Netflix kommt ohne Schweizer Inhalte, kostet 12 Franken im Monat

Auf der Suche nach Wachstum versucht Netflix seine Erfolgsgeschichte in Europa weiterzuschreiben. Doch es ist eine Revolution in Zeitlupe. Zum Start gibt es ein überschaubares Programm, keine Schweizer Inhalte und viele Lücken. Eine Übersicht über Angebot, Preis und Konkurrenz.

Die Regisitrierungs-Seite von Netflix.

Bildlegende: Weisse Box auf rotem Grund: Jetzt gibt es Netflix auch in der Schweiz – allerdings mit einem deutlich kleineren Katalog als im Mutterland USA. Reuters

Netflix in der Schweiz ist wie ein Emmentaler — voller Löcher, aber recht gut. Der amerikanische Videoservice bietet zum Start ein überschaubares Programm, aber tolle Technologie.

Knapp zwölf Franken im Monat — also etwa 140 Franken im Jahr — müssen Schweizerinnen und Schweizer bezahlen, um sich «tausende Stunden Unterhaltung» online zu sichern, wie die Werbebroschüren von Netflix versprechen. Die Konkurrenz von Cablecom hat derzeit 2’000 Filme und Serien im Programm, bis Ende Jahr sollen es 10’000 sein. Man darf davon ausgehen, dass Netflix dieses Programm zumindest nicht signifikant übertrifft — sonst hätten sie es bestimmt gerne mitgeteilt.

Aber genaue Zahlen nennt man bei Netflix keine. Im Vorfeld haben die Kalifornier im Gespräch mit Journalisten redlich versucht, überzogene Erwartungen zu dämpfen. Und nun zum Start ist es offiziell: Die europäischen Versionen von Netflix (der Service ist in dieser Woche unter anderem auch in Frankreich und Deutschland gestartet) sind mit der in den USA kaum zu vergleichen. Dort ist der Katalog der verfügbaren Filme und Serien ungleich grösser.

Tolle Technologie sticht alle aus

Doch es gibt einen Aspekt, bei dem Netflix unschlagbar ist. Der Videoservice bietet, was viele Konsumenten heute wünschen: gut gebaute Apps für fast jede Plattform und einen smarten Algorithmus, der bei der Suche nach dem nächsten Stück Unterhaltung hilft – so wie man das von Amazons «das könnte Sie auch noch interessieren»-Empfehlungen kennt.

Und: Dank dem Netflix-Start tut sich nun auch in der Schweiz etwas in Sachen Video-Flatrate. Cablecom hat für seine Kunden hastig eine eigene Alternative geschaffen — der Dienst mit dem Namen «MyPrime» ist für bestimmte Kunden bereits kostenlos verfügbar, andere Cablecom-Abonnenten zahlen dafür den Preis von knapp zehn Franken im Monat und haben dann Zugriff auf eine unbegrenzte Anzahl Filme und Serien.

Die Swisscom plant laut Medienberichten bis Ende Jahr ein ähnliches Angebot. Der Kampf um den besten Streaming-Service wird also erst in den kommenden Monaten so richtig beginnen.

Der Netflix-Katalog wird wachsen

Ein Blick nach Holland könnte als Vorschau dienen: Dort kämpfen Netflix und «MyPrime» seit einem Jahr gegeneinander. Und glaubt man Medienberichten, bot Netflix nach kurzer Zeit schon das stärkere Angebot mit neueren Filmen und Serien.

Ob das in der Schweiz auch so sein wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Was aber jetzt schon klar ist: Schweizer Inhalte sucht man bei Netflix vergeblich. Intrigen aus Bundesbern oder ein Gefängnis-Drama, das hinter Schweizer Gittern spielt, darf man in der Schweizer Version von Netflix nicht erwarten. Nicht einmal Inhalte von SRF oder 3Plus sind dort zu finden.

Doch der Schweizer Netflix-Katalog dürfte in den kommenden Wochen und Monaten noch stark wachsen. Die Kalifornier haben eine gut gefüllte Kriegskasse. Drei Milliarden Dollar gibt das Unternehmen jedes Jahr für Inhalte aus. Cablecom-Sprecher Marc Maurer wollte keine Zahlen zum entsprechenden Budget nennen, die sein Unternehmen für «MyPrime» ausgibt.

Von «Pretty Little Liars» bis «Breaking Bad»

Netflix nannte schon in seiner vor dem Schweizer Start verschickten Pressemitteilung einige die Namen einiger ausgesuchter Titel, die der Service bei uns im Programm hat. Dazu gehören Hit-Serien wie «Breaking Bad», «Pretty Little Liars», «Sons of Anarchy» und «Suits». In Sachen Spielfilm-Angebot erwähnt Blockbuster wie «21 Jump Street», «Hangover» und «Inception».

