«World of Warcraft: Legion» und die Nostalgie-Schrotflinte

Nach zwei Jahren Abstinenz kehren wir anlässlich der neuen Erweiterung «Legion» wieder nach Azeroth zurück. Wie hat sich das Rollenspiel in der Zwischenzeit entwickelt? Finden wir die richtigen Knöpfe noch?

«World of Warcraft» ist wohl noch immer das Spiel, in dem ich mit Abstand am meisten Zeit verbracht habe. Mehr als sieben Jahre lang habe ich es gespielt, zeitweise sehr intensiv. Doch vor gut zwei Jahren hatte ich genug. Ich brauchte einen Tapetenwechsel.

Jetzt ist eine neue Erweiterung von «World of Warcraft» erschienen, «Legion». Hey, eine schöne Gelegenheit, noch einmal reinzuschauen und meinen kleinen Gnom-Magier Alphonse abzustauben.

Wiedereinstieg schmerzloser als befürchtet

Der erste Abend war dann allerdings hart. Ich hatte Alphonse in der Zwergenstadt Eisenschmiede parkiert. Da war er natürlich immer noch. Doch was er noch für Ausrüstung besass, wusste ich nicht mehr. Ebensowenig, was all die Knöpfe in der Aktionsleiste des Spiels bedeuten. Ziemlich überfordert räumte ich zuerst eimal seine Taschen auf.

Dann merkte ich, dass im Kaufpreis der Erweiterung eine Abkürzung enthalten war – ich konnte meinen Gnom direkt auf Level 100 boosten, als hätte ich ihn in der letzten Erweiterung hochgespielt. Dieser Sprung wird gleich mit einem Tutorial abgeschlossen, das mir noch einmal die wichtigsten Knöpfe eines Eismagiers beibrachte. Damit war Alphonse abgestaubt – was insgesamt dann doch einfacher war, als ich befürchtet hatte.

Video: Guido spielt «World of Warcraft: Legion» (Let’s Play)

Neue Inseln und alte Bekannte

Wie die meisten Erweiterungen zuvor fügt auch «Legion» der «World of Warcraft»–Welt einen neuen Kontinent hinzu, die «Verheerten Inseln». Dort greift die Brennende Legion an, eine Armee von Dämonen, verantwortlich für so gut wie jede Invasion der Warcraft-Geschichte.

Abflug per Greif von der schwebenden Magier-Stadt.

Bildlegende: Welcome back in Dalaran. Screenshot SRF

Nicht nur das verleitet zu nostalgischem Schwelgen. So ist die schwebende Magier-Stadt Dalaran wieder ein Zentrum (wo sich die meisten Spieler immer wieder treffen). Sie schwebt nun über den Verheerten Inseln. Dalaran war vor sieben Jahren so etwas wie meine zweite Heimat, weil sie da bereits das Zentrum der «Wrath of the Lich King»-Erweiterung war.

Und als ich in den wunderschön verregneten Birkenwäldern von Sturmheim gerade Wölfe jage, treffe ich plötzlich einen gutmütigen Panda namens Nomi. Der war in «Mists of Pandaria» mein kleiner Kochlehrling. Ich habe ihn ausgebildet, und er hat mir jeden Tag etwas gekocht. Nun steht der hier im Wald, ist erwachsen und freut sich, mich zu sehen.

Nostalgie-Schrotflinte ins Herz

Und dass die verwunschene Magier-Burg Karazhan in einem späteren Patch als neuer Dungeon zurückkehren soll, erfüllt mich mit warmer Vorfreude – Karazhan war der erste Raid, an dem ich mir mit meiner Gilde die Zähne ausgebissen habe. Auf einem übergrossen Schachbrett oder im Theater haben wir gekämpft und in diesen extrem fantasievollen Schlachten gute Kommunikation gelernt.

Es ist die Wahrheit.

Bildlegende: Der lichte Birkenwald ist der schönste Wald. Screenshot SRF

In einer Welt wie der von Warcraft, die sich über die Jahre mit so vielen Inhalten gefüllt hat, gibt es für jeden und jede Anknüpfungspunkte an die Vergangenheit – Figuren, Orte und Situationen, an die man sich gerne erinnert. Hersteller Blizzard greift zu einer Art Nostalgie-Schrotflinte und trifft uns mit einer breit gestreuten Ladung Erinnerungen mitten ins Herz.

