Im Reich der untergehenden Sony

Sony zieht sich aus dem Fernseh-Geschäft zurück: Die Abteilung wird in eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Keine Zukunft sieht das einstige Vorzeigeunternehmen für das Geschäft mit PCs und stösst die Abteilung ab. Wie konnte es soweit kommen?

Eine Japanerin präsentiert lächelnd einen Walkman.

Bildlegende: Sony erfindet die portable Musik: In dern 80er-Jahren war die analoge Welt für die japanischen Elektronik-Konzerne noch in Ordnung. Reuters

Der Sony-Walkman gehört zu den 80er-Jahren wie Michael Jackson: Sony erfand 1979 das tragbare Gerät, andere japanische Firmen sprangen auf den Zug auf. Der Name Sony stand damals für höchste Qualität, nicht nur bei Audiogeräten. Auch die Fernsehgeräte des japanischen Konzerts zählten bis Ende der 90er-Jahre zu den besten. Seit mehr als einer Dekade befindet sich Sony jedoch in der Krise. Der einzige Trost: Die ehemalige Vorzeigefirma ist dabei nicht allein, den anderen japanischen Elektronik-Firmen und Konkurrenten geht es nicht besser.

Ein neues Zeitalter bricht an

«Die Digitalisierung hat alles verändert» sagt Hiroaki Nakanishi, Präsident von Hitachi, in einem Interview mit der BBC. In einem analogen Gerät wie zum Beispiel einem Fernseher stecken unzählige elektronische Komponenten, für das digitale Gegenstück genügt ein Chip. Damit lässt sich ein hochauflösendes und qualitativ gutes Bild erzeugen. «Und jeder kann heute so einen Chip fertigen», meint Nakanishi pointiert in Anspielung auf die Konkurrenz aus Taiwan und Südkorea.

Früher habe es einen Wettlauf um die beste Technologie gegeben, so Nakanishi, mit der Digitalisierung gehe es nur noch ums Marketing. «Wir konnten uns an diese neue Umgebung nicht anpassen». Er zog die Konsequenzen und stiess alle unrentablen Geschäftsfelder ab, viele davon im Bereich Unterhaltungselektronik. Vor diesem Schritt scheuten die anderen japanischen Konzerne zurück. Dabei spielten konfuzianistische Vorstellungen von Loyalität eine wichtige Rolle: Einen ehemaligen Vorgesetzten, der einen Geschäftsbereich aufgebaut hat, dem man seine Karriere verdankt – will man so jemanden wirklich mit einer drastischen Massnahme vor den Kopf stossen?

Drei Sterne werden zum Star

Wie man es im Zeitalter der Digitalisierung richtig macht, zeigt die Firma Samsung, deren Name «drei Sterne» bedeutet. Seit 1987 wird dir Firma von einem Mann geleitet: Lee Kun-hee. Lee erkannte bereits in den 80er Jahren, welche Rolle die Digitalisierung künftig spielen würde und welche Chancen sich daraus ergaben. Er richtete die Strategie der Firma ganz auf die Digitalisierung aus.

Lee brachte zuerst das dringend benötigte Know-How in den Konzern, indem er koreanische Spitzenkräfte von den grossen amerikanischen Chip-Herstellern abwarb. Später investierte er Milliarden in neue Chip-Fabriken. Das Risiko, das er dabei einging, war so gross, dass sich die koreanische Regierung beunruhigt zeigte: Samsung war damals für nicht weniger als 20 Prozent des koreanischen Bruttosozialproduktes verantwortlich und somit ein Klumpen-Risiko für das Land.

Lee studierte auch westliche Management-Methoden und baute den Konzern, der stark von japanischer und konfuzianistischer Management-Philosophie geprägt war, schrittweise um: Nicht mehr Loyalität und Ancienität wurden belohnt, sondern Leistung.

Die Krise

Die japanischen Konzerne erkannten erst spät das volle Ausmass des Paradigmenwechsels, den das digitale Zeitalter mit sich brachte. Sie verharrten in der Zwickmühle des Erfinders («Inventor's Dilemma»): Eine Technologie aufzugeben, die man über Jahrzehnte mühsam aufgebaut hat und der man den ganzen Erfolg verdankt, ist manchmal schwieriger als ein Neuanfang.

Für Samsung zahlte sich die Weitsicht aus: 2004 machte die Elektronik-Sparte des koreanischen Konzerns mehr Gewinn, als seine fünf japanischen Konkurrenten – Sony, Panasonic, Toshiba, Hitachi und Sharp – zusammen. Ein paar Jahre später verschärfte die Finanzkrise die ungemütliche Situation für die japanischen Firmen noch zusätzlich und zwang diese zu handeln: Fusionen und Zusammenarbeit bei der Forschung so wie Konzentration auf bestimmte Produkte waren die Folgen.

Der vorläufig letzte Akt im Drama war die Entscheidung von Sony, sich aus dem PC-Geschäft zurückzuziehen. Seit längerem bereitet das japanische Traditionsunternehmen auch den Rückzug aus dem Geschäft mit Fernsehgeräten vor: Die Abteilung, die Verluste schreibt, wird nun in eine Tochtergesellschaft ausgelagert und setzt vor allem auf das Geschäft mit High-End-Modellen. Das Mutterhaus will sich vermehrt auf Games, digitale Kameras und mobile Geräte konzentrieren. Die neue Playstation 4 ist jedenfalls bereits erfolgreich gestartet.