Sorglos Internet?

Soeben hat die sogenannte Relaxbox ihre Kickstarter-Kampagne erfolgreich beendet. Das Kästchen soll: Viren und Spam fernhalten, Privatsphäre schützen, Kommunikation verschlüsseln. Also alles, was sich der verunsicherte Internetnutzer wünscht. Doch ganz so einfach geht das nicht.

Eine Bierdose steht vor einem Computer-Keyboard

Bildlegende: Auch eine Relaxbox lässt nicht alle Sorgen vergessen. Flickr/Michael Coloso

Das Internet 2015 – überall Gefahren! Hier lauern Viren, dort droht Spam und hinter jeder Ecke wartet ein Geheimdienst, der unsere persönlichsten Daten anzapfen will. Auch wenn dieses Szenario übertrieben ist: Der Wunsch, sich im Internet besser zu schützen und die eigene Kommunikation zu verschlüsseln ist bei vielen Benutzern grösser geworden. Nicht zuletzt, seit Edward Snowden mit seinen NSA-Enthüllungen die Machtfülle der Geheimdienste bewusst gemacht hat.

Es gibt schon heute einige Möglichkeiten, seine Spuren im Internet zu verdecken und sich vor Angriffen zu schützen. Antivirenprogramme zum Beispiel halten Spam und schädliche Software zurück. Die Software Tor anonymisiert den Internetverkehr. Und Programme wie Pretty Good Privacy verschlüsseln Emails und andere Daten. Das Problem bei solchen Lösungen: Sie müssen stets auf dem neusten Stand gehalten werden. Laien tun sich schwer damit. Und selbst für erfahrene Anwender ist ihr Einsatz oft mit einigem Aufwand verbunden.

Sicherheit und Anonymität

«Wir wollten einen Kompromiss zwischen dem maximalen Schutz im Internet und einfacher Bedienung finden», sagt der Berliner Maximilian Pohl, der die Relaxbox mitentwickelt hat.

«  Wir wollten einen Kompromiss zwischen dem maximalen Schutz im Internet und einfacher Bedienung finden. »

Maximilian Pohl

Ein Kästchen, das an den Internetrouter gehängt wird und dann eine gesicherte Verbindung zu einem der Relaxbox-Server aufbaut. Sämtlicher Datenverkehr, der über diese Verbindung läuft, werde dann automatisch «gesäubert», sagen die Macher. Wer mit 1 Mbit/s Geschwindigkeit im Internet auskommt, zahlt nur für die Box. Für mehr Speed werden Abonnementsgebühren bis zu 11 Euro im Monat fällig.

Maximilian Pohl und seine Kollegen versprechen, die Relaxbox halte nicht nur Viren und andere Schadsoftware von Geräten im heimischen Netz fern, sondern könne auch unsere Datenspuren im Internet geheim halten. Die Software dazu soll sich von selbst auf dem neuesten Stand halten. Weitere Features: Antifingerprinting-Techniken, Daten-Verschlüsselung und ein geschützter VPN-Kommunikationskanal. Auf den Relaxbox-Servern sollen dabei keinerlei Benutzer-Daten gespeichert bleiben.

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

In einer Zeit, in der viele dem Internet misstrauen, scheint so ein Angebot verlockend. Zumal alles grösstenteils automatisch passieren soll. Und tatsächlich gibt es Interesse: Die eben abgeschlossene Kickstarter-Kampagne der Relaxbox jedenfalls hat ihr Finanzierungsziel deutlich übertroffen. Nun soll das Gerät in Produktion gehen. Wann es in die Läden kommt, ist noch nicht bekannt.

Sorglosen Rundumschutz wird aber auch das fertige Gerät nicht bieten. Zum einen ist die Kommunikation nur zwischen dem Benutzer und dem Relaxbox-Server verschlüsselt. Von da aus zum ihrem endgültigen Ziel rauscht sie wieder mehr oder weniger offen durchs Internet. Ansonsten könnte zum Beispiel der Empfänger einer Email deren Inhalt gar nicht lesen. Es sei denn, er besässe ebenfalls eine Relaxbox: Nur so könnte sämtlicher Datenverkehr zwischen Sender und Empfänger geschützt bleiben.

Doch selbst dann blieben Lücken: Ein Geheimdienst wie etwa die NSA hätte durchaus die Mittel, sich Zugang zu einem der Realbox-Server zu verschaffen und dort die Kommunikation der Benutzer zu überwachen.

«Hundertprozentige Sicherheit kann es im technischen Bereich nie geben», räumt auch Maximilian Pohl ein. «Aber wenn man seine Daten verschlüsselt und anonymisiert, macht man es einem potenziellen Angreifer immerhin viel schwerer, als wenn man gar nichts tut.»

Digitale Sicherheit für Laien

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Wie man seine E-Mails verschlüsselt und anonym im Web surft kann man auch an sogenannten Crypto-Parties lernen. Wir haben einen solchen Anlass des Chaos Computer Clubs Zürich besucht und waren auch an einer Crypto-Party in Muttenz dabei.

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