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Computergames Von platt bis prall: Eine Kulturgeschichte der weiblichen Brust

Brüste waren und sind in Games allgegenwärtig: An ihnen lässt sich nicht nur die technische Entwicklung des Mediums zeigen, sondern auch, wie sich der Blick auf Frauenkörper verändert hat. Wir schauen uns die Kulturgeschichte der Brüste genauer an.

 Von Lara Croft über Zelda bis hin zu Mai Shiranui - ein Mashup der Videospielkultur.
Legende: Frauen in Videospielen Es gibt sie in allen Formen und Farben. Collage SRF Digital

  • 1. Die Anfänge

    Samus Aran, gilt – neben Ms. Pacman – als erste weibliche Hauptfigur in einem Videospiel. Vielen Spielern von «Metroid» war das aber gar nicht bewusst.

    Samus Aran: Die erste weibliche Hauptfigur in einem Game.
    Legende: Samus Aran: die erste weibliche Game-Hauptfigur. Collage SRF Digital
    • 1986: Samus hatte eine goldene Powerrüstung, Link öffnet in einem neuen Fenster, die sie für viele Spieler zum Roboter machte. Nur wer das Spiel besonders schnell spielte, sah Samus auch ohne Helm. Für alle, die noch schneller spielten, liess sie auch noch weitere Hüllen fallen... Für dieses Extra musste das sonst so familienfreundliche Unternehmen Nintendo damals viel Kritik einstecken.
    • 2010: Mittlerweile sind wir beim 11. Teil der Serie, Link öffnet in einem neuen Fenster angelangt. Hier erfährt man zum ersten Mal mehr über Samus' Charakter. Allerdings ist Samus jetzt so sexy wie nie zuvor. Dies liegt nicht nur an den Fortschritten der Technik, sondern auch an einer Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Team Ninja (mehr zum Team Ninja bei Punkt 8).
  • 2. Wir stellen vor: Mai Shiranui

    Mai Shiranui gilt als erste (spielbare) weibliche Figur in einem Prügelspiel. Ihren ersten Auftritt hatte sie 1992 in «Fatal Fury 2» – auch wenn ihre Figur ursprünglich ein männlicher Ninja hätte werden sollen.

    Mai Shiranui, die ersten spielbare weibliche Figur in einem Prügelspiel.
    Legende: Mai Shiranui, die ersten spielbare weibliche Figur in einem Prügelspiel. Collage SRF Digital
    • 1992: Die Entwickler wollten etwas Neues wagen und machten den männlichen Ninja Shiranui durch den neuen Vornamen Mai zur Frau. Eine Figur, Link öffnet in einem neuen Fenster, die das Zeug zur Ikone hatte!
    • 2003: Tatsächlich war und ist Mai als weiblicher Videospiel-Ninja sehr erfolgreich, wenn es darum geht, Muskelprotze zu vermöbeln.
    • 2012: Dass die Figur bis heute als Ikone, Link öffnet in einem neuen Fenster verehrt wird, liegt allerdings wohl weniger an ihrer Kampfkunst, als an zwei anderen handfesten Gründen...
  • 3. Sie muss man nicht vorstellen: Lara Croft

    Wenn wir gerade von Ikonen sprechen: Lara Croft ist wohl die bekannteste weibliche Kultfigur aus einem Videospiel.

    Lara Croft im Wandel der Zeit.
    Legende: Lara Croft galt über Jahrzehnte als das Sexsymbol der Spieleindustrie. Collage SRF Digital
    • 1994:Toby Gard, Link öffnet in einem neuen Fenster suchte nach einer Alternative für den gängigen männlichen Videospiel-Helden. Er fand es unpassend, einen muskulösen Supermann als Hauptfigur zu wählen, da seine Figur viele akrobatische Kletterübungen absolvieren sollte. So hat er Lara Croft erschaffen. Weil er mit der sexy Vermarktung seiner selbstbewussten Heldin nicht einverstanden war, verliess er kurz darauf das Unternehmen.
    • 2006: Mit dem Fortschritt der Technik, Link öffnet in einem neuen Fenster konnte auch Lara «optimiert» werden. Sie galt über Jahrzehnte als das Sexsymbol der Spieleindustrie.
    • 2013: Mit dem zehnten Teil, Link öffnet in einem neuen Fenster der Tomb-Raider-Serie wollte man weg vom Image der Sexbombe. Zum ersten Mal werden die Anfänge von Lara Croft beleuchtet. Man lernt sie im zarten Alter von 21 noch einmal neu kennen, als sie noch keine unsterbliche Superheldin ist, sondern eine unerfahrene Forscherin. Das Publikum honorierte diese neue Strategie mit 8,5 Millionen verkauften Exemplaren – der bisher erfolgreichste Teil der Serie.
  • 4. Games für alle!

