Netflix: Dünne Suppe mit grosser Kelle angerichtet

Zum Netflix-Start gab sich in Zürich die oberste Manager-Riege des Unternehmens die Ehre. Ob Netflix auch bald Schweizer Inhalte zeigt, war aus Netflix-CEO Reed Hastings und Co. aber nicht herauszuholen.

Netflix-CEO Reed Hastings steht vor einer Karte der USA.

Bildlegende: Netflix-CEO Reed Hastings weiss, wie man sich in Szene setzt. Reuters

Klotzen, nicht kleckern ist die Devise beim Schweizer Netflix-Start. Der kalifornische Streaming-Riese lässt sich nicht nur seinen Werbeauftritt einiges kosten – allein die vier Umschlagseiten einer grossen Pendlerzeitung könnten bis zu 300'000 Franken gekostet haben – auch was die Pressearbeit angeht wird mit grosser Kelle angerichtet: Am Tag als Netflix nun auch bei uns erhältlich ist, machen gleich drei Topleute aus den USA in Zürich ihre Aufwartung: Chief Product Officer Neil Hunt, Chief Content Officer Ted Sarandos und Co-Gründer und CEO Reed Hastings höchstpersönlich.

Der Service funktioniert bestens…

In einem noblen 5-Stern-Hotel haben die PR-Verantwortlichen gleich die Penthouse-Suite gemietet und zeigen dort, wie sie sich die Netflix-Nutzung bei einer – wohl gutbetuchten – Familie vorstellen: Das Penthouse wurde vor dem Pressetermin sorgfältig so eingerichtet, dass sich überall verstreut Reste des fiktiven Familienlebens finden: Das angefangene Memory-Spiel der kleinen Tochter in einer Ecke des Wohnzimmers, die Playstation des Sohnes in der anderen, auf dem edlen Schreibtisch die Unterlagen des Familienvaters und auf dem Couchtisch daneben – gleich vor dem Marmor-Cheminée – ein aufgeschlagener Roman der Mutter.

Und überall gibt es Bildschirme, auf denen die Netflix-Plattform lockt: Gestochen scharf auf dem Screen des 4K-Fernsehers, in Standard-Definition auf einem Tablet-Computer, in vertrautem HD auf Fernsehern und Laptops. Und tatsächlich: Der Service funktioniert bestens, Filme und Serien spielen in Sekundenschnelle ab, verschiedene User-Profile sorgen dafür, dass sich Vaters «House of Cards» nicht mit dem neugierigen Affen «Coco» für die Kinder in die Quere kommt. Die Algorithmen schlagen neue Titel vor, die einen tatsächlich «auch noch interessieren».

…doch die Inhalte sind bescheiden

Problem bloss, dass der Katalog von Netflix in der Schweiz noch sehr dünn ist und sich in keiner Weise mit dem aus dem Mutterland USA messen kann. Programm-Chef Ted Sarandos erklärt: Netflix sei bewusst so bescheiden gestartet, um erst einmal Nutzerdaten der Schweizer Abonnenten zu sammeln und auf deren Basis dann zu entscheiden, welche weiteren Programminhalte eingekauft werden.

Und auf den Einwand, das klinge nun nach einer Ausrede, entgegnet Sarandos selbstbewusst: «Keineswegs, das haben wir in allen Ländern so gemacht, in denen wir neu gestartet sind, und das ist auch der Grund, dass wir heute 50 Millionen Abonnenten auf der ganzen Welt haben.»

Zur Zusammenarbeit gerne bereit

Und auch CEO Hastings gibt sich nicht eben kleinlaut. Er schwärmt von den selbstproduzierten Serien, mit denen der Streaming-Dienst in den letzten Jahren selbst zum Inhalte-Produzent geworden ist.

Hat Netflix auch im Sinn, solche Inhalte speziell für die Schweiz herzustellen? Etwa in Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten, wie es die Amerikaner im Fall der norwegischen Serie «Lilyhammer» getan haben. Auf diese Fragen geben sich die beiden Herren wortkarg. Man verhandle stets mit allen, versichert Sarandos bloss, sei einer Zusammenarbeit nie abgeneigt. Ob denn tatsächlich schon etwas für die Schweiz geplant sei, will er aber nicht präzisieren.

Netflix, das wird klar, versteht es, mit der grossen Kelle anzurichten – auch wenn die Suppe, die dann serviert wird, heute noch etwas dünn ausfällt.

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Video-Interview mit Netflix-CEO Reed Hastings

5:23 min, vom 18.9.2014