«Mountain»: Meditiere mit deinem Berg

Dieses «Spiel» verwirrt, weil es nichts zu tun gibt. Ausser einem freischwebenden Berg zuzuschauen. Dennoch kletterte es kurz an die Spitze der App-Store-Rangliste. «Mountain» ist ein kurioses Werk und perfekt für diese Rubrik: «Ziit vertuble» mit einem Berg.

Der Berg dreht sich.

Bildlegende: Oh! Bananen! Screenshot

YOU ARE MOUNTAIN

YOU ARE GOD

Sagt das Spiel zu Beginn und zeigt uns dann unseren Berg.

Dein Berg ist nicht wie mein Berg.

Mein Berg hat einen Zylinder, einen Stuhl, eine Filmrolle, einen Verkehrsleitkegel, eine blau leuchtende Kugel und seit kurzem ein Büschel Bananen.

Dein Berg ist leicht anders.

THERE IS NOTHING TO DO

Bildlegende: So ist das. Screenshot

Mein Berg dreht sich langsam und sagt:

HOW DID I GET HERE?

WHERE AM I GOING?

I SHOULD STOP THINKING ABOUT MYSELF

I SEE NO DIFFERENCE BETWEEN ME AND THIS ENIGMATIC NIGHT

THERE IS NOTHING TO DO

Nichts können wir tun mit dem Berg. Behauptet auch das Optionen-Menu. Was ein bisschen geflunkert ist: Wir können die Kamera leicht schwenken und zoomen. Oder auf der Tastatur eine Melodie klimpern.

Mehr nicht. Also dem Berg zuschauen. Meditieren.

«Mountain» ist von David OReilly, der auch das fiktive Game im Film «Her» gestaltet hat. Anlässlich der Vorstellung von «Mountain» im «Museum of Contemporary Art» in Los Angeles sagte OReilly:

«  Mountain is a mountain simulator. You play as a mountain, and you get to do all of the things that a mountain does. I'm sure that fulfills all of your darkest and most disgusting fantasies. »
Der weisse Berg.

Bildlegende: Es schneit im Morgenlicht. Screenshot

Was macht der Berg? Warum macht der Berg, was er macht? Reagiert oder agiert er? Weiss er von uns? Spricht er mit uns oder mit sich selbst?

Der bekannte Game-Designer Raph Koster («Ultima Online») definiert «Interaktion» als eine Brücke zwischen dem inneren Leben der Spieler und dem inneren Leben des Spiels. Der Berg hat ein inneres Leben, er funktioniert irgendwie nach gewissen Regeln. Er sendet uns ab und zu auch entsprechende Signale.

Zwar sind sie kaum verständlich, der Berg kann es nicht besser, will uns nicht alles mundgerecht verfüttern. Doch wir nehmen die Signale wahr. Es gibt also eine Brücke zwischen uns und dem Berg.

Die eigentliche Herausforderung dieses Spiels ist deshalb