Tesla S: Elektropanzer statt leichtgewichtiges Solarmobil

Über 400 PS Leistung, kein Lärm, kein Gestank: Der Tesla S fährt mit einem Elektromotor - und ist dennoch ein richtiges Auto. Das ist nicht selbstverständlich. Elektroautos galten lange als Bastel-Fahrzeuge, mehr Dreiräder mit Elektroantrieb denn richtige Autos. Dieses Image ist nur vorbei.

In den 1980er-Jahren war die Schweiz elektrisiert von den Schlagzeilen zum Waldsterben – und von Autos, die mit Strom fuhren. Ohne schädliche Abgase. Sauber und rein. Jährlicher Höhepunkt der Solar-Szene war die «Tour de Sol». An diesem Rennen fuhren jedes Jahr tollkühne Männer und wenige Frauen quer durch die Schweiz, mit Konstruktionen auf Rädern, die nur durch Sonnenenergie angetrieben wurden, Seifenkisten mit Solardach und Dreiräder mit Blei-Akkus. Wer am Ziel ankam, war glücklich. Wer unterwegs stehen blieb, gehörte keiner Minderheit an.

Effizienz und Ökologie an erster Stelle

Bastlern und ernsthaften Entwicklern war gemeinsam, dass sie mit ihren Solar-Mobilen zeigen wollten und auch zeigten, was möglich ist: 100 Kilometer zu fahren mit umgerechnet einem Deziliter Benzin. Trotz der grossen Ingenieur-Leistungen und aller Faszination verschwanden die Solar-Mobile schnell wieder aus der Wahrnehmung der Bevölkerung.
Projekte, die aus der Hochblüte entstanden, waren wenig erfolgreich, wie zum Beispiel der Twike. Der Elektro-Roller für zwei brachte dem Hersteller nie Gewinn und vor gut zehn Jahren deshalb den Konkurs. Zu teuer war das Gefährt – 25'000 Franken. Das ist zu viel Geld für sehr wenig Auto.

Damit war der Traum von effizienten elektrisch angetriebenen Autos aus der Schweiz vorbei.

Elektrischer Panzer aus den USA

Das erste erfolgreiche Elektroauto aus Massenproduktion stammt aus dem Erdöl-Land USA. Der Tesla S ist das pure Gegenstück zu den solar betriebenen Leichtfahrzeugen der 80er-Jahren – die Faust aufs Auge. Über zwei Tonnen schwer ist der elektrisch betriebene «Panzer» dennoch flink und wendig, rund 500-Kilogramm-Batterien liefern dem über 400 PS starken Motor genügend Energie, um den Wagen in rund vier Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen und rund 400 Kilometer weit zu fahren.

Das sind Spitzenwerte für ein Elektroauto, und weil der Preis zwar hoch ist (ab 80'000 Franken) aber nicht höher liegt als bei vergleichbaren Oberklasse-Limousinen mit Verbrennungsmotor, war der Tesla bereits in den ersten vier Monaten 2014 fast das meistverkaufte Auto dieser Klasse (149 Stück). Nur Mercedes verkaufte noch eine handvoll mehr teure Oberklasse-Limousinen.

Der Tesla scheint der perfekte Luxus-Schlitten fürs gute Gewissen zu sein.
Für Kunden, die es sich leisten können. Mit den ideologischen Motiven der Solar-Tüftler aus den 80er-Jahren hat das allerdings nichts mehr zu tun aber der Tesla hat das Image der verstaubten Elektroautos aufpoliert. Eine achtenswerte Leistung.

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