Computergames Von platt bis prall: Eine Kulturgeschichte der weiblichen Brust

Brüste waren und sind in Games allgegenwärtig: An ihnen lässt sich nicht nur die technische Entwicklung des Mediums zeigen, sondern auch, wie sich der Blick auf Frauenkörper verändert hat. Wir schauen uns die Kulturgeschichte der Brüste genauer an.

 Von Lara Croft über Zelda bis hin zu Mai Shiranui - ein Mashup der Videospielkultur.

Bildlegende: Frauen in Videospielen Es gibt sie in allen Formen und Farben. Collage SRF Digital

    • 1.
      Die Anfänge
      Samus Aran, gilt – abgesehen von Ms. Pacman – als erste weibliche Hauptfigur in einem Videospiel. Dies war allerdings vielen Spielern von «Metroid» gar nicht erst bewusst.
      Samus Aran: Die erste weibliche Hauptfigur in einem Game.

      Bildlegende: Samus Aran: die erste weibliche Game-Hauptfigur. Collage SRF Digital

      • 1986: Samus hatte eine goldene Powerrüstung, die sie in der Wahrnehmung von vielen Spielern als Roboter auftreten liess. Nur wer das Spiel besonders schnell spielen konnte, für den hat Samus ihren Helm ausgezogen. Wer noch schneller war, für den liess sie dann auch noch die ein oder andere weitere Hülle fallen. Für dieses Extra hat das sonst so familienfreundliche Unternehmen Nintendo viel Kritik eingesteckt.
      • 2004: Seither hat man nie wieder einen Nintendo-Charakter im Bikini gesehen. Auch Samus bekam in den späteren Ablegern einen blauen Ganzkörperanzug, den sogenannten Zero Suit, der sie auch eindeutig als Frau entlarvt.
      • 2010: Mittlerweile sind wir beim 11. Ableger der Serie angelangt. Im neusten Teil erfährt man zum ersten Mal mehr von Samus' Charakter. Allerdings ist Samus darin auch so sexy wie nie zuvor. Dies liegt nicht nur an den Fortschritten der Technik, sondern auch an einer Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Team Ninja (mehr zum Team Ninja bei Punkt 8).
    • 2.
      Wir stellen vor: Mai Shiranui
      Mai Shiranui galt als erste (spielbare) weibliche Figur in einem Prügelspiel. Ihren ersten Auftritt hatte sie 1992 in «Fatal Fury 2» – auch wenn ihre Figur ursprünglich ein männlicher Ninja werden sollte.
      Mai Shiranui, die ersten spielbare weibliche Figur in einem Prügelspiel.

      Bildlegende: Mai Shiranui, die ersten spielbare weibliche Figur in einem Prügelspiel. Collage SRF Digital

      • 1992: Die Entwickler wollten etwas Neues wagen und so wurde der männliche Shiranui durch den Vornamen Mai zur Frau. Es sollte eine Figur werden, die das Zeug zur Ikone haben sollte.
      • 2003: Und tatsächlich war und ist Mai als weiblicher Videospiel-Ninja sehr erfolgreich, wenn sie Muskelprotze zu vermöbelt.
      • 2012: Bis heute als Ikone verehrt wird sie aber wohl wegen zwei anderen schlagenden Argumenten.
    • 3.
      Sie muss man nicht mehr vorstellen: Lara Croft
      Da wir gerade von Ikonen sprechen: Lara Croft gilt als die vielleicht bekannteste weibliche Kultfigur aus einem Videospiel.
      Lara Croft im Wandel der Zeit.

      Bildlegende: Lara Croft galt über Jahrzehnte als das Sexsymbol der Spieleindustrie. Collage SRF Digital

      • 1994: Toby Gard suchte damals nach einer Alternative für den gängigen männlichen Videospiel-Helden. Er fand es unpassend, einen muskulösen Supermann als Hauptfigur zu wählen, da seine Figur viele akrobatische Kletterübungen absolvieren sollte. So hat er Lara Croft erschaffen. Weil er mit der sexy Vermarktung seiner selbstbewussten Heldin nicht einverstanden war, verliess er kurz darauf das Unternehmen.
      • 2006: Mit dem Fortschritt der Technik konnte auch Lara «optimiert» werden. Sie galt über Jahrzehnte als das Sexsymbol der Spieleindustrie.
      • 2013: Mit dem zehnten Teil der Tomb-Raider wollte man weg von diesem Image. Zum ersten Mal werden die Anfänge von Lara Croft beleuchtet. Man lernt sie im zarten Alter von 21 noch einmal neu kennen, als sie noch nicht die unsterbliche Superheldin ist, sondern eine unerfahrene Forscherin. Das Publikum honorierte diese neue Strategie mit 8,5 Millionen verkauften Exemplaren – der bisher erfolgreichste Teil der Serie.
    • 4.
      Games für alle!
      Auch wenn dieser Eindruck fälschlicherweise gerade entstanden sein könnte – nicht alle Videospiele zeigen Frauen in knappen Outfits und riesigen Brüsten. Früher wie damals ist im Videospielregal alles Mögliche zu finden!
      asdf

