Kopfhörer: Fertig mit der Qual der Wahl

Wer einen Kopfhörer kaufen will, steht vor einer riesigen Auswahl mit grossen Preisunterschieden: vom 10-Franken-Stück bis zum High-End-Gerät mit äthiopischem Schafsleder für über 1000 Franken ist alles zu erhalten. Wir geben eine Orientierungshilfe zum passenden Begleiter für unterwegs.

Die Regale in den Geschäften überfordern uns schnell: Was bloss aus dieser Fülle auswählen? Der erste Schritt zum Kaufentscheid ist die entscheidende Frage: Wo will ich überall den Kopfhörer einsetzen – beim Joggen, im Zug, im Fitnessstudio, im Flugzeug, auf der Strasse, oder einfach überall?

Das sind die vier Formen von Kopfhörern:

  • Offener Kopfhörer: Er liegt als flache Scheibe am Ohr an, was eine schlechte Abdichtung zur Folge hat – die Umgebung kann die Musik mithören. Umgekehrt hört man selbst die Umgebungsgeräusche gut, die auch stören können.
  • Geschlossener Kopfhörer: Liegen wie eine Muschel am Ohr an, können aber auch gleich das ganze Ohr umschliessen. Sie dichten besser ab als offene Kopfhörer. Dank der grösseren Bauart können die Hersteller solche Geräte technisch raffinierter und besser ausstatten, etwa um mehr Lautsprecher einzubauen.
  • Im-Ohr Kopfhörer: Der Kopfhörer in Stöpselform, der das Ohr sehr gut von Umgebungsgeräuschen abdichtet – aber nur, wenn er gut im Gehörgang sitzt. Er ist klein und passt deswegen in jede Hosentasche. Gerade deswegen unterscheiden sich die Modelle in ihrer Ausstattung nicht stark voneinander. Hörempfinden und Tragekomfort sind deshalb hier die wichtigsten Kriterien.
  • Sport-Kopfhörer: Ein Kopfhörer in Stöpselform, der zusätzlich Schweiss abweist. Oft hat er Bügel, die und zusätzlichen Halt am Ohr bieten.

Habe ich mich für eine Form entschieden, ist in einem zweiten Schritt der Musikstil ein wichtiges Kriterium. Hört man beispielsweise viel zarte Musik oder Gespräche, ist eine gute Abdichtung nötig.

Das Dateiformat, in dem die Musikstücke unterwegs gehört werden, spielt aber keine grosse Rolle: Ein guter Kopfhörer kann auch aus MP3-Dateien viel herausholen, die mit einer tiefen Bitrate von beispielsweise 96 kbps komprimiert wurden.

Technische Angaben: Wichtig ist nur die Impedanz

Egal, ob im Laden oder im Online-Shop: Technische Angaben sollen eine Orientierungshilfe geben, um die Qualität eines Geräts einzuschätzen. Die meisten dieser Angaben seien aber nur bedingt brauchbar, erklärt Neel Bechtiger, Geschäftsführer des Zürcher Geschäfts «K55», das sich auf Audio-Geräte und Kopfhörer spezialisiert hat. Die Angaben seien gewiss für Fachleute interessant, würden aber letztlich nichts über das persönliche Klangerlebnis aussagen.

Ein blau-schwarzer Kopfhörer von Koss.

Bildlegende: Die 80er lassen grüssen: Offener Kopfhörer von Koss Portapro. SRF

Wichtig sei nur die Angabe der so genannten Impedanz, also des elektrischen Widerstands in einem Kopfhörer. Diesen Widerstand muss die Spannung eines Geräts überwinden und er bestimmt letztlich auch die mögliche Lautstärke. Im Schnitt können gängige Abspielgeräte wie MP3-Player und Smartphones mit einer Impedanz bis um die 40 Ohm umgehen – was darüber liegt, ist eher für die heimische Hifi-Anlage geeignet. Wer also nur mit dem Handy Musik hört, sollte darauf achten, dass die Impedanz 40 Ω (Ohm) nicht überschreitet.

Zusatzaustattung: Wer's wirklich will

Es gibt viele Modelle mit Zusatzfeatures, die sich aber auch im Preis niederschlagen. Der einzige Zusatz, der sich aber wirklich lohne, so Bechtiger, sei ein auswechselbares Kabel. Denn dies gehe meist als erstes kaputt.

Weitere Zusatzfeatures, mit denen Kopfhörerhersteller oft werben, sind:

  • Kabellose Kopfhörer über Bluetooth – Vorteil: kein Kabelsalat. Nachteil: leichter Störungen von anderen kabellosen Geräten und schlechtere Klangqualität.
  • Aktive Geräuschunterdrückung (Noise-Cancelling) – Vorteil: Elektronik und Mikrofon im Kopfhörer filtern Aussengeräusche. Nachteil: der Effekt funktioniert nur bei konstanten Hintergrundgeräuschen (Flugzeugbrummen, Baustelle) und der Kopfhörer braucht eine Batterie.
  • Fernbedienung: Im Kabel eingebaut, können damit etwa die Lautstärke, Musikwiedergabe und Anrufe gesteuert werden.
Sport-Kopfhörer: Sennheiser cx 685 (54 CHF) mit «Haifischhaken», die die Kopfhörer im Ohr fixieren.

Bildlegende: Sport-Kopfhörer: Sennheiser cx 685 mit «Haifischhaken», die die Kopfhörer im Ohr fixieren. Reto Widmer / SRF

Zusatzausstattung zur optischen Verschönerung ist spezielles Material. Es hat keinen Einfluss auf das Hörerlebnis, ausser, es handelt sich um Leder oder Kunstleder – Leder erhöht den Tragekomfort und ist widerstandsfähiger als Kunstleder.

Bei Im-Ohr-Kopfhörern ist aber wichtig, dass das Kabel weich ist. Denn je unflexibler es ist, desto eher kann sich ein lautes Rascheln bemerkbar machen, wenn das Kabel etwa gegen die Kleidung schlägt. Einfache Tricks reduzieren dieses Rascheln:das Kabel übers Ohr legen, durch die Kleider führen oder daran heften.

Fazit: Ein bisschen investieren lohnt sich

Teurere Kopfhörer sind tatsächlich meist die besseren Geräte. Ab einer höheren Preisklasse lohnt es sich auch, das Abspielgerät an die Kopfhörer anzupassen, um den technischen Finessen gerecht zu werden.

Gerade aber bei teureren Kopfhörern ist es enorm wichtig, sie selbst auszuprobieren: Da die Hörqualität ein individueller Wert ist, können auch günstige Geräte mehr überzeugen als teurere – einfach, weil der Klang einem besser erscheint. Es lohne sich aber, ein bisschen in Kopfhörer zu investieren, sagt Geschäftsführer Bechtiger: Bereits für 100 CHF seien qualitativ gute Kopfhörer zu erhalten, die auch länger hielten als billigere, die bereits nach kurzer Zeit kaputt gehen könnten.