Sind eure Digital-Antiquitäten mehr wert als unsere?

Frühlingsputz! Wir steigen in den Keller und entrümpeln unsere digitalen Geräte. Sind diese Antiquitäten noch was wert? In Geld gemessen eher nicht, der ideelle Wert übersteigt für uns den realen. Nun zeigt uns eure digitalen Oldies und wir sagen, was die noch wert sind. Könnt ihr uns übertrumpfen?

Egal, ob alte Konsolen, Kameras oder alte Computer: In unseren Kellern liegt noch einiges an alten digitalen Geräten herum. Wie in der britischen Fernseh-Show «Antiques Roadshow» haben wir das nun hervorgekramt und geschätzt, was es noch wert ist. Das haben wir gefunden:

Reto Widmer: Geschätzter Gesamtwert CHF 1130.-

Reto: «Einer der ersten MP3-Spieler kostete 1997 so viel wie ein aktuelles Oberklasse-Smartphone.»

Bildlegende: Rio Diamond PMP 300: «Mein erster MP3-Spieler kostete 1997 so viel wie ein aktuelles Oberklasse-Smartphone.» SRF

Auf der Packung des «Rio Diamond PMP 300» steht allen Ernstes, dass man die Songs bitteschön in MP3s mit 16kb/s umwandeln solle – dann hätte es Platz für acht Stunden Musik. Dass dabei jedes Musikstück klingt wie direkt aus dem Telefonhörer heraus, hat mich nicht gestört. Dass das Gerät Musik abspielt, ohne irgendwelche physischen Ton- oder Datenträger, hat mich 1997 derart fasziniert, dass die Wiedergabequalität total nebensächlich war. Und auch der Preis: Über 400 Franken hat mich die mit ein wenig Elektronik vollgestopfte Zigarettenschachtel gekostet.

Reto: «Der Archos begleitete mich zu einigen Interviews und löste bei den Gesprächspartnern ungläubiges Erstaunen aus!»

Bildlegende: Archos Jukebox Recorder 20: «Der Archos begleitete mich zu einigen Interviews und löste bei den Gesprächspartnern ungläubiges Erstaunen aus!» SRF

Etwas teurer war der «Archos Jukebox Recorder 20» – aber zu Recht. 20 GB Festplatte, cooles Design, eingebautes Mikrophon und Aufnahmemöglichkeit machten das Gerät zu meinem bevorzugten, auch bei der Arbeit. Bei Interviews versetzte ich die Gesprächspartner jeweils in ziemliche Ungläubigkeit, da zu diesem Zeitpunkt immer noch Diktiergeräte an der Tagesordnung waren. So kriegte es der Schauspieler Matthias Gnädinger beispielsweise fast nicht in seinen Kopf, dass auf das Gerät «hunderte Stunden Musik» passen sollten und Moritz Bleibtreu fand den Archos schlicht nur «abgefahren geil».

200 Seiten Bedienungsanleitung und irre teuer - ein US Robotics Modem.

Bildlegende: US Robotics Courier V.32 bis with ASL: «Was ich an diesem Modem auch heute noch mag, ist die über 200 Seiten starke Bedienungsanleitung.» SRF

Das «US Robotics Courier V.32 bis with ASL» musste ich zum Glück nicht selber kaufen – ein Kollege hat mir die etwa 1500 Franken teure Kiste geschenkt, zwei, drei Jahre nach ihrem Erscheinungsdatum von 1989, als sie schon fast nichts mehr wert war. Dennoch bin ich einige Monate damit ins Internet gegangen. Das Tempo spottet heute jeder Bezeichnung, die Benutzerfreundlichkeit ebenfalls. Die Bedienungsanleitung zum Modem war über 200 Seiten stark, alleine das Inhaltsverzeichnis umfasste vier Seiten. Wenn man bedenkt, dass jedes Handy heute ein «Modem» eingebaut hat für den Netzwerkzugang, kann man sich wirklich kaum mehr vorstellen, wie uns das Herz hüpfte beim Anblick einer solchen Kiste.

Ein Handy, das aussieht wie eine Auster.

Bildlegende: Swisscom Ogo «50'000 Kunden sollen laut Swisscom 2007 den Ogo im Einsatz gehabt haben. Unverständlich!» SRF

Nur gerade zehn Jahre (!) ist es her, als Swisscom den «Ogo» auf den Markt brachte, beim Start noch für 149 Franken bei Jahresabschluss eines Datenabos für 19 Franken pro Monat. Der «Ogo» war die Antwort auf den Blackberry – mit Ausrichtung auf private Anwender. Tatsächlich sollen nach Angabe von Swisscom 2007 rund 50'000 Kunden das Plastikteil verwendet haben, um ihre Emails abzurufen, SMS zu verschicken oder über AIM zu chatten. Aus heutiger Sicht kein wirklicher Genuss auf dem 240x160 Pixel kleinen Display und der hakeligen Tastatur – «damals» aber: WOW!

Peter Buchmann: Geschätzter Gesamtwert CHF 180.-

Der alte Macintosh SE - der Brotkasten.