      Bildlegende: geg Gegenbeispiele Collage SRF Digital

      Auch wenn Videospiele gerne die Superheldengeschichte vom muskelbepackten Wundermann und der sexy Wahnsinnsfrau erzählen, so gibt es mehr als genug Gegenbeispiele.

      In «Dishonored 2» (2016) beispielsweise dürfen wir nicht nur entscheiden, ob man als Emily oder Corvo spielen will. Jede Figur führt dann zu unterschiedlichen Geschichten und anderen Fähigkeiten. Es gibt auch viele starke weibliche Nebenrollen, die rein gar nichts mit den Frauen aus den Prügelspielen gemeinsam haben.

    • 5.
      History of Men
      Viele Spiele kommen (fast) ohne weibliche Charaktere aus. «Sexismus!» sagen die einen, «historische Begebenheiten!» sagen die anderen. Ein Beispiel wäre die Assassin's-Creed Reihe, welche die Geschichte von Assassinen und Templern erzählt. Zwei Geheimbünde, die – wie alle Geheimbünde – in erster Linie aus Männern bestanden.
      Frauenfiguren bei «Assassin's Creed».

      Bildlegende: Bei «Assassin's Creed» gibt es kaum Frauenfiguren. Collage SRF Digital

      2007: «Die Geschichte der Amerikanischen Revolution ist eine Geschichte der Männer», hat der Kreativ-Direktor der Spielereihe von Assassin's Creed in einem Interview gesagt und dafür viel Kritik eingesteckt. Es gäbe zwar Ausnahmen, allerdings sind und bleiben dies Ausnahmen.

      2014: In «Assassin's Creed Unity» wurde mit Élise eine weibliche Nebenfigur eingeflochten. Die Debatte wurde damit allerdings nicht begraben, sondern neu angefacht. Denn für den Co-op-Modus sollen weibliche Assassinen ursprünglich geplant gewesen sein. Allerdings tweetete Ubisoft, dass dieser Plan fallen gelassen wurde, da der Zusatzaufwand für die weiblichen Animationen das Budget sprengen würde.

      2015: Im neusten Assassin's Creed Teil scheint das Entwicklerstudio einen Kompromiss eingegangen zu haben. Das Spiel erzählt drei Geschichten von zwei Assassinen und einer Assassinenfrau, die man zum ersten Mal selbst steuern kann.

    • 6.
      Immer diese Prügelspiele
      Mai Shiranui hat damals den Weg für andere Frauen in Prügelspielen geebnet. Sie hat aber auch einen Standard dafür gesetzt, wie Frauen in diesen Spielen auftreten.
      asdf

      Bildlegende: Fighting Games Nicht alle wollen eine realistische Darstellung. Warum auch? Es sind ja Videospiele! Collage SRF Digital

      So gut wie alle Prügelspiele, angefangen von «Mortal Kombat», über «Tekken» bis hin zu «Street Fighter», stellen ihre Kämpferinnen sehr ähnlich dar. Was Mai Shiranui 1992 vorgemacht hat, ist bis heute der allgemein akzeptierte und offenbar auch gewollte Standard in diesem Genre. So sind knappe und irrwitzige Kostüme ein Muss für jede gepflegte Pixel-Prügelei.

    • 7.
      Good Guy Nintendo
      Im Hause Nintendo hat man sich Familienfreundlichkeit ganz gross auf die Fahne geschrieben. Ein Konzept das – abgesehen von Samus Arans erstem Auftritt – durchgezogen wird. Da lässt man sich auch von den gängigen Standards in der Prügelspiel-Szene nicht beeindrucken.
      asdf

      Bildlegende: Good Guy Nintendo Collage SRF Digital

      1999: Mit «Super Smash Bros.» hat Nintendo ein hauseigenes Prügelspiel, welches beweist, dass prügeln auch ohne Brüste Freude bereitet. Zur Auswahl stehen die gängigen Nintendo-Charaktere.

      2012: Mit «Super Smash Bros.» für die Wii U und der 3DS konnte man zum ersten Mal auch etwas freizügigere Figuren auswählen. Im Vergleich zu anderen Prügelspielen sind jedoch alle Nintendo Figuren angezogen wie die sprichwörtliche «Unschuld vom Lande».

