«Hue»: Es wird digitales Licht!

Nur Ein, Aus oder Dimmen ist vorbei. Heute sind Glühbirnen vernetzt und zaubern ganze Licht-Inszenierungen in einen Raum. Ferngesteuert mit einer App. Ein Vorreiter des digitalen Lichts ist «Hue» von Philips.

Das Bild zeigt eine antike Deckenlampe und die Hue-Bridge, ein rundes weisses Kästchen.

Bildlegende: Zusammen mit speziellen LED-Birnen verwandelt das «Hue»-Kästchen auch uralte Leuchten in vernetzte Lampen. Reto Widmer / SRF

Ich erinnere mich noch genau, als mein Onkel in den 70er-Jahren in seiner Stube einen Dimmer an Stelle des normalen Lichtschalters einbaute. Fasziniert probierte ich immer wieder aus, wie das Licht der Glühbirnen sich von schwach in ein grelles Hell verwandelte. Als Junge schien mir die Technologie fast magisch. Wäre mir «Hue» damals begegnet, hätte ich vor lauter Staunen wohl gesundheitliche Schäden davongetragen.

Die Fakten

Nüchtern betrachtet, ist Philips «Hue» (englisch für «Farbton») in erster Linie ein weisses rundes Kästchen, Bridge genannt. Ich schliesse es mit einem Netzwerkkabel an meinen Wlan-Router an, und dann verbindet die Bridge bis zu 50 spezielle LED-Lampen miteinander.

Speziell heisst: Die Lampen haben einen Funkempfänger eingebaut, der Steuerungssignale von der Bridge entgegennehmen kann; zum Beispiel, in welcher Farbe die Lampe leuchten soll und in welcher Intensität. Die Befehle dazu gebe ich den Lampen mit einer App für iOS oder Android – egal, wo ich gerade bin.

Offen für alle

Philips hat für die Vernetzung keinen proprietären eigenen Standard entwickelt, sondern setzt auf «Zigbee», einen verbreiteten Funk-Standard für die Heimvernetzung. Zum Glück, denn so ist «Hue» offen für Drittentwickler, die eigene Apps und Dienste zur Steuerung entwickeln können wie etwa «if this then that».

Damit ist es beispielweise möglich, die Farbe des Lichts abhängig vom Wetter zu ändern. Oder eine der Birnen in einer besonders grellen Farbe leuchten zu lassen, wenn eine Email eintrifft. «Hue» ist also mehr als nur eine Fernsteuerung zum Ein-und Ausschalten von Lampen: Es macht Licht zur Informationsquelle.

Macht süchtig

Philips hat eine LED-Birne, die in jede normale Lampenfassung geschraubt werden kann, mit einem Funkchip versehen und vermarktet das Ganze mit einem Einsteigerset für gut 200 Franken. Der Inhalt: drei «Hue»-Glühbirnen und die Bridge zum heimischen Wlan.

Der Preis scheint angemessen zu sein, aber: Wenn ich einmal von diesem Licht angefixt bin, werden drei Birnen nie ausreichen. Jede weitere kostet fast 80 Franken. Das ist teuer, auch wenn jede der Birnen dank verbrauchsarmen 8 Watt Stromkosten sparen hilft und eine Lebensdauer von 15'000 Stunden haben soll.

Strom sparen aber auch normale LEDs ohne Funkchip – und die sind wesentlich günstiger. Bunte Licht-Inszenierungen wollen derzeit halt noch bezahlt sein.

Fazit: Viel Geld fürs Farbenspiel

Das Philips «Hue»-Lichtsystem ist ein (noch) teures Spielzeug für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Es bedient den hippen App-Nutzer genauso wie den Geek wie mich, der die Lampen lieber mit einer selbst entwickelten Arduino-Anwendung steuern will als mit der Standard-«Hue»-App.

«Hue» in Gadgets für KIM, Folge 5 – «Couch Potatoes»

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Couch Potatoes

3:37 min, aus SRF Gadgets vom 9.6.2014

«Hue» ist erst der Anfang

Andere Hersteller stehen mit ähnlichen Produkten (z.B. «Smart Bulb» von LG) in den Startlöchern oder sind damit bereits auf dem Markt wie Osram mit «Lighify» oder «Lifx». Dass der Markt zukunftsträchtig ist zeigt die Ankündigung von Apple, die Steuerung von «Hue» im «Homekit» von iOS 8 komfortabel zu integrieren.