Google kauft sich eine Flotte von Beobachtungs-Satelliten

Für 500 Millionen Dollar will Google die US-Firma Skybox kaufen – eine Satellitenfirma, deren Minisatelliten nicht nur Bilder zurück zur Erde schicken, sondern auch hochaufgelöste 90-Sekunden-Videos, fast in Echtzeit. Damit soll bald alles, was sich auf der Erde bewegt, zu Daten gemacht werden.

Hochaufgelöste Satellitenaufnahme von einem Kraftwerk, das eine Dampffahne ausstöst.

Bildlegende: Satelliten-Aufahme von Skybox: Auch die Dampffahne über einem Kraftwerk lässt sich in Daten umwandeln. Youtube

500 Millionen Dollar will Google für die US-amerikanische Firma Skybox Imaging zahlen. Bei einem solchen Deal kommen schnell Überwachungsängste auf: Denn die Skybox-Satelliten können nicht nur hochaufgelöste Fotos aufnehmen, sondern auch 90 Sekunden lange Videos.

Big Data statt Big Brother

Mit Skybox hat sich Google trotzdem kein «Big Brother der Lüfte» gekauft: Die Bilder der Satelliten sind (noch) zu wenig gut aufgelöst, um darauf einzelne Personen erkennen zu können. Dennoch sind die Kurzvideos detailliert: Mann kann darauf einzelne Autos erkennen, laut Skybox sogar die Farbe des jeweiligen Fahrzeugs. Damit lassen sich alle möglichen Veränderungen am Boden feststellen – und in Daten umwandeln.

Das ist das eigentliche Geschäftsmodell von Skybox: Die Skybox-Daten können mit den Daten anderer Satellitenaufnahmen angereichert und mit Informationen etwa zum Wetter oder dem Verkehr ergänzt werden. Dritte können sich Zugang zu dieser Datenwolke kaufen und darin mit eigenen Algorithmen nach Auffälligkeiten suchen: der Grossbauer, der seine Felder auf Schädlingsbefall überprüfen will oder die Reederei, die sicher stellen will, dass ihre Schiffe im Hafen auch möglichst effizient mit Containern beladen werden. Google kommt damit seinem erklärten Ziel näher, alle Information der Welt zu organisieren.

Satellit als Massenprodukt

Es ist das erste Mal, dass Videos in so guter Qualität von einem kommerziellen Satelliten zur Erde geschickt werden. Die Firma Skybox Imaging existiert erst seit fünf Jahren und hat knapp 120 Mitarbeiter. Der Aufbau des Satelliten-Netzes steht noch ganz am Anfang: erst zwei Satelliten sind im Orbit – doch bald sollen es zwei Dutzend sein, die dann die ganze Welt im Blick haben.

Die Mini-Satelliten von Skybox sind nur 100 Kilogramm schwer und kosten geschätzt 25 bis 50 Millionen Dollar. Das ist etwa ein Zehntel von dem, was klassische Satelliten kosten. Statt auf Einzelanfertigungen kann Skybox bei den Bauteilen auf Massenproduktion setzen, die dank einem Boom beim Bau kommerzieller Satelliten verfügbar sind.

Internet in Entwicklungsgebiete

Laut eigenen Angaben will Google mit dem Kauf von Skybox seine Initiative vorantreiben, auch entlegene Gebiete der Welt mit dem Internet zu verbinden. Zu diesem Zweck experimentiert Google bereits mit einer eigenen Ballonflotte und hat vor wenigen Wochen den Drohnenhersteller Titan Aerospace gekauft.

Dabei geht es vor allem um Gebiete in Entwicklungsländern, wo es kaum Infrastruktur am Boden gibt, die den Zugang zum Internet möglich macht. Satelliten, Drohnen und Ballone sollen deshalb als fliegende und schwebende Internet-Zugangpunkte zum Einsatz kommen. So kann Google nicht nur die Zahl der potentiellen Kunden seiner Dienste erhöhen, die Firma würde in entlegenen Gebieten auch zum ersten und wohl einzigen Internetanbieter werden.

Ausserdem sollen die Skybox-Satelliten Google dabei helfen, das eigene Kartenmaterial auf dem neusten Stand zu halten. Die Karten vom Google Maps werden bislang alle paar Monate erneuert. Dank dem Skybox-Kauf sollen in Zukunft tägliche Updates möglich sein.