      2017: Das gilt auch für das neuste Prügelspiel von Nintendo. In «Arms» prügelt man sich mit ausfahrbaren Armen oder bei der sehr figurbetonten Twintelle mit den Haaren. Wobei auch sie regelrecht hochgeschlossen auftritt, wenn man bedenkt, dass wir hier immer noch von Prügelspielen sprechen.

    • 8.
      Mehr Prügelspiele, mehr Brüste...
      «Dead or Alive» ist ein weiteres Prügelspiel, das ab 1996 versuchte, die Gamerherzen mit knallharten Schlägereien und knappen Kostümen zu gewinnen.
      Normalerweise sieht man die Spieler immer von hinten - in Prügelspielen ist das anders, warum auch Brüste so wichtig sind.

      Bildlegende: In den meisten Spielen sieht man seine Figur nur von hinten - in Prügelspielen ist das anders, warum auch Brüste wich... Collage SRF Digital

      • 1996: Das Spiel war ein Erfolg und half über die finanziellen Probleme des Unternehmens hinweg. Damit in Zukunft allerdings noch mehr Geld eingespielt werden konnte, liessen sich die Entwickler für die weiteren Teile etwas besonderes einfallen.
      • 2002: Für diese Geschichte müssen wir kurz zurück zu Mai Shiranui – ihre Brüste waren nicht nur sehr exponiert, sondern hatten auch eine gewisse Eigendynamik. Die exponierten Brüste waren bereits in «Dead or Alive» eingeflossen, für den zweiten Teil liessen sich die Entwickler ebenfalls von Mais bewegten Brüsten animieren. Mit dem Resultat, dass die Brüste wackelten und wippten.
      • 2012: Seither hat sich wenig verändert. Lediglich die Kampfkostüme werden immer ausgefallener.
    • 9.
      Xtreme Beach Volleyball
      Nach drei Teilen von «Dead or Alive» liessen sich die Spieleentwickler rund um Team Ninja wieder etwas Neues einfallen: Wie wäre es, wenn die ohnehin knapp bekleideten weiblichen Spielfiguren noch weniger an hätten?
      Die grossbrüstigen Frauenvon «Xtreme Beach Volleyball».

      Bildlegende: «Xtreme Beach Volleyball» Praller geht's nimmer: «Dead or Alive: Xtreme Beach Volleyball». Collage SRF Digital

      Gesagt, getan – und wo hat man noch weniger an als in einer gepflegten Videospiel-Prüglerei? Genau, am Strand! So wurde «Dead or Alive: Xtreme Beach Volleyball» geboren. Nicht alle freuten sich über das Spin-off, da sich viele Spieler nicht mit den sabbernden Nerds, mit denen das Spiel beworben wurde, identifizieren konnten. Heute ist es der Höhepunkt der animierten Brüste – denn Team Ninja entwickelte «Independent Breast Physics», bei denen sich die Brüste unabhängig voneinander bewegen.

    • 10.
      Was nicht passt, wird passend gemacht
      Die meisten Spiele haben allerdings keine «Independent Breast Physics» und vernachlässigen auch sonst die sekundären Geschlechtsteile der Damenwelt. Doch PC-Spieler sind Bastler, und so macht sich einfach jeder seine Welt, wie sie ihm am besten gefällt.
      Ein Spiel das viele Jahre alt ist, aber dank der Modding-Community ständig ausgebaut wird.

      Bildlegende: Ein Spiel das viele Jahre alt ist, aber dank der Modding-Community ständig ausgebaut wird. Collage SRF Digital

      Sogenannte Modder programmieren Erweiterungen oder eben Modifikationen («Mods») für ein bereits veröffentlichtes Spiel. Diese Mods werden im Internet hoch- und runtergeladen, so dass jeder Spieler genau jene Zusatzdatei installieren, die für ihn wichtig ist. Manche modden sich ihren Traum-Ferrari ins Spiel, wieder andere ihre Traumfrau.

    • 11.
      Ob Mann, ob Frau
      Ausserhalb des Prügelspiel Genres wird - auch auf Druck aus der Community - zunehmend Wert auf Genderbalance gelegt.
      asdf

      Bildlegende: Die meisten Genre legen zunehmend Wert auf Genderbalance. Collage SRF Digital

      Im gerade erst erschienenen Spiel «Prey» (2017) soll sich der Spieler aussuchen können, ob Morgan Yu weiblich oder männlich ist. Die Unterschiede sind dabei bewusst klein gehalten. Abgesehen davon, ob in seinem Appartment später eine Kravatte hängt, oder in ihrem Appartment eine Handtasche auf dem Tisch steht, bleibt die Bildsprache fast die Gleiche.

Mehr zum Thema: