Mit dem Handy auf Kometenjagd

Der Komet «Lovejoy» passiert derzeit die Erde. Bei guten Sichtverhältnissen sollte er noch einige Zeit lang mit Teleskop oder Feldstecher zu sehen sein. Nur: Wo genau muss man ihn suchen? Sternkarten auf dem Smartphone und dem Laptop helfen, den seltenen Gast zu entdecken.

Kometen. Sie sind so elegante wie mysteriöse Überraschungsgäste an unserem Nachthimmel. Im Vergleich zu anderen Himmelskörpern sind sie winzig klein und deshalb äusserst schwierig zu entdecken, bevor sie sich uns und damit auch der Sonne nähern. Erst dann bilden sie einen sichtbaren Schweif aus und beginnen kräftig zu leuchten. So wurde auch der Komet Lovejoy – der mit vollem Namen C/2014 Q2 (Lovejoy) heisst – erst im August letzten Jahres vom australischen Hobby-Astronomen Terry Lovejoy entdeckt.

Lovejoy wird am 30. Januar seinen sonnennächsten Punkt (Perihel) erreichen. Bis dahin oder sogar noch länger sollte er im Teleskop oder Feldstecher sichtbar sein. Voraussetzung, um ihn zu sehen, ist neben klarer Sicht auch eine Umgebung mit wenig Streulicht. Während, kurz vor oder nach dem Neumond am 20. Januar sollten die Bedingungen optimal sein. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit – doch die Chancen stehen dazu im Moment nicht gut.

Die App weist den Weg

Lovejoy ist trotz seines grünlichen Schimmers schwer von anderen Himmelskörpern zu unterscheiden. Um den Kometen zu orten, helfen Apps auf dem Smartphone oder Tablet.

Die App Solar Walk 2 zeigt den Kometen am Nachthimmel und seine Flugbahn.

Bildlegende: Die App Star Walk 2 zeigt den Kometen am Nachthimmel und seine Flugbahn. Solar Walk

Mithilfe der eingebauten Ortungsdienste zeigen uns diese Apps immer den aktuellen Nachthimmel in Form einer interaktiven Sternkarte, egal wo auf der Erde wir uns gerade befinden.

Dank Bewegungs-Sensoren «weiss» das Handy auch, in welche Richtung wir es halten und zeigt uns so immer den korrekten Bildausschnitt an. Auch wenn wir den Blick über den Nachthimmel schweifen lassen.

Wir haben drei der beliebtesten Sternkarten-Apps getestet (siehe Tabelle unten). Alle drei konnten mit einfacher Bedienung, ansprechendem Design und zuverlässiger Navigation überzeugen. Allerdings war nur die App «Star Walk 2» (iOS, Android, WinPhone) in der Lage, auch den aktuell sichtbaren Kometen C/2014 Q2 (Lovejoy) korrekt anzuzeigen.

Die getesteten Apps in der Übersicht:

Star Walk 2Android, iOS, WinPhoneZeigt C/2014 Q2 Lovejoy korrekt an4.- Fr
SternatlasAndroid, iOSZeigt den aktuellen Lovejoy nicht an3.- Fr
Star TrackerAndroid, iOSHübsch, zeigt aber gar keine Kometen3.- Fr
SkyORBAndroid, iOS, WinPhonenoch nicht ausführlich getestet3.- Fr
StellariumWin, Mac, LinuxKann C/2014 Q2 Lovejoy nachladenkostenlos
CelestiaWin, Mac, LinuxKann C/2014 Q2 Lovejoy nachladenkostenlos

Mittels Pfeilen am Rand des Bildschirms weist Star Walk 2 uns den Weg zu dem Ort am Himmel, wo unser gesuchter Himmelkörper zu sehen sein sollte.
Das vereinfacht die Suche nach dem Kometen unheimlich: Wir nehmen einfach das Tablet oder Smartphone mit nach draussen, suchen uns ein ruhiges Plätzchen mit guter Aussicht, halten die App gen Himmel und lassen uns zum Zielobjekt C/2014 Q2 einweisen.

Eine Teleaufnahme des Kometen zeigt die grüne Aura und den blauen Schweif.

Bildlegende: Der Komet Lovejoy am 23. Dezember 2014. Gerald Rhemann

Gemäss dem Astronomen Daniel Karbacher von der Urania-Sternwarte in Zürich scheint der Komet derzeit weniger stark als erhofft. Man sollte also einen Ort mit minimaler Lichtverschmutzung ausserhalb der Stadt aufsuchen, will man ihn erwischen. Kometen seien zudem ähnlich schwierig vorauszusagen wie das Wetter, sagt Karbacher. Es kann also sein, dass seine Leuchtkraft auf dem Weg zur Sonne noch zunimmt. Gute Sicht allerseits!

Sternkarten am PC: weniger intuitiv, dafür flexibler

Astronomie-Enthusiasten erfreuen sich seit einiger Zeit zweier kostenloser Computer-Programme für die Erkundung des Nachthimmels: «Stellarium» heisst die wohl beste Alternative zu den Sternkarten-Apps für den PC. Diese Software zeigt uns auch am grossen Bildschirm immer den aktuellen Nachthimmel. Im Gegensatz zu den Apps auf den mobilen Geräten lassen sich hier eine Menge an zusätzlichen Informations-Ebenen einblenden und eine Vielzahl von Deep-Space-Objekten, wie zum Beispiel entfernte Galaxien anzeigen.

Die Flugbahn von C/2014 Q2 (Lovejoy) in Celestia

Bildlegende: Die Flugbahn von C/2014 Q2 (Lovejoy) in Celestia Screenshot

Die Sonnensystem-Simulation «Celestia» schliesslich lässt uns den Heimatplaneten Erde verlassen und zu anderen Gestirnen und Planeten in unserer Galaxie reisen. Die Software ist sehr sorgfältig programmiert, erlaubt auch Animationen und Zeitreisen, sowie präzise 3-D-Simulationen. Trotzdem ist sie auch für Astronomie-Laien gut zu bedienen.

Stellarium wie auch Celestia gibt es kostenlos für Windows, Mac OSX und Linux. Beide Programme sind auch in der Lage, den Kometen Lovejoy anzuzeigen. Dafür muss man allerdings die astronomischen Kometen-Daten nachladen: Anleitung für Stellarium und Kometen-Daten für Celestia.