    Auch wenn ob dem oben geschriebenen der Eindruck gerade entstanden sein könnte – nicht alle Videospiele zeigen Frauen in knappen Outfits und riesigen Brüsten. Damals wie heute ist im Videospielregal alles Mögliche zu finden!

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    Legende: geg Gegenbeispiele Collage SRF Digital

    Auch wenn Videospiele gerne die Superheldengeschichte vom muskelbepackten Wundermann und der sexy Wahnsinnsfrau erzählen, so gibt es doch genug Gegenbeispiele.

    In «Dishonored 2, Link öffnet in einem neuen Fenster» (2016) zum Beispiel dürfen wir entscheiden, ob wir als Emily oder Corvo spielen wollen. Jede Figur führt dann zu unterschiedlichen Geschichten und anderen Fähigkeiten. Es gibt auch viele starke weibliche Nebenrollen, die rein gar nichts mit den Frauen aus den Prügelspielen gemeinsam haben.

  • 5. History of Men

    Viele Spiele kommen (fast) ohne weibliche Charaktere aus. «Sexismus!» sagen die einen, «Historische Wahrheit!» sagen die anderen. Ein Beispiel wäre die «Assassin's Creed»-Reihe, welche die Geschichte von Assassinen und Templern erzählt. Zwei Geheimbünde, die – wie alle Geheimbünde – in erster Linie aus Männern bestanden.

    Frauenfiguren bei «Assassin's Creed».
    Legende: Bei «Assassin's Creed» gibt es kaum Frauenfiguren. Collage SRF Digital

    2007: «Die Geschichte der Amerikanischen Revolution ist eine Geschichte der Männer», hat der Kreativ-Direktor der Spielereihe von «Assassin's Creed» in einem Interview gesagt und dafür viel Kritik eingesteckt.

    2014: In «Assassin's Creed Unity» wurde mit Élise, Link öffnet in einem neuen Fenster eine weibliche Nebenfigur eingeflochten. Der Streit um Frauenfiguren war damit allerdings nicht zu Ende, sondern neu angefacht. Denn für den Co-op-Modus sollen ursprünglich weibliche Assassinen geplant gewesen sein. Allerdings tweetete Ubisoft, dieser Plan sei fallen gelassen worden, da der Zusatzaufwand für die weiblichen Animationen das Budget gesprengt hätten.

    2015: Im neusten «Assassin's Creed»-Teil scheint das Entwicklerstudio einen Kompromiss eingegangen , Link öffnet in einem neuen Fensterzu sein. Das Spiel erzählt drei Geschichten von zwei Assassinen und einer Assassinenfrau, die man zum ersten Mal selbst steuern kann.

  • 6. Immer diese Prügelspiele

    Mai Shiranui hat damals den Weg für andere Frauen in Prügelspielen geebnet. Sie hat aber auch einen Standard dafür gesetzt, wie Frauen in diesen Spielen auftreten.

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    Legende: Fighting Games Nicht alle wollen eine realistische Darstellung. Warum auch? Es sind ja Videospiele! Collage SRF Digital

    So gut wie alle Prügelspiele, angefangen von «Mortal Kombat», Link öffnet in einem neuen Fenster, über «Tekken», Link öffnet in einem neuen Fenster bis hin zu «Street Fighter»,, Link öffnet in einem neuen Fenster stellen ihre Kämpferinnen sehr ähnlich dar. Was Mai Shiranui 1992 vorgemacht hat, ist bis heute der allgemein akzeptierte und offenbar auch gewollte Standard in diesem Genre. So sind knappe und irrwitzige Kostüme ein Muss für jede gepflegte Pixel-Prügelei.

