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Digital Online-Kommentare sollen nur in Ausnahmefällen anonym sein

Dass das anonyme Kommentieren im Internet weit verbreitet ist, weiss auch der Schweizer Presserat. Aber für Zeitungsseiten im Internet müssten strengere Regeln gelten. Er hat deshalb einem Kläger teilweise recht gegeben, der sich an eben solchen anonymen Kommentaren gestört hatte.

Ein Mann, der eine Balaclava trägt, sitzt hinter einem Computerbildschirm
Legende: Für den Schweizer Presserat sind anonyme Online-Kommentare auf Zeitungsseiten nur in Ausnahmefällen zulässig. Keystone/Fotomontage SRF

Im aktuellen Fall geht es um die Neuenburger Zeitungen «L'Express» und «L'Impartial», die auf einer gemeinsamen Internetseite, Link öffnet in einem neuen Fenster auch anonyme Leserkommentare veröffentlichen. Damit würden sie helfen, Polemiken und Unwahrheiten in die Welt zu setzen, so der Kläger.

In seinem Urteil von gestern hat der Presserat dieser Klage teilweise Recht gegeben. Er beruft sich dabei auf die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten, Link öffnet in einem neuen Fenster» und die Richtlinien, Link öffnet in einem neuen Fenster zu dieser Erklärung.

Dort steht etwa unter Ziffer 5.3 zur Zeichnung von Leserbriefen und Online-Kommentaren: «Leserbriefe und Online-Kommentare sind in der Regel mit dem Namen zu zeichnen. Sie werden nur bei begründeten Ausnahmen anonym veröffentlicht, beispielsweise um schützenswerte Interessen (Privatsphäre, Quellenschutz) zu wahren».

Anonymität nur in Ausnahmefällen

Ein solches Interesse kann vorliegen, wenn zum Beispiel ein homosexueller Kommentator aus Angst vor Repressalien seine Identität nicht preisgeben will, aber dennoch bei einer Diskussion über die Rechte von Homosexuellen mitreden möchte.

Diese Notwendigkeit bestand für den Presserat im aktuellen Fall aber nicht. Auf der Internetseite von «L'Express» und «L'Impartial» habe keine Notwendigkeit bestanden, die Verfasser zu schützen.

Online-Kommentare sind nicht Leserbriefe

Der Presserat will verhindern, dass unter dem Deckmantel der Anonymität Halbwahrheiten und Lügen in Online-Publikationen verbreitet werden. Dieser Wunsch ist verständlich. Doch wenn der Rat dabei Internet-Kommentare den traditionellen Leserbriefen gleichsetzt, trägt er den Eigenheiten des Internets zu wenig Rechnung.

Etwa wenn er in Ziffer 5.2 seiner Richtlinien , Link öffnet in einem neuen Fensterschreibt: «Briefe von Leserinnen und Lesern sowie Online-Kommentare dürfen redigiert und dem Sinn entsprechend gekürzt werden.» Solche Kürzungen werden in einem gedruckten Blatt von allen Seiten akzeptiert. Schliesslich ist auf einer Zeitungsseite nicht grenzenlos Platz. Auf einer Webseite ist das anders. Und im Internet wird schnell Zensur oder Manipulation vermutet, wenn ein Kommentar gar nicht oder nicht wie vom Verfasser eingegeben online erscheint.

Wirkung des Klarnamen-Zwangs verpufft schnell

Kommt dazu, dass der Klarnamen-Zwang – also die Pflicht, sich beim Kommentieren mit richtigem Namen anzumelden – selten eine nachhaltige Wirkung hat. Das ist etwa bei Facebook zu sehen, wo Leute unter ihrem richtigen Namen schreiben und trotzdem manchmal auch vor diffamierenden oder rassistischen Äusserungen nicht zurückschrecken.

Dasselbe gilt auch für Kommentarspalten von Online-Medien, bei denen sich die Benutzer per Facebook-Login anmelden können.

Ordnung braucht Ressourcen

Es ist darum unwahrscheinlich, dass das Urteil des Presserates viel am Umgang der Verlagshäuser mit Online-Kommentaren ändern wird. Der Rat hat keine rechtlichen Einflussmöglichkeiten, Link öffnet in einem neuen Fenster, er kann nur Empfehlungen abgeben. Und in Zeiten, in denen sich viele Redaktionen mit Sparprogrammen konfrontiert sehen, werden die Verlage kaum freiwillig viel Geld zur Pflege ihrer Online-Kommentare ausgeben.

Dieser finanzielle Aufwand ist aber nötig, um Ordnung in die Kommentarspalten zu bringen – die oft tatsächlich einem Augiasstall gleichen. Sei es durch redaktionelle Kontrolle und Moderation. Oder mittels technischer Hilfsmittel wie etwa der Möglichkeit, wertvolle Kommentare besonders prominent anzuzeigen und weniger wertvolle mittels Downvoting auf der Webseite ganz nach unten zu verbannen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Vader, Luzern
    Wenn Kommentierende nur Kommentare ohne Polemik und ohne Unwahrheiten veröffentlichen sollten, dann ist dies zu unterstützen. Aber dies geht auch nur wenn die online Presse Wahrheiten ohne Propaganda veröffentlicht und dies ist leider nicht der Fall. Die ganzen Falschmeldungen gerade bezüglich den westlichen Feindbildern, werden vorbehaltlos und mindestens mittelbar von NATO-Pressestellen kopiert. Zum empfehlen ist die "verbotene" Anstalt Folge, da diese Medien auch für die CH als Quelle dienen.
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  • Kommentar von Jason Hunter, Bern
    Früher, als noch nicht alle Zugang zum Internet hatten, gabs noch keine Kommentarspalten auf online-Nachrichtenseiten. Warum es heute überall eine Kommentarfunktion geben muss, verstehe ich nicht. Vor dem Internet gabs nur die Zeitung, und wie wurde da Kommentiert? Ich schreibe hier auch nur, weil man mir die Gelegenheit bietet, meinen Senf dazuzugeben. Zu verführerisch ist es, dem zu widerstehen, weil ich irgendwie dazugehören muss. SRF, warum wollt Ihr überhaupt Kommentare?
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  • Kommentar von B. Hauser, Boswil
    Ist etwa der Presserat so eine Art moralische- und richterliche Instanz??? Was so abgeht in der Presse, bzw. Medien, dann ist dieser Presserat nichts anderes, als ein heuchlerisches Organ, welches nur den Schein wahren soll. Übrigens finde ich es interessant zu sehen, bei welchen Themen man sich hier auf dieser Seite verifizieren muss und bei welchen nicht. Ausserdem ist ein Handy für die Verifizierung ein Muss, wenn man aber keins hat, wie ich, wird man nicht zugelassen - Diskriminierung pur!
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