Krim-Konflikt auf der Karte: Die Lösung von Google Maps

Russland beansprucht für sich die Krim und würde es gerne sehen, wenn Google Maps sein Kartenmaterial entsprechend anpassen würde. Weil Karten aber immer auch eine politische Aussage machen, hält sich Google zurück – und versucht, es allen Recht zu machen.

Zweimal Google Maps, die Krim, einmal für Russen, fette Grenzlinie, einmal für den Rest der Welt, gestrichelte Linie.

Bildlegende: Die Krim auf Google Maps: Für User in Russland zeigt der Dienst von Google Maps eine fette Linie, für die Welt eine gestrichelte Linie. Screenshots

«Viele Karten haben mit Macht zu tun» sagt Jost Schmid, Leiter der Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich. Kein Wunder, wirft die russische Regierung ein besonderes Augenmerk auf Google Maps, einen der meist benutzten digitalen Kartendienste. Wenn es nach Moskau ginge, müsste Google auf seinen Karten die Krim eindeutig Russland zuordnen.

Doch würde Google das tun, wäre dies eine brisante politische Aussage, die in vielen anderen Staaten schlecht ankäme, da die «Angliederung» der Krim durch Russland nicht durch die Uno anerkannt ist.

Das Problem für Google: Das Unternehmen steckt in einer Zwickmühle. Es agiert weltweit und möchte nicht nur einen Staat zufrieden stellen, sondern mehrere – unter Umständen auch solche, die nicht einmal Mitglieder der Vereinten Nationen sind.

Doch Google hat eine ziemlich einfache Möglichkeit, das Problem zu lösen: Google Maps zeigt Karten von Konfliktgebieten einfach so, dass sie keinem Benutzer sauer aufstossen. Die Karten werden angepasst, je nachdem, von woher ein Benutzer kommt.

So auch beim Krim-Konflikt: Das russische Google Maps zeigt die Karte der Krim seit kurzem eher Pro-Russisch mit einem dicken Strich als Grenze zur Ukraine; alle anderen sehen dieselbe Karte mit einer gestrichelten Grenzlinie, die die autonome Republik Krim markiert. «Das ist eine elegante Lösung», findet Jost Schmid - oder opportunistisch.

Rot, die Kartenfarbe der Macht

Google Maps versucht also, alle zufrieden zu stellen und läuft so weniger Gefahr, von einer Seite für ihre Zwecke missbraucht zu werden – eine Strategie, die Machtinhaber schon immer benutzt haben, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen. In den 30er-Jahren versuchten etwa Kommunisten und Nazis, die Bevölkerung mit ihren Karten auf ihre politische Linie zu trimmen.

Beispiel Rot: Mit dieser Farbe agierten nicht nur die Kommunisten auf ihrer «Karte der zweiten Aufteilung der Welt», sondern auch die Nationalsozialisten: Rot lässt Gebiete grösser erscheinen, als sie sind. Und auf der «Sprachenkarte von Mitteleuropa» (Bild links: französische Reproduktion der deutschen Originalkarte vom Verlag Dietrich Reimer in Berlin 1938, mit ergänzenden französischen Erläuterungen und Kommentaren) waren alle Länder rot markiert, in denen Menschen wohnten, die deutsch sprachen – auch wenn es nur eine Handvoll war. Dadurch wirkte «das deutsche Gebiet» besonders gross – und Hitlers Expansionsabsichten erschienen manchen Betrachtern als gerechtfertigt.