Internet: Schweizer vertrauen dem Staat mehr als den Unternehmen

Nur ein Viertel der Schweizer Internetnutzer hat Angst davor, dass die Regierung kontrolliert, was im Internet gemacht wird. Überraschend: Auch der NSA-Skandal um Edward Snowden konnte an dieser Zahl nichts ändern.

Ein Mann sitzt am Wohnzimmertisch vor dem Computer.

Bildlegende: Schweiz ganz vorne: Gut 85 Prozent der Schweizer haben Zugang zum Internet – ein internationaler Spitzenwert. Keystone

Die Schweizer vertrauen dem Staat mehr als privaten Unternehmen. Jedenfalls im Internet: Nur jeder vierte Internetnutzer ist besorgt, die Regierung könnte ihm im Internet nachspionieren. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Universität Zürich, welche die Internet-Nutzung der Schweizer untersucht.

Weit grösser ist der Anteil derjenigen, die sich vor Schnüffelei durch private Unternehmen fürchten: 40 Prozent geben an, davor Angst zu haben. Eine erstaunliche Verteilung, bedenkt man die Enthüllungen rund um Edward Snowden, der publik machte, wie umfassend die staatliche Kontrolle des Internets ist.

Wenig Vertrauen in Google und Co.

Michael Latzer, der Leiter der Studie (siehe Interview unten), erklärt sich diesen Umstand damit, dass es in der Affäre um Edward Snowden vor allem um den US-Geheimdienst NSA geht, während die Schweizer Regierung kaum damit in Verbindung gebracht wird. Anders sei es bei den Unternehmen wie Google und Facebook, von denen Daten an die NSA weitergingen. «Das sind dieselben Firmen, die auch in der Schweiz stark tätig sind», so Latzer. Entsprechend gering ist deshalb das Vertrauen, das die Internetnutzer in sie haben.

Kommt dazu, dass die Befragung zur Studie im Juni 2013 durchgeführt wurde, als die Affäre Snowden noch jung war und das Ausmass der staatlichen Überwachung nicht jedem bewusst.

Hoffnungsschimmer für Datenschützer

Allerdings, und das zeigt die Studie auch, stellt sich eine gewisse Resignation ein beim Glauben an die Privatsphäre im Internet. Zwar versucht der Grossteil der Schweizer Internetnutzer, die eigenen Daten mit allerlei Mitteln zu schützen. Doch mehr als die Hälfte sagt auch, man müsse sich wohl damit abfinden, dass es so etwas wie Privatsphäre im Internet nicht gebe.

Jüngere Leute zeigen sich in solchen Fragen unbekümmerter als ältere Befragte. Michael Latzer glaubt trotzdem nicht, dass sich Vertreter von mehr Persönlichkeitsschutz im Internet schon auf verlorenem Terrain befinden: «Es kann noch Massnahmen und Veränderungen geben, die wieder etwas Hoffnung aufkeimen lassen – verstärkte Massnahmen zum Datenschutz auf EU- und nationaler Ebene zum Beispiel oder Aufklärungsaktionen bezüglich Datenschutz.»

Die Schweiz weltweit an der Spitze

Das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Uni Zürich hat zum zweiten Mal am sogenannten World Internet Project (WIP) mitgearbeitet, aus dem die Studienergebnisse stammen. Das WIP untersucht die Verbreitung und Nutzung des Internets im internationalen Vergleich von 30 Ländern.

Für die Schweiz etwa stellte die Studie eine noch intensivere Internet-Nutzung fest als noch 2011. Gut 85 Prozent der Bevölkerung haben heute Zugang zum Internet – ein internationaler Spitzenwert.

Alter und Geschlecht spielen keine Rolle

Vor allem beim mobilen Internet hat die Schweiz noch einmal kräftig zugelegt: Gut 40 Prozent der Bevölkerung greift heute von unterwegs aufs Internet zu. Dabei spielt das Alter eine immer kleinere Rolle, denn auch bei den Seniorinnen und Senioren sind sind rund 70 Prozent online.

Eine digitale Spaltung zeigt sich entlang des Einkommens und der Bildung, während das Geschlecht keine Rolle spielt: Schweizerinnen und Schweizer nutzen das Internet heute in gleichem Ausmass, so die Studie.

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