Smartphone statt Papier: In die Ferien, nur mit Apps

Ganz ohne Reiseführer oder Karten, nur mit dem Smartphone in die Ferien? Das geht! Wir sagen, worauf ihr achten müsst und welche Apps ihr braucht.

Eine Menukarte in Japanisch und zwei Smartphones zum Übersetzen

Bildlegende: Fleischbestellung für Analphabeten – mit Google Translate. Guido Berger/SRF

Auf meiner letzten Reise war ich ganz ohne Papier unterwegs. Ich hatte weder Reiseführer noch Kartenmaterial dabei und habe nichts davon vermisst: Mein Smartphone reichte völlig aus.

Mehr Aufwand, mehr Entdecker-Gefühl

Natürlich veränderte sich so das Erlebnis etwas. Die vom Reiseführer getroffene Vorauswahl fehlte. Die täglichen Entscheide musste ich selbst fällen: Wo schlafe ich? Wo esse ich? Was mache ich heute? Mit diesen Recherchen habe ich deutlich mehr Zeit verbracht.

Umgekehrt hat sich dadurch das Entdecker-Gefühl verstärkt: Statt aus zwei Vorschlägen des Reiseführers auszuwählen, entdeckte ich meine Umgebung selbst.

Welche Apps ihr dafür braucht, hängt von der Art der Reise ab. Zunächst die Grundlagen, die in jedes Set gehören.

Das Basis-Set:

  • Google Maps
  • Wikipedia
  • Trip Advisor oder Yelp
  • Dropbox
  • Notizen oder iA Writer

«Google Maps» für die Navigation im Auto oder zu Fuss. Am besten eingeloggt, weil ihr dann Orte speichern könnt. Unterkünfte, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten habe ich jeweils mit dem kleinen gelben Stern markiert und konnte mich so immer leicht orientieren.

Die Wikipedia hat die Abschnitte über Land, Leute und Geschichte im Reiseführer ersetzt. Auch in Museen oder vor Sehenswürdigkeiten habe ich sie konsultiert. Man will ja was lernen.

Empfehlungsapps wie «Trip Advisor» oder «Yelp» helfen bei Hotel- und Restaurant-Suche. Die Bewertungen der Nutzerinnen und Nutzer können zumindest ein Stück weit die Auswahl erleichtern. Sich Orte in der Nähe anzeigen zu lassen, ist bequem.

In einer App wie «Dropbox» können wir Reisedokumente wie E-Tickets oder Reisepläne verstauen und bei Bedarf abrufen.

Und schliesslich möchte man vielleicht etwas vorausplanen oder Reisetagebuch führen. Dafür reichen die mitgelieferten Notiz-Apps in der Regel aus. Ich bin ein grosser Fan von «iA Writer» und habe diese App benutzt, um alles mögliche aufzuschreiben.

Set 1: Ein fremdes Land entdecken

Zusätzlich zum Basis-Set:

  • Google Translate

Auch wer die lokale Sprache gar nicht oder nicht gut genug kann, kommt mit «Google Translate» sehr weit. Ich habe beispielsweise eine komplizierte Fleischbestellung im Restaurant erledigt, indem ich auf meinem Smartphone meine Fragen eingegeben und die Übersetzung dem Kellner gezeigt habe. Er hat sofort verstanden und sein eigenes Smartphone benutzt, um mir wiederum seine Antworten zu zeigen.

Set 2: Städtereisen

Zusätzlich zum Basis-Set:

  • ÖV
  • Lokaler digitaler Reiseführer
  • Museums-Apps

Wahrscheinlich gibt es in der Stadt eine App des öffentlichen Verkehrs. Fahrpläne von Bus oder U-Bahn dort nachschauen und vielleicht auch gleich die Tickets kaufen.

Bei einer Stadt hilft vielleicht dennoch ein Reiseführer. Die meisten grossen Reiseführer-Verlage bieten mittlerweile digitale Versionen ihrer Bücher an.

Und schliesslich gibt es möglicherweise Begleit-Apps zu den Sehenswürdigkeiten, beispielsweise einen Museumsführer. Diese schon zu Hause oder vor Ort im Hotel-WLAN herunterladen.

