Gute Zeiten, schlechte Zeiten – Handydaten gegen Dichtestress

Dichtestress! Er entsteht nicht, weil wir zu viele Menschen sind, sondern weil wir allzu oft alles gemeinsam machen und zur selben Zeit. Nun versucht Google, uns Kunden besser auf die vorhandenen Restaurantplätze zu verteilen. Und die Stadt Lenzburg macht dasselbe bei Parkplätzen.

Das Bild zeigt eine leere und eine volle Bar, mit entsprechenden Balkendiagrammen aus Google Popular Times.

Bildlegende: Beliebte Zeiten: Google weiss, welche Bar wann wie gut besucht ist. Screenshots / Flickr (Christina Garofalo / Monk Turner)

Wer in Google nach einem Restaurant oder einer Bar sucht, sieht bei einigen Lokalen blaue Balkendiagramme – dort, wo auch die anderen Angaben zum gesuchten Lokal stehen. «Beliebte Zeiten» heisst die recht neue Information. Sie zeigt für jeden Wochentag an, wie stark ein Lokal frequentiert ist. So kann man sich die ruhigen Randzeiten aussuchen, auch um zum Beispiel in Ruhe ein Museum zu besuchen. Google hat die Erweiterung vor ein paar Wochen eingeführt, so diskret, dass sie kaum ein Gastronom kennt.

Erstaunlich präzise Angaben der Auslastung

Balkengrafiken von Dienstag bis Sonntag, die die unterschiedliche Frequentierung des Tramdepots Bern zeigen.

Bildlegende: Der Bierdurst im Alten Tramdepot beim Bärengraben variiert unter der Woche von Tag zu Tag. Screenshots

Iris Stämpfli vom Tramdepot Bern war auf Anfrage von SRF Digital überrascht über den neuen Google Dienst – und staunte, dass die dort angegebenen Besucherdaten mit dem hauseigenen Reservationssystem übereinstimmen – und zwar «erstaunlich präzise!». Wie funktioniert das?

Unsere Smartphones teilen Google mit, wo wir uns gerade aufhalten. Voraussetzung ist, dass im Gerät die Standortfreigabe für «Google Now» aktiviert ist. Google kann nun die Positionsdaten der Handys einem bestimmmten Ort wie einem Restaurant oder einer Bar zuordnen – sogenannten Points of Interest (POI) – und dann die Zeiten berechnen, zu denen sich in einem Lokal besonders viele Handies – also Gäste – aufhalten.

Richtig spannend wird's mit Echtzeitdaten

Momentan erscheint die Balkengrafik noch nicht bei allen Schweizer Lokalen. Wo Google die Infos einblendet und wo nicht, erscheint willkürlich. Das liegt zum einen daran, dass nicht für alle Lokale genügend Daten vorliegen, um ein verlässliches Besucherprofil zu berechnen, und zum anderen, dass der Dienst noch sehr neu ist.

In Zürich erscheinen die blauen Balken unter anderem bei der Rio Bar. Sie legen nahe: Wer die Bar besuchen möchte, sollte dies an einem Dienstag tun, denn dann habe es am wenigsten Kunden. Tatsächlich stimmen die Angaben auch hier, bestätigt Geschäftsführerin Isabelle Hackl. Das ist erstaunlich, denn wie beim Alten Tramdepot in Bern hängt auch hier der Besucherstrom stark vom Wetter ab. Bei Sonnenschein sind die Plätze auf der Terrasse in fünf Minuten voll – diesen aktuellen Zustand zeigt Google nicht an. Oder noch nicht. Denn dass der Service «Beliebte Zeiten» in wenigen Jahren Echtzeitdaten anzeigen wird und nicht nur historische Durschnittswerte, ist mehr als nur wahrscheinlich.

Parkfeld sofort entern – statt ziellos umherfahren

In Lenzburg sind Echtzeitdaten schon heute im Einsatz, um die beschränkte Ressource «Parkfeld» besser zu verteilen. Parkleitsysteme für Parkhäuser gibt es bereits – nun sollen Parkfelder folgen.

Ein Sensor im Asphalt eines Parkfeldes, so gross wie ein Fünfliber.

Bildlegende: In Lenzburg melden Sensoren, ob ein Parkfeld besetzt ist oder frei. Swisscom

Besitzer einer Anwohnerkarte kennen das Spiel: Wer abends mit dem Wagen einen Parkplatz sucht, fährt erst einmal eine halbe Stunde durch die Wohnquartiere, bis er ein freies Feld gefunden hat. In Lenzburg soll nun bei zwei Parkplätzen in der Nähe des Schlosses der sinnlose Such-und Wendeverkehr der Vergangenheit angehören.

Für ein Pilotprojekt hat die Stadt Sensoren in jedes Parkfeld eingebaut, fast unsichtbar im Asphalt. Die Batterie der Sensoren soll mindestens fünf Jahre lang den Zustand des jeweiligen Parkfeldes an eine zentrale senden können: Besetzt – oder frei. Autofahrer können auf einer Website und bald auch auf einer App sehen, welche Felder frei sind – und gezielt dorthin fahren.