Indien: Facebooks Gratis-Internet, nein, danke

Um die Netzneutralität zu bewahren, verbietet die indische Aufsichtsbehörde diese Woche «Free Basics», ein Angebot von Facebook. Dort scheint der Frust gross zu sein: So gross, dass sich Marc Andreessen, Facebook-Vorstandsmitglied und Investor, in die kolonialen Nesseln setzt.

"A First Step Towards Digital Equality" bewirbt Facebook seine "Free Basics"-Initiative in Indien.

Bildlegende: Plakatkampagne von Facebook für «Free Basic» in Indien. Reuters

Über eine Milliarde Menschen leben in Indien – ein riesiger Markt für Internetfirmen. Facebook zielt genau auf diese Menschenmasse: Das Angebot «Free Basics» soll dort allen einen kostenfreien Internetzugang ermöglichen. Nach längerem Hin und Her hat die indische Telekom-Aufsichtsbehörde (TRAI) nun «Free Basics» und ähnliche Angebote verboten. Nutzerinnen und Nutzer sollten uneingeschränkten Zugang zum Internet erhalten, egal, bei welchem Anbieter sie sind. «Free Basics» verstosse gegen die Netzneutralität.

Zusammenarbeit mit lokalen Telekomanbietern

«Free Basics» bedeutet, dass Facebook mit lokalen Telekomanbietern zusammenarbeitet. Kundinnen und Kunden dieser Anbieter können Facebook und andere Dienste nutzen, beispielsweise das Wetter abrufen, und zahlen dafür keine Gebühren. Die Anbieter können damit eine grössere Kundschaft anlocken, was wiederum Facebook neue Mitglieder und Nutzerdaten verschafft.

Kritische Stimmen monierten, dass Angebote wie «Free Basics» die Netzneutralität verletzen: Gewisse Dienste erhielten den Vorzug; kleinere Anbieter, die sich «Free Basics» nicht anschliessen können und wollten, würden benachteiligt.

Tweet giesst Öl ins Feuer

Für Facebook geht mit dem Entscheid der TRAI ein potentielles Riesengeschäft verloren – ein grosser Frust. Marc Andreessen, Vorstandsmitglied bei Facebook und Investor, liess über Twitter Dampf ab, als er mit anderen Nutzern über den Entscheid diskutierte. Und setzte sich direkt in die Nesseln: Die Ablehnung von «Free Basics» stünde in Zusammenhang mit einem anti-kolonialen Reflex Indiens, schrieb er.

«  @lemonandice @BenedictEvans Anti-Kolonialismus war während Jahrzehnten eine wirtschaftliche Katastrophe für das indische Volk. Warum jetzt aufhören? »

Marc Andreessen
Facebook-Vorstandsmitglied und Investor

Sein Tweet, den er mittlerweile gelöscht hat, löste einen riesigen Proteststurm aus. Vor allem, da viele indische Nutzerinnen und Nutzer das «Free Basics»-Angebot als kolonialistisch zu empfinden scheinen – ein Gratisangebot im Tausch für Kontrolle und Macht. Die Erinnerung an die «East India Company» und die britische Kolonialherrschaft bis 1947 wirken im kollektiven Gedächtnis nach.

Reaktion aus dem realitätsfernen Silicon Valley

Ein Erklärungsansatz für die ungeschickte Aussage Andreessens ist, dass sie aus der homogenen und abgeschlossenen Welt des Silivon Valleys stammt. Eine Welt, die «Free Basic» nur als Win-Win-Situation für beide Seiten sieht: Hier ein riesiger, neuer Markt für Facebook, dort ein kostenloses Internet für die Bevölkerung von Indien.

Mittlerweile ist Marc Andreessen zurückgekrebst und hat sich auf Twitter für seinen Ausrutscher entschuldigt. Auch Facebook-CEO Marc Zuckerberg musste sich für Andreessen entschuldigen und hat versucht, mit einem eigenen Facebook-Post den Schaden zu begrenzen.