Zonen passen sich unserem Level an

Doch Blizzard begnügt sich nicht damit, einfach noch einmal die alten Songs zum Mitgrölen auszupacken. Nein, man verbessert fleissig und ist gar bereit, endlich einen alten Zopf abzuschneiden: Die neuen Regionen auf den Verheerten Inseln passen ihren Schwierigkeitsgrad automatisch an unseren aktuellen Level an. In anderen Rollenspielen ist das schon länger üblich, in «World of Warcraft» ist es neu.

Der Eismagier und sein Stab.

Bildlegende: Alphonse erhält Schwarzfrost. Screenshot SRF

Das bedeutet, dass wir selber entscheiden können, was wir zuerst erkunden wollen: Azsuna, Suramar, Val’Sharah, den Hochberg oder wie ich Sturmheim? Wir fangen an, wo es uns am besten gefällt. Das war früher nie so: Jede Zone eignete sich am besten für einen bestimmten Level-Bereich. Entsprechend spielten wir streng linear: Alle begannen in der gleichen Zone, schlossen sie ab und gingen dann zur folgenden über. Jetzt verteilen wir uns über den ganzen Kontinent.

Artefakte und Dämonenjäger

In diese Kerbe haut auch die zweite Neuerung von «Legion»: Artefakte. Damit sind legendäre Waffen gemeint, die zur Klasse und Spezialisierung unserer Figur passen (mein Eismagier zum Beispiel erhielt den Stab «Schwarzfrost»). In versteckten Schatzkisten oder auf speziellen Monstern finden wir Artefakt-Macht, mit der wir die Waffen laufend verstärken können. Dank dieses neuen Systems können auch Spieler zu einer mächtigen Waffe kommen, die nicht in einer grossen Gruppe in die schwierigen Dungeons hinabsteigen. Für Einzelspieler ist «World of Warcraft» damit so gut wie noch nie.

Die Dämonenjägerin sitzt auf ihrem Teufelsreittier.

Bildlegende: Qrnäpryzz posiert. Screenshot SRF

Und schliesslich gibt es wieder eine ganz neue Klasse: die Dämonenjäger. Sie bekämpfen die Legion mit deren Mitteln – haben sich durch diesen Teufelspakt also gefährlich den Dämonen angenähert. Die Klasse kann als Schadensmacher oder Tank gespielt werden. Sie verlässt sich vor allem auf schnelle Mobilität und Fähigkeiten, Schaden zu vermeiden.

Wie sich diese Klasse besonders im späteren Spielverlauf bewährt, kann ich nicht sagen – meine Dämonenjägerin mit dem wirklich total dämonischen Namen «Qrnäpryzz» ist dafür noch zu klein. Als Magier, der es sich gewohnt ist, vorsichtig einzelne Ziele anzugreifen, hat mich der extreme Gegensatz aber begeistert: Qrnäpryzz springt wild um sich schlagend mitten ins Gewühl.

Die alte Dame ist noch immer putzmunter

«Legion» ist also die perfekte Mischung geworden: ein Game, das zwar viel Nostalgie anzapfen kann, aber nicht ausschliesslich davon lebt. Denn in «Legion» ist so vieles verbessert und modernisiert worden, dass es auch losgelöst von schönen Erinnerungen immer noch trägt.

Alphonse angelt Sturmrochen.

Bildlegende: Natürlich habe ich geangelt. Screenshot SRF

Mir war jedenfalls schnell wieder klar, warum ich damals so viel Zeit in diesem Game verbracht habe. Die Welt sieht noch immer grossartig aus – technisch wirkt das Spiel zwar längst überholt, doch das Design, die Art Direction ist nach wie vor etwas vom Besten überhaupt. Es gibt so viel zu tun, die unterschiedlichsten Emotionen werden bedient. Ich habe Montagnacht vom Spiel geträumt – also klar den Sog wieder verspürt.

Schon vor vier Jahren habe ich geschrieben: «World of Warcraft ist nicht der frische Jungspund, sondern die alte Dame, deren erfülltes Leben Respekt verlangt.» Das gilt noch immer. Bei einem Spiel, das es seit bald 12 Jahren (!) gibt, ist allein diese Tatsache schon überwältigend.

Natürlich spielen es nicht mehr die 12 Millionen wie auf dem Zenit vor sechs Jahren. Aber der baldige Tod der alten Dame, auf den seither alle warten, ist auch nicht eingetroffen. Im Gegenteil: Hier hüpft sie noch immer, frischer und gelenkiger als je zuvor.

«World of Warcraft: Legion» ist für Windows PC und macOS. Es ist ab 12.

Über die Jahre habe ich so einiges über «World of Warcraft» geschrieben. Manches davon ist heute noch wahr/lesenswert.

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