Bei der Cablecom gibt es unter anderem Serien zu sehen wie «The Walking Dead», «Star Trek» und «Der Bestatter», dazu Filme wie «Pulp Fiction» oder «The Aviator».

Doch der Kampf um Kunden gewinnt man nicht mit einzelnen Titeln alleine, sondern mit dem insgesamt umfassendsten Programm. Es sind immer die Lücken, die frustrieren. Das passiert auch den Kunden in den USA hin und wieder, wenn sie bei Netflix nach einer Serie suchen, die sie gerade schauen möchten, die aber nicht verfügbar ist.

So etwas dürfte den Konsumenten hierzulande noch öfter passieren als im Heimmarkt von Netflix. Das zeigt etwa das Angebot in Deutschland, wo Netflix gestern gestartet ist und in dem beispielsweise sämtliche HBO-Serien fehlen wie «Game of Thrones» oder «True Detective» und Serienhits wie «Homeland» oder «Twin Peaks». Und man muss davon ausgehen, dass das Angebot in der Schweiz ähnlich ausschauen wird. Ein Vorteil immerhin: Netflix kann hierzulande seine Angebote aus Frankreich und Deutschland vereinen. Die Schweizer Kunden werden deshalb von einem reichhaltigeren Angebot profitieren als diejenigen der Nachbarländer.

Keine Polit-Intrigen aus Bern, aber aus Washington

Immerhin mit seinen Eigenproduktionen kann Netflix ein wenig über die Lücken im Schweizer Katalog hinwegtäuschen. Seit einiger Zeit gibt Netflix einen beachtlichen Teil seines Inhalte-Budgets — die Rede ist von zehn Prozent — für eigene Produktionen aus. Hunderte Millionen wurden in Produktionen wie «House of Cards» oder «Orange is the New Black» investiert, die zwei bekanntesten Netflix-Serien.

Andere bekannte Titel sind die Thriller-Serie «The Killing» oder eine Staffel der Comedy-Serie «Arrested Development», von der Netflix eine Staffel produziert hat, nachdem ein anderer US-Kanal die Serie abgesetzt hatte. Nebst neuen Staffeln dieser Serien kommen bei Netflix in diesem Jahr noch «Marco Polo», ein Abenteuer-Epos, und im nächsten eine Show mit US-Talkerin Chelsea Handler dazu. Mit «Marseille», einem Polit-Drama, startet Netflix zudem seine erste französische Eigenproduktion.

Schweizer Eigenproduktionen wird es dagegen keine geben, heisst es im Netflix-Umfeld. Immerhin kann sich Deutschland Hoffnungen auf deutsche Netflix-Serien machen, wenn auch nicht in absehbarer Zeit. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch das Beispiel Norwegen, wo Netflix in einer Ko-Produktion mit dem öffentlichen Fernsehen die Serie «Lilyhammer» produziert hat. Diese wurde in Norwegen im Fernsehen gezeigt, und war im Rest der Welt bei Netflix zu sehen.

Schweizer Sitcom bei Cablecom

Während an so eine Ko-Produktion mit dem Schweizer Fernsehen bei Netflix nicht gedacht wird, zumindest heute noch nicht, werden bei Cablecoms «MyPrime» bald schon spezifische Schweizer Inhalte zu sehen sein: Dokumentarfilme des Schweizer Fernsehens etwa und mit «Fässler-Kunz» gar eine eigenproduzierte Sitcom mit den bekannten Schauspielern Esther Gemsch und Patrick Frey.

Alleine damit hat Netflix die Schweizer Fernsehlandschaft schon verändert. Und dürfte sie auch in Zukunft noch viel angenehmer machen. Der Druck auf andere Anbieter ist hoch. Und die Flatrate für Filme und Serien ist endgültig in der Schweiz angekommen.

Netflix vs. Cablecom – der Konkurrenzvergleich

NetflixCablecom
Mindestpreis pro JahrGut 140 FrankenKnapp 120 Franken
Mindestpreis pro MonatKnapp 12 FrankenKnapp 10 Franken
Kostenlos testenJa, einen MonatNein
Eigenproduktionen«House of Cards», «Orange is the New Black», «Marseille»«Fässler-Kunz»
Originalspracheverfügbarteilweise verfügbar
AppsUnzählige -- darunter für iOS, Android, XboxiOS, Android
Neue SerienNeinNein
Neue FilmeNeinNein
Wow!Tolle EigenproduktionenSchweizer Inhalte
Lau!Keine Schweizer InhalteNur für Cablecom-Kunden