der anderen auf «Worms: W.M.D», weil es zurück zu den Wurzeln, zurück zum ursprünglichen Worms geht. Ich hingegen bin da nicht ganz so begeistert. Natürlich bin auch ich froh, dass man sich beim Team17 an seine Kernkompetenzen hält. Allerdings hat man wohl auf der Kernkompetenzseite auch etwas zu sehr nachgebessert: Dem früheren Witz und Chaos ist Ernst, Taktik und Strategie gewichen.

Fazit: Toll, aber aus dem Gleichgewicht

Worms ist Worms geblieben, und das ist gut so!

+ Schöne Landschaften. Bessere Darstellung hilft auch beim Spielen.

+ Neue Möglichkeiten durch Fahrzeuge und stationäre Waffen

+ Mehr Rückzugsmöglichkeiten

Worms ist aus dem Gleichgewicht geraten, und das ist schade:

- Viele witzige Waffen weggelassen

- Zum Fertigen bleibt nur Online Zeit

- Mehr Taktik und weniger Chaos

Worms ist und bleibt ein tolles Spiel daran gibt es nichts zu rütteln. Allerdings ist es nicht der beste Ableger der Serie. Wer beim neuen «Worms: W.M.D» auf ein verbessertes «Worms: Armageddon» hofft, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen.

«Worms: W.M.D» gibt es für PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, Linux, OS X.

Hüpfen oder Schiessen?

Warum die Macher die Tasten bei «Worms: W.M.D» neu belegt haben, kann ich nicht sagen. Aber neu ist die Hüpf-Taste mit der Schiessen-Aktion belegt. Bis man sich umgewöhnt hat, hat man sich schon viel zu oft in die Füsse geschossen. Zum Glück können alte Wormer wie ich über die Menü-Taste jederzeit auf «Armageddon» zurück wechseln.