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Digital Wireless Charging: Noch kein Ende des Kabelsalats

Ein Smartphone ohne Kabelverbindung aufzladen, stellt heute keine technische Herausforderung mehr dar. Das Problem wurde gelöst – leider gleich zwei Mal: Zwei Lager konkurrenzieren sich nun. Das verzögert die Einführung von öffentlichen Ladestationen für Handys.

EinHandy lieg tauf einer flaschen Platte, dem Ladegerät. Keine Kabel.
Legende: Wireless Charger: Handy laden ohne Kabel. Hersteller

Die Idee geistert seit 180 Jahren herum: Energie-Übertragung durch die Luft. Viele berühmte Tüftler und Wissenschafter haben sich schon im 19. Jahrhundert damit beschäftigt. 1901 meldete schliesslich der Physiker Nikola Tesla, Link öffnet in einem neuen Fenster ein Patent zur Übertragung von Strom an. Das Patent bekam er; an der Umsetzung scheiterte er jedoch.

Aufladen in der Öffentlichkeit

Die Lösung heisst Induktion, Link öffnet in einem neuen Fenster: Die Übertragung von Strom mit Hilfe eines Magnetfeldes. Dieses Verfahren ist nicht neu, es wird seit langem schon zum kabellosen Laden von elektrischen Zahnbürtsen verwendet und nun auch bei Handy-Akkus. Es gibt bereits seit ein paar Jahren zwei Standards, in denen die technischen Details dazu definiert sind.

Hinter Qi , Link öffnet in einem neuen Fensterstecken in erster Linie die Smartphone-Hersteller (Samsung, Motorola, Nokia, Sony, LG u.a.), während sich um PMA , Link öffnet in einem neuen Fenstervor allem der Konsumgüter-Konzern Proctor und Gamble, der Batterie-Hersteller Duracell und seit kurzem auch die Kaffeehaus-Kette Starbucks scharen.

Die Smartphone-Tankstelle

Dass man das Gerät zum Laden nicht mehr einstecken muss, ist ein grosser Vorteil. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg: die Schaffung einer neuen Norm für den Ladevorgang. So wäre garantiert, dass jedes Smartphone-Model mit dem gleichen Ladegerät aufgetankt werden kann.

Denn kabellose Ladegeräte eignen sich gut als Smartphone-Tankstellen für die Öffentlichkeit. Auch das ist keine Zukunftsmusik mehr: Starbucks hat in Boston bereits damit begonnen, mehrere Filialen mit Ladegeräten auszurüsten, die in die Tischplatten eingebaut sind. Kunden können nun, während sie Kaffee trinken, ihr Handy aufladen, indem sie es auf den Tisch legen.

Kampf um die Norm

Kaffeetasse, Handy mit angeschlossenem Ring-Adapter, daneben ringförmige Adapter.
Legende: Adapter für PMA-Ladegerät: Da die meisten Handys nicht kompatibel sind mit dem Ladegerät, braucht es einen Ring-Adapter. PMA

Der Haken: Zurzeit passt kaum ein Smartphone zu den PMA-Ladegeräten, die Starbucks zur Verfügung stellt. Fast alle Handies, die sich drahtlos laden lassen, gehören zur Qi-Fraktion und sind entweder Android- oder Nokia-Geräte.

Dass Starbucks sich für den weniger verbreiteten Standard entschieden hat, gilt als Etappensieg für die PMA-Allianz. Dennoch herrscht zurzeit ein Patt zwischen den beiden Lagern. Ein Schwergewicht hat sich nämlich noch auf keine der beiden Seiten gestellt: Apple unterstützt weder die PMA- noch die Qi-Norm, ein iPhone lässt sich nur mit einem Kabel laden.

Apple wird mit seiner Wahl den Ausgang des Rennens entscheidend beeinflussen. Setzt der Konzern aus Cupertino auf eine eigene Norm, so wird die Ungewissheit noch länger andauern. Fällt die Entscheidung zu Gunsten einer der bestehenden Normen aus, so hat diese gute Chancen sich durchzusetzen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Bähler, Zuzwil
    Sinnvoll oder nicht? In neuen Autos (z.B. Lexus NX) wird dies auch verbaut. Daher entfällt immerhin der lästige Kabelsalat ;-)
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  • Kommentar von M.Meier, Lenzburg
    Hier sieht man ganz deutlich wie unsere Zukunft aussehen wird! Es wird einfach eine Meldung eines Produkteherstellers ein bisschen umgeschrieben+voila hat man einen neuen Artikel Online gestellt! Dazu braucht es keinen ausgebildeten Journalisten, da langt eine Hilfskraft! So läuft das ab, auch bei SRG. Wer's nicht glaubt googelt sonst nach Ombutsmann-FIFA WM.. Eigentlich sollte ja dieser Hinweis, den Gabriele Nabil L'Eplattenier geschrieben hat schon im Artikel drin stehen und nicht erst später
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  • Kommentar von Gabriele Nabil L'Eplattenier, Ursenbach
    Einen Haken gibt es bei dieser Übertragungstechnologie, von wegen keine technische Herausforderung! Der Wirkungsgrad dieser Technologie ist zum heulen und sollte in Zeiten der "Energiewende" verboten werden. Der Stromverbrauch erhöht sich um ca. 60% pro Handyladung und das ganze auf Grund der Bequemlichkeit. In der CH sind heute 4,3 Mio. Smartphones im Einsatz, würden man diese alle 2 Tage mit Induktion laden wäre das so ca. um die 21'000 kW alle 2 Tage die einfach so im "nichts" verpuffen.
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    1. Antwort von Jakob, Harzenmoser
      Ich stimme Frau Nabil L'Eplattenier vollständig zu, möchte aber noch ergänzen, dass ein grosser Teil der Verluste abgestrahlt wird. Normalerweise ist Elektrosmog verpönt und wird heftig abgelehnt. Aber wenn es um Bequemlichkeit geht... Die Zahnbürste ist die einzige intelligente Anwendung: Man spart im feuchten Badezimmer zwei korrosionsanfällige Kleinspannungskontakte und die günstige Geometrie mit dem Zapfen ermöglicht einen guten Wirkungsgrad. Aber die Matten sind wirklich keine gute Idee.
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    2. Antwort von Peter Buchmann
      Sie haben natürlich absolut Recht: Energie-Effizienz ist ein wichtiges Thema, gerade weil so viele Geräte im Umlauf sind. Dass mit Wireless Charging 60 Prozent mehr Strohm benötigt wird als mit herkömmlichen Ladegeräten, ist aber übertrieben. Durch die Induktion geht zwar Energie verloren, aber eher in der Grössenordnung von 20 Prozent. Dazu können kabellose Ladegeräte diesen Verlust teilweise dadurch wieder wettmachen, dass die Batterie mit der Ladestation kommunizieren kann und nur so viel Strohm anfordert, wie sie braucht.
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