Unterschreiben – wozu noch?

Die Unterschrift gilt als etwas sehr Persönliches, gleichzeitig aber auch als unzuverlässig. Trotz modernerer Verfahren ist sie aber immer noch verbreitet, wie ein Blick auf die Kartensammlung im Portemonnaie zeigt. Wir sagen, wann die Unterschrift noch Sinn macht und wo sie zur Folklore verkommt.

Eine junge Frau hält einen Pass in der Hand, im Hintergrund ein Computer.

Bildlegende: Unterschreiben auf dem Pass: Obwohl der Computer die Signatur eigentlich abgelöst hat. Keystone

Wer viel Bahn fährt, hat diese Situation sicher schon einmal erlebt: Bei einer Kontrolle fordert der Kondukteur auf, das neue erstandene Abonnement auf dem dafür vorgesehenen Streifen zu unterschreiben – sonst sei der Ausweis nicht gültig. Über solche Streifen verfügen auch all die anderen Karten, die wir täglich mit uns herumtragen: Von den Kredit- und Debitkarten bis zu den Kundenkarten der Grossverteiler, überall muss man unterschreiben.

Wer schon einmal sein Portemonnaie mit allen Ausweisen zu Hause vergessen hat und dann im ÖV in eine Kontrolle geraten ist, dem mag der Sinn der Unterschrift auf dem Abo noch einleuchten. Grund: Ohne jeglichen Ausweis bleibt bloss noch die Unterschrift auf einem Formular, um sich zu identifizieren. Doch wozu muss ich meine Debitkarte unterschreiben, wenn ich diese ausschliesslich mit meinem PIN-Code benütze?

Die Unterschrift wird zur Folklore

Tatsächlich ist die Signatur auf der Postfinance-Karte überflüssig, wie der Sprecher Johannes Möri bestätigt. Postfinance beharrt auch nicht auf einer Unterschrift. Dass dennoch ein Streifen dafür vorgesehen ist, habe andere Gründe: Die Kunden würden sonst verunsichert und die Unterschrift gebe der Karte eine persönliche Note, so Möri.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Kreditkarte von Postfinance, in den meisten Fällen reicht der PIN-Code zum bezahlen oder Geld beziehen. Dennoch rät Möri, die Karte zu unterschreiben, weil nicht garantiert sei, dass man in jedem Geschäft mit dem PIN-Code bezahlen kann. Manchmal braucht es noch eine Signatur.

Was gilt als Unterschrift?

Auch diese Situation kennen viele: Man steht am Postschalter und muss auf einem Scanner unterschreiben, erst dann wird der eingeschriebene Brief ausgehändigt. Bloss: Die Unterschrift auf dem Display erkennt man selbst kaum wieder. Zwar musste man zuvor einen Ausweis vorlegen, dennoch fragt sich manch einer, wie nützlich so eine Signatur überhaupt ist: Könnte ich nicht gerade so gut ein Kreuz oder einen Smiley hinmalen?

Ein Schweizer Pass liegt auf einer MacBook-Tastatur

Bildlegende: Dokumente werden überflüssig: Immer öfter wird die Identität mit Hilfe eines Computers überprüft, die Unterschrift hat ausgedient. Keystone

«Was als Unterschrift gilt, ist in der Schweiz nicht genau geregelt», sagt Philipp Bättig, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Polizeiwesen. Doch der Spezialist für Ausweisdokumente bezweifelt, dass rechtlich gesehen ein Smiley den Namenszug ersetzen kann.

Dass sich die Unterschrift im Verlauf eines Lebens wandeln kann, ist hingegen unproblematisch. «Wer viel unterschreibt, merkt, wie sich die Signatur verändert» so der Spezialist. Das sei kein Problem und man dürfe auch eine komplett neue Unterschrift verwenden. Allerdings ist man dann verpflichtet, neue Ausweise anzufordern. Das gilt auch, wenn sich der Name ändert, nach einer Heirat zum Beispiel.

Herkömmliche Unterschriften mit Hilfe eines Scanners zu erfassen, wie das die Post macht, ist nur eine Möglichkeit, mit Signaturen im digitale Zeitalter zu arbeiten. Eine andere: Die sogenannte digitale Unterschrift. Sie kann Dinge, für die es in der Welt von Tinte und Papier kein Pendant gibt.

Eine E-Mail unterschreiben

Möchte man einen Vertrag unterschreiben und dann per E-Mail verschicken, so kann man mit einer digitalen Unterschrift signieren. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Zertifikat und einem Passwort. Der Computer berechnet dann aus der digitalen Unterschrift und dem Inhalt des Dokumentes eine Art digitales Siegel, wofür es in der realen Welt keine Entsprechung gibt. Mit diesem Siegel lässt sich nämlich überprüfen, ob jemand nach dem Unterschreiben den Inhalt des Dokumentes oder die Signatur verändert hat. Die digitale Unterschrift dient so nicht nur zur Identifizierung, sie verhindert auch, dass jemand nachträglich das Dokument verändert kann.

Dieser Vorgang gilt als sicher. «Um das Siegel zu knacken, muss man technisch einen gigantischen Aufwand treiben, den sich der durchschnittliche Fälscher nicht leisten kann» sagt Simon Schlauri, Anwalt und Dozent an der Uni Zürich, der sich im Rahmen einer Dissertation mit Unterschriften beschäftigt hat. Doch: Die absolute Sicherheit gebe es nicht, auch die digitale Unterschrift habe Schwachstellen, so Schlauri weiter. Jeder, der in Besitz von Passwort und Zertifikat gelangt, kann dann im Namen des Besitzers unterschreiben.

Unterschrift, PIN oder digitale Signatur?

Ob PIN-Code, konventionelle Unterschrift oder die digitale Signatur, alle diese Verfahren zur Authentifizierung hätten Vor- und Nachteile, meint Schlauri. Händische Unterschriften sind schwieriger zu fälschen als man gemeinhin denkt und auch digitale Signaturen haben ihre Schwachstellen. Es gehe darum, für jeden Fall die geeignete Lösung zu finden, wo Aufwand und Ertrag übereinstimmten, meint der Jurist.

Beim Internet-Banking, wo es um grosse Beträge geht, macht also eine aufwendige Lösung durchaus Sinn. Bei einer Karte zum Bezahlen kleiner Beträge, wie sie etwa auf Parkplätzen zum Einsatz kommt, ist eine günstige Lösung angebracht, auch wenn diese unsicherer ist.

Ist die Unterschrift sicher?

Eine Unterschrift nachzuahmen, scheint nicht allzu schwierig. Doch der Schein trügt: «Eine konventionelle Unterschrift ist erstaunlich verlässlich» sagt Simon Schlauri, Anwalt und Dozent an der Uni Zürich. Mit den richtigen technischen Hilfsmitteln können Kriminalisten ziemlich zuverlässig zwischen echten und gefälschten Signaturen unterscheiden.