Bildlegende: Macintosh SE aus dem Jahre 1990 «Der Mac ist mir ans Herz gewachsen, weil er mir eine ganz neue Welt eröffnet hat.» SRF

Mein erster Computer: Ein Mactintosh SE mit 2 Megabyte Arbeitsspeicher, einer auf 8 Megahertz getakteten CPU und einem 9-Zoll-Display, das nur schwarze oder weisse Pixel darstellen konnte. Gekauft habe ich das Gerät auf dem Graumarkt in Taiwan für die Hälfte des offiziellen Schweizer Preises von 7'000 Franken – zusammen in einer Tasche. Der Computer galt nämlich trotz seiner acht Kilo Gewicht als portable!

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Ein hellgrüner Laptop mit Mini-Schirm und Senderohren.

Bildlegende: XO-1 (One Laptop per Child): «Ein Fossil mit Trackpad.» SRF

Bei diesem XO-1 aus der Initiative «One Laptop Per Child» habe ich das Gefühl, ein Fossil vor mir zu haben, obwohl das Gerät noch nicht einmal sieben Jahre auf dem Buckel hat. Auf dem Gerät werkelt «Open Firmware» und das Linux-Betriebssystem Fedora.

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Guido Berger: Geschätzter Gesamtwert CHF 30.-

Die originale Playstation und die G-Con, eine analoge Lightgun von Namco.

Bildlegende: Playstation 1, mit G-Con: «Die originale Playstation, in erstklassigem Zustand, mit G-Con!» SRF

Meine erste Konsole, die Playstation. Viele schöne Stunden habe ich mit ihr verbracht, zum Beispiel mit «Wipeout 2097». Sie ist noch immer in erstklassigem Zustand, mit CD-Rom und in zeitlosem Grau. Doch sie wurde 100 Millionen mal verkauft und ist darum nicht selten genug, um viel wert zu sein.

Mit dem Gun Controller («G-Con»), den ich zusätzlich gekauft hatte, konnte ich auf den Bildschirm zielen und Verbrecher wegballern (in «Time Crisis»). Und zwar total analog: Das Video-Signal der Playstation wird abgezweigt und mit dem verglichen, was die auf den Röhren-TV gerichtete Linse der «G-Con» sieht. Nicht ganz so weit verbreitet wie die Playstation, aber offenbar kaum noch begehrt.

Luzi Müller: Geschätzter Wert CHF 80.-

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Bildlegende: Original-iBook: «Ich hätte es meiner Mutter nie verziehen, wenn sie dieses Schmuckstück weggeschmissen hätte.» SRF

Zur Jahrtausendwende noch Speerspitze in Sachen Consumer-Laptop – jetzt nur noch eine kuriose Erinnerung an den Versuch, alles so zu designen, als wenn es von einem iMac abgefallen wäre. Aus heutiger Sicht hat sich Apples erstes iBook-Modell den Übernamen «Puderdose» redlich verdient. Kaum zu glauben, dass es nur doppelt so alt ist, wie das erste iPhone.

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Méline Sieber: Geschätzter Wert CHF 70.-

Ein Laptop mit Stickern, sorgfältig und eigenhändig bemalt. Der Bildschirm ging - entgegen allen Gerüchten - nicht kaputt.

Bildlegende: IBM Thinkpad T42 «Der Einstieg ins Leben. Ein Laptop mit derartiger Nummer - einfach unwegwerfbar.» SRF

Wer wird in 20 Jahren noch wissen, dass es nicht Lenovo ist, der die Thinkpad-Reihe ursprünglich herstellte? Der T42, das war noch alte Schule mit Telefon-Modem und Pentium-M-Prozessor. Der Laptop begleitete mich (und meinen Rücken) um die halbe Welt. Mit ihm realisierte ich meine OS-Träume von einem Triple-Boot, also drei parallelen Betriebssystemen. Heute funktioniert er immer noch – trotz des Autolacks auf dem Deckel.

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Jürg Tschirren: Geschätzter Wert CHF 0.-

Ein drehbarer Tisch mit 70er-Jahre-Silberdeckchen.

Bildlegende: Da ist ... nichts: [Ein runder Tisch mit hübschem Silberdeckchen.] SRF

Ich habe bei meinem letzten Umzug alle alten Geräte entweder entsorgt oder – wenn das Teil noch nicht zu alt oder zu beschädigt war – auf Ebay und Ricardo verkauft. Jetzt habe ich ein wenig mehr Platz, aber nicht unbedingt mehr Geld, denn das Geld aus dem Verkauf der Geräte wurde gleich in den Kauf von neuen investiert. Die werde ich jetzt gut aufbewahren, damit ich beim nächsten Mal auch etwas zu zeigen habe.

Die geschätzten Schätze der Redaktion: CHF 1490.-

Guido
Playstation 1, mit G-Con
30.-
Peter
XO-1 (One Laptop per Child)
60.-

Mactintosh SE
120.-
Luzi
Original-iBook
80.-
Jürg
(Silbernes Tischdeckchen)
0.-
Méline
IBM Thinkpad T42
70.-
Reto
Rio Diamond PMP 300
1000.-

Archos Jukebox Recorder 20
60.-

US Robotics Courier V.32 bis with ASL
60.-

Swisscom Ogo
10.-

Wenn wir das alles zusammenzählen, kommen wir also auf das folgende Total: mindestens 1490 Franken. Das müsstet ihr übertrumpfen können!

Update - ihr habt gewonnen!

Bei 10'800 Franken haben wir endgültig aufgehört zu zählen.