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Digital Roman «Zero» von Marc Elsberg: Die Zukunft gleicht der Gegenwart

Im neusten Roman «Zero» geht es um digitale Technologie und die Auswirkung auf die Gesellschaft: ungeahnte Möglichkeiten einerseits, die komplette Überwachung andererseits. Das Buch regt zum Nachdenken an; den Ausweg aus dem Dilemma hat auch Elsberg nicht.

Autor mit der Google Datenbrille
Legende: Die Daten-Brille: Das Gerät spielt im Roman eine wichtige Rolle. (Im Bild: Digital-Redaktor Peter Buchmann mit der Technologie von heute.) Reto Widmer / SRF

«Zero» liest sich wie die Vorlage zu einem Hollywood-Thriller: Zuerst ein Angriff auf den Präsidenten der USA, dann der Mord an einem Teenager. Und nun beginnt die Hatz: Der Internet-Konzern Freemee sucht die Journalistin Cynthia Bonsant, diese sucht den Mörder, der Geheimdienst jagt den Urheber des Anschlages und der ist hinter dem Internet-Konzern her.

Daten über alles

Wie schon in «Blackout» spielt auch Elsbergs neuster Roman in einer nahen Zukunft. Daten und Datenverarbeitung stehen im Zentrum: Jeder kann Daten über sein Leben sammeln und diese für gutes Geld an den fiktiven Internet-Konzern Freemee verkaufen. Die Firma wertet die Angaben von Millionen Benutzerinnen aus und bietet über eine Lebenshilfe-App einen individuellen Berater-Service an, der zu einem erfolgreichen Leben verhilft. Unweigerlich stellt sich da die Frage, ob so viel Wissen nicht misbraucht werden kann. Die Manager in Elsbergs Welt können dieser Versuchung nicht widerstehen.

Und Datenschutz scheint in dieser Zukunft schon Vergangenheit zu sein: Jeder kann sich mit einer Datenbrille ans Internet anschliessen und so in jeder Lebenslage von der Technologie profitieren. Ein Blick auf das unbekannte Gegenüber in der U-Bahn genügt und die Brille blendet Name, Alter oder Beruf ein.

Eher Déjà-vu denn Sciencefiction

Viele der Geräte und Dienste, die Elsberg beschreibt, kommen einem bekannt vor. Die Datenbrille erinnert an «Google Glass», die seit ein paar Tagen in den USA erhältlich ist. Zwar ist die Gesichtserkennung mit diesem Gerät heute noch nicht möglich, doch grundsätzlich machbar. Und das gilt auch für die meisten anderen Dienste – Elsberg denkt das, was wir schon kennen, einen Schritt weiter.

Das gilt auch für die Berater-App. Heute schon optimieren Konzerne ihr Geschäft, indem sie Kundendaten auswerten und so zu wichtigen Erkenntnissen gelangen. In Elsbergs Welt wird dieses Potential nun auch Individuen zur Verfügung gestellt, um diesen zu einem erfolgreichen Leben zu verhelfen. Auch bei der Gesichtserkennung mit der Datenbrille dreht der Autor den Spiess um. Was heute der Polizei oder Geheimdiensten vorbehalten ist, soll in Zukunft allen zur Verfügung stehen – doch mit welchen Konsequenzen für die Gesellschaft? Gibt es überhaupt noch Geheimnisse in unseren Leben?

Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt

«Zero» beschreibt keine Apokalypse, in der alle von den Mächtigen manipuliert und kontrolliert werden. Es gibt im Roman Figuren, die eigenständig handeln und sich auflehnen, wie die Journalistin Cynthia oder der Internet-Aktivist «Zero». Die Macht der Mächtigen ist auch nicht uneingeschrenkt: Durch die komplexe Technologie sind sie immer auch angreifbar und verletzlich.

Elsberg schneidet viele Themen an, geht dann aber oft nicht in die Tiefe – so auch, wenn er am Schluss des Buches erwähnt, wie wir uns der totalen Überwachung mit OpenSource-Software entziehen könnten. Trotzdem: Das Buch regt zum Nachdenken an, weil uns die Welt in «Zero» so bekannt vorkommt. Darüber, welchen Einfluss Datenverarbeitung auf unser Leben haben könnte – und vor allem: Jetzt schon hat.

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