  • 7. Good Guy Nintendo

    Im Hause Nintendo hat man sich Familienfreundlichkeit ganz gross auf die Fahne geschrieben. Ein Konzept das – abgesehen von Samus Arans erstem Auftritt – durchgezogen wird. Da lässt man sich auch von den gängigen Standards in der Prügelspiel-Szene nicht beeindrucken.

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    Legende: Good Guy Nintendo Collage SRF Digital

    1999: Mit «Super Smash Bros., Link öffnet in einem neuen Fenster» hat Nintendo ein hauseigenes Prügelspiel, das beweist, dass sich prügeln auch ohne Riesenbrüste Freude bereitet. Zur Auswahl stehen die gängigen Nintendo-Charaktere.

    2012: Mit «Super Smash Bros.» für die Wii U und der 3DS konnte man zum ersten Mal auch etwas freizügigere Figuren, Link öffnet in einem neuen Fenster auswählen. Im Vergleich zu anderen Prügelspielen sind jedoch alle Nintendo Figuren angezogen wie die sprichwörtliche «Unschuld vom Lande».

    2017: Das gilt auch für das neuste Prügelspiel von Nintendo. In «Arms» prügelt man sich mit ausfahrbaren Armen oder bei der sehr figurbetonten Twintelle , Link öffnet in einem neuen Fenstermit den Haaren. Wobei auch sie regelrecht hochgeschlossen auftritt, wenn man bedenkt, dass wir hier von Prügelspielen sprechen.

  • 8. Mehr Prügelspiele, mehr Brüste...

    «Dead or Alive» ist ein weiteres Prügelspiel, das ab 1996 versuchte, die Herzen der Gamer mit knallharten Schlägereien und knappen Kostümen zu gewinnen.

    Normalerweise sieht man die Spieler immer von hinten - in Prügelspielen ist das anders, warum auch Brüste so wichtig sind.
    Legende: In den meisten Spielen sieht man seine Figur nur von hinten - in Prügelspielen ist das anders, warum auch Brüste wichtig sind. Collage SRF Digital
    • 1996: Das Spiel war ein Erfolg und half über die finanziellen Probleme des Unternehmens hinweg. Damit in Zukunft allerdings noch mehr Geld eingespielt werden konnte, liessen sich die Entwickler für die weiteren Teile etwas besonderes einfallen.
    • 2002: Für diese Geschichte müssen wir kurz zurück zu Mai Shiranui – ihre Brüste waren nicht nur sehr exponiert, sondern hatten auch eine gewisse Eigendynamik. Die exponierten Brüste waren bereits in «Dead or Alive» eingeflossen, für den zweiten Teil liessen sich die Entwickler ebenfalls von Mais bewegtem Busen animieren. Mit dem Resultat, dass die Brüste nun wackelten und wippten, Link öffnet in einem neuen Fenster.
    • 2012: Seither hat sich wenig verändert, Link öffnet in einem neuen Fenster. Lediglich die Kampfkostüme werden immer ausgefallener.
  • 9. Xtreme Beach Volleyball

    Nach drei Teilen von «Dead or Alive» liessen sich die Spieleentwickler rund um Team Ninja wieder etwas Neues einfallen: Wie wäre es, wenn die ohnehin knapp bekleideten weiblichen Spielfiguren noch weniger anhätten?

    Die grossbrüstigen Frauenvon «Xtreme Beach Volleyball».
    Legende: «Xtreme Beach Volleyball» Praller geht's nimmer: «Dead or Alive: Xtreme Beach Volleyball». Collage SRF Digital

    Gesagt, getan – und wo trägt man noch weniger am Leib als bei einer gepflegten Videospiel-Prügelei? Genau, am Strand! So wurde «Dead or Alive: Xtreme Beach Volleyball, Link öffnet in einem neuen Fenster», Link öffnet in einem neuen Fenstergeboren. Nicht alle freuten sich über das Spin-off, da sich viele Spieler nicht mit den sabbernden Nerds, Link öffnet in einem neuen Fenster, mit denen das Spiel beworben wurde, identifizieren konnten. Heute ist es der Höhepunkt der animierten Brüste – denn Team Ninja entwickelte «Independent Breast Physics», bei denen sich die Brüste der Spielfiguren unabhängig voneinander bewegen.

