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Musik Wenn der Algorithmus in die Tasten greift

Dank künstlicher Intelligenz lernen Computer, wie man Musik macht. Bach-Choräle kriegen sie schon verblüffend gut hin. Mit Popmusik tun sich die Maschinen aber noch schwer. Wir haben die interessantesten Beispiele für dich gesammelt.

Eine Hand vor blauem Hintergrund
Legende: «Hello World» von Skygge soll das erste vollständig mit Hilfe von künstlicher Intelligenz komponierte Album sein. Discogs

Vor ein paar Tagen hat der Künstler Skygge das Album «Hello World» vorgestellt. Es soll das erste sein, das vollständig mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz komponiert wurde. Allerdings: Das Resultat klingt, als hätte der Mensch beim Arrangieren und Produzieren dem Computer ziemlich unter die Arme gegriffen.

Trotzdem: Künstliche Intelligenz und Komposition ist ein Feld, auf dem sich derzeit eine Menge tut. Hier ist eine Liste der interessantesten Beispiele mit Links zum Selberhören.

  • FlowComposer.
    Legende: FlowComposer. Youtube

    FlowComposer

    Ein Projekt der Sony Computer Science Laboratories in Paris, das Musiker beim Komponieren unterstützen soll. Die künstliche Intelligenz erstellt eigene Lieder oder Liedfragmente, die sich an musikalischen Stilen wie Jazz oder Rock orientieren. Der Musiker legt bestimmte Parameter fest (zum Beispiel Akkordwechsel) und muss die generierten Noten danach noch editieren. FlowComposer kam auch bei der Produktion des Albums «Hello World» zum Einsatz.

  • Johann Sebastian Bach.
    Legende: Johann Sebastian Bach. Wikipedia

    DeepBach

    Mit FlowComposer lassen sich auch neue Choräle komponieren, die denen von Johann Sebastian Bach verblüffend ähneln. So sehr, dass sogar Bach-Experten sich davon täuschen lassen. Wie bei allen Versuchen, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Musik zu machen, wurden die Algorithmen dabei so lange mit Beispielen von Bachs Chorälen trainiert, bis sie lernten, durch welche besonderen Akkordfolgen sich diese Musik auszeichnet.

  • Krallice
    Legende: Krallice. Dadabots

    Dadabots

    Die meisten Algorithmen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Musik schaffen, tun sich schwer mit längeren Stücken und mit plötzlichen Tempowechseln. Das Projekt Dadabots wagt sich an zwei in dieser Hinsicht besonders schwierige Genres: Black Metal und Math Rock. Bands wie Battles, Meshuggah oder Krallice imitieren die Dadabots-Algorithmen schon ganz gut. Bei den Beatles tun sie sich aber noch ein wenig schwer...

  • Magenta
    Legende: Magenta. Magenta

    Magenta

    Das Projekt Magenta soll erforschen, welchen Einfluss künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen auf die Komposition von Musik und Kunst im allgemeinen haben können. Seine Algorithmen produzieren nicht nur Lieder, sondern auch Bilder und Zeichnungen. Magenta wurde von Mitarbeitern des Google-Brain-Teams ins Leben gerufen, die bei Google an der Entwicklung von künstlicher Intelligenz arbeiteten.

  • Popgun
    Legende: Popgun Popgun. Youtube

    Popgun

    Das Startup Popgun verfolgt einen anderen Ansatz als die Beispiele oben: Statt durch eine Unmenge von Trainingsdaten zu lernen, was einen bestimmter Musikstil ausmacht, soll seine künstliche Intelligenz namens Alice Jam-Sessions zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Der Algorithmus reagiert dabei auf das Gehörte und spielt eine ähnliche Melodiefolge zurück.

  • Jukedeck.
    Legende: Jukedeck. Jukedeck

    Jukedeck

    Hinter der Anwendung künstlicher Intelligenz zur Komposition von Musik stecken natürlich auch kommerzielle Interessen. Firmen wie Jukedeck (andere heissen Amper, Groove.AI oder Melodrive) machen es möglich, für wenig Geld den eigenen Soundtrack zu bekommen. Statt aus einer Bibliothek bereits aufgenommener Musik auszuwählen, legen wir bloss einige Parameter fest (zum Beispiel Stil, Stimmung, Länge, Tempo) und ein Algorithmus komponiert dann das gewünschte Stück, das es nur einmal gibt.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Känzig (Marianne Känzig)
    Jürg Tschirren, auch das was Sie als "lernen" bezeichnen, sind Algorithmen und hat mit dem menschlichen lernen eben nichts zu tun. Und alles, was der Computer selbst anlegt, um weiter zu kommen, beruht auf dem, mit dem er gefüttert wird. Das wiederum wird von Menschen bestimmt und das ist auch das, was gefährlich ist. Oder vielmehr ist gefährlich, dass Menschen in Unkenntnis glauben, die Maschine könne/wüsste mehr. Es stellen sich dann immer die zwei grundlegenden Fragen: Was und WER füttert.
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  • Kommentar von Marianne Känzig (Marianne Känzig)
    Computer lernen nicht, sie führen Algorithmen aus. Man sollte die Maschine nicht unnötig vermenschlichen.
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    1. Antwort von Jürg Tschirren
      Guten Tag Frau Känzig. Über die genaue Definition des Wortes «Lernen» in diesem Zusammenhang lässt sich sicher streiten. Doch die Technik des maschinellen Lernens (die der Arbeit mit künstlicher Intelligenz bei Computern heute zu Grunde liegt) beruht auf dem Umstand, dass sich die Computer bestimmte Regeln selber beibringen, statt dass sie von einer Programmiererin oder einem Programmierer fest eingegeben werden. Die Computer führen also Algorithmen aus, wie Sie richtig sagen, allerdings auch solche, die sie selbst gelernt haben.
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