Set 3: Abenteuer Natur

Zusätzlich zum Basis-Set:

  • Präziseres Kartenmaterial
  • Präziseres Wetter
  • evtl. Tracker
  • evtl. Taschenlampe

Wer sich aus der Zivilisation wagt, benötigt präziseres Kartenmaterial, als es «Google Maps» liefern kann. In der Schweiz sind die 25'000er-Karten von Swisstopo dank dem neuen Abo-Modell (38.- / Jahr) nun zahlbar geworden; die App dazu heisst «Swiss Map Mobile» (iOS und Android).

Wer Wetterprognosen braucht, möchte genauere Vorhersagen, als sie die globalen Daten der im Betriebssystem mitgelieferten Apps bieten. Hier eine lokale App installieren, in der Schweiz beispielsweise «MeteoSwiss» (iOS und Android).

Wer später die zurückgelegte Route analysieren oder speichern möchte, benutzt eine App, welche die GPS-Daten aufzeichnet. Beispielsweise «Trails» (iOS) oder «Open GPS Tracker» (Android).

Licht ist immer nützlich. Eine App, welche die Blitz-LED des Smartphones zur Taschenlampe umfunktioniert, ist deshalb eine gute Idee. In iOS 7 ist diese Funktion schon eingebaut; für Android gibt es beispielsweise «TeslaLED Flashlight».

Grundvoraussetzung: Strom und Daten-Roaming

Wenn das Smartphone so zentral wird, müssen wir natürlich sicher sein, dass es auch funktioniert. Der internationale Strom-Adapter ist bei mir deshalb vom Haupt- ins Handgepäck gewandert und immer griffbereit.

Dazu empfiehlt sich ein Autoladegerät, insbesondere, wenn man das Smartphone auch beim Fahren als Navigation benutzt. Auf der einen Seite in den Zigaretten-Anzünder, auf der anderen Seite ein USB-Stecker – damit lädt man alles auf. Beim Kauf darauf achten, dass das Ladegerät nicht nur mit 1 Ampere, sondern mit 2,1 Ampere auflädt – dann geht das nämlich viel schneller.

Und natürlich muss man sich um das Daten-Roaming kümmern, um nicht zu Hause von einer brutalen Handy-Rechnung begrüsst zu werden. Auch wenn Daten-Roaming noch immer zu teuer ist, gibt es seit einer Weile durchaus zahlbare Angebote. Man kauft in der Regel gleich im Zielland ein Datenpaket, über ein entsprechendes Cockpit des Anbieters. Die aktuellen Tarife für Europa (der Rest der Welt ist etwas teurer):

Swisscom:

  • 1 GB, 30 Tage, 79.-
  • 200 MB, 30 Tage, 24.-
  • 50 MB, 30 Tage, 9.-

Sunrise:

  • 500 MB, 30 Tage, 49.-
  • 100 MB, 30 Tage, 15.-
  • 25 MB, 7 Tage, 5.-

Orange:

  • 200 MB, 30 Tage, 20.-

Wichtig: Darauf achten, dass das Smartphone Apps oder Podcasts nicht automatisch über das mobile Netz aktualisiert. Dafür das Hotel-WLAN nutzen. Sonst ist das Datenpaket zu schnell aufgebraucht. Doch für normalen Gebrauch (Navigation, Nachschlagen, Social Media) reichen die Pakete vollauf.

Einschränkungen

Für die Vorbereitung kann ein Reiseführer aus Papier nach wie vor hilfreich sein, um sich überhaupt einmal einzulesen. Auf die Reise dann mitnehmen würde ich den allerdings nicht mehr.

Und natürlich funktioniert das alles nur, wenn es im Reiseland auch zuverlässiges mobiles Internet gibt. Unter 3G würde ich mir das nicht antun wollen. In entlegeneren Gebieten wird man also weiterhin auf Papier setzen müssen.

Findet ihr, dass auf unserer Liste etwas Wichtiges fehlt? Ab in die Kommentare damit!