  • 10. Was nicht passt, wird passend gemacht

    Die meisten Spiele haben allerdings keine «Independent Breast Physics» und vernachlässigen auch sonst die sekundären Geschlechtsteile der Damenwelt. Doch PC-Spieler sind Bastler, und so macht sich einfach jeder seine Welt, wie sie ihm am besten gefällt.

    Ein Spiel das viele Jahre alt ist, aber dank der Modding-Community ständig ausgebaut wird.
    Legende: Ein Spiel das viele Jahre alt ist, aber dank der Modding-Community ständig ausgebaut wird. Collage SRF Digital

    Sogenannte Modder programmieren Erweiterungen oder eben Modifikationen («Mods») für bereits veröffentlichte Spiele. Diese Mods werden im Internet hoch- und runtergeladen, so dass jeder Spieler genau jene Zusatzdatei installieren kann, die für ihn wichtig ist. Manche modden sich ihren Traum-Ferrari ins Spiel, wieder andere ihre Traumfrau, Link öffnet in einem neuen Fenster.

  • 11. Ob Mann, ob Frau

    Ausserhalb des Prügelspiel Genres wird – auch auf Druck der Community – zunehmend Wert auf Genderbalance gelegt.

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    Legende: Die meisten Genre legen zunehmend Wert auf Genderbalance. Collage SRF Digital

    Im gerade erst erschienenen Spiel «Prey, Link öffnet in einem neuen Fenster» (2017) soll sich der Spieler aussuchen können, ob Morgan Yu weiblich oder männlich ist. Die Unterschiede sind dabei bewusst klein gehalten. Abgesehen davon, ob in seinem Apartment später eine Krawatte hängt, oder in ihrem Apartment eine Handtasche auf dem Tisch steht, bleibt die Bildsprache fast die gleiche.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Alfons Bauer (frustriert)
    Es fehlt Entity (1993): http://www.lemonamiga.com/?game_id=2074 sowie ein Haufen Strippoker- und andere pornografische Games.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Angeblich wollte Angelina Jolie die Rolle der Lara Croft in den Tomb-Raider-Filmen zunächst ablehnen, weil diese so hässlich sei! Na ja... Ich kenne die Computer-Spiel-Lara nur von den oben gezeigten drei Bildern; die 1996er Version kommt mir sehr künstlich vor, aber nicht hässlich; die andern beiden schon gar nicht. - Was mich bei Angelina Jolie in dieser Rolle am meisten fasziniert: Ihr spöttisches Lächeln.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Dass diese Frauenfiguren mit den üppigen Körper-Formen, das Frauenbild von Kindern und Jugendlichen prägt, muss nicht explizit erwähnt werden! Männer-Fantasien, welche solche "Frauenfiguren" entwerfen, denken prioritär an sich und ihre eigenen sexuellen Fantasien, aber in keinster Weise an: die Frauen, an Kinder und Jugendliche und deren Entwicklung! Das ist äusserst despektierlich, sexistisch und verantwortungslos!!
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    1. Antwort von Max Blatter (maxblatter)
      Weshalb sexistisch? Ich bin mir gar nicht sicher, ob wirklich nur Männer die Figuren entworfen haben. Und wenn? Was ist mit den männlichen Helden? Entsprechen ihre übermuskulösen Köprer nicht einem Männerbild, bei dem Frauen nur "an sich und ihre Fantasien denken"? Und so Männer wie mich diskriminieren, bei denen der Bauch eher die Form eines Fasses denn eines Sixpacks hat? Freuen wir uns daran, dass wir (unter anderem) sexuelle Wesen sind, und nehmen wir unrealistische Körper-Ideale mit Humor!
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