Online-Videos: Facebook macht YouTube Konkurrenz

Für Facebook werden Videos immer wichtiger. Neu setzt das soziale Netzwerk auch bei der Werbung auf bewegte Bilder. Facebook wird so zur Konkurrenz für den Marktführer YouTube. Im Umgang mit Videos bestehen aber zwischen den beiden Plattformen grosse Unterschiede.

Grossaufnahme eines Auges; darin spiegelt sich das Facebook-Logo.

Bildlegende: Videos: Werden bei Facebook immer beliebter. Reuters

Was bei YouTube schon seit mehr als fünf Jahren möglich ist, geht jetzt auch bei Facebook: Werben mit Video. Auf den ersten Blick gleichen sich auch die Bedingungen. Wie YouTube steckt auch Facebook 45 Prozent der Werbeeinnahmen in die eigene Tasche. Die restlichen 55 Prozent bezahlt das soziale Netzwerk an die Anbieter von Video-Inhalten aus. Doch da enden die Gemeinsamkeiten auch schon.

Unterbrecherwerbung neu auch auf dem Handy

Wer künftig bei Facebook auf ein Video klickt, der wechselt in einen speziellen Video-Modus. Am Ende eines Filmes macht Facebook verschiedene Vorschläge zu weiteren Videos, die genau auf die Interessen eines Nutzers abgestimmt sind. Alle paar Filme schaltet Facebook einen Werbespot dazwischen – die gute alte Unterbrecherwerbung, wie wir sie seit Jahrzehnten vom Fernsehen kennen, erobert so das Internet. Die Einnahmen aus der Werbung werden auf die Produzenten der angeschauten Videos aufgeteilt, wobei auch die Dauer der einzelnen Filme berücksichtigt wird.

Anders bei YouTube: Hier wird jedes Video separat abgerechnet. Anders wäre das auch nicht möglich, denn YouTube bietet verschiedene Möglichkeiten an, um zu werben: Vom vorgeschalteten Werbespot über die eingeblendete Werbung bis zur Anzeige neben dem Video ist alles zu haben.

Ein neuer Werbemarkt entsteht

Während man bei YouTube auch anonym Filme schauen kann, muss sich ein Nutzer bei Facebook vorher zwingend anmelden. Das soziale Netzwerk weiss daher immer, wer gerade aktiv ist und verfügt über präzise Angaben zu Interessen und Vorlieben – ein grosser Vorteil, wenn es darum geht, gezielt Videovorschläge zu machen oder massgeschneidert Werbung zu schalten.

Facebook setzt seit längerem auf eine Zusammenarbeit mit Medienhäusern, die ihre Artikel und bald auch Videos über das soziale Netzwerk publizieren. Aus Sicht von Facebook macht das Sinn: Nutzerinnen und Nutzer verbringen so mehr Zeit auf der Plattform. Für die Medienhäuser gibt es vor allem einen Grund für die Zusammenarbeit: das gigantisches Publikum von 1,2 Milliarden Menschen weltweit. Fernsehstationen und Video-Produzenten haben jetzt zusätzlich noch einen finanziellen Anreiz, da sie an den Werbeeinnahmen beteiligt sind.

Noch hat YouTube die Nase vorn

Die Verantwortlichen bei Facebook sind überzeugt: Videos werden in Zukunft eine noch grössere Rolle spielen, vor allem auf dem Smartphone. Das soziale Netzwerk hat diesen Trend aufgegriffen und verstärkt, in dem es seinen Nutzerinnen in den letzten Monaten vermehrt Video-Inhalte anzeigte – und das mit Erfolg: Die Anzahl konsumierter Videos ist innerhalb dieser Zeit von 1 Milliarde auf 4 Milliarden angestiegen – pro Tag!

Nach Schätzungen von Analysten hat Marktführer YouTube noch einen Vorsprung von 30 Prozent. Doch ein Vergleich ist schwierig wenn nicht gar unmöglich – zu unterschiedlich ist die Art, wie die beiden Firmen ihre Statistiken erstellen. Fest steht: Facebook entwickelt sich schnell zu einer Video-Plattform. Dass das soziale Netzwerk jetzt auch ins Geschäft mit Werbespots einsteigt, macht die beiden Internet-Giganten zu direkten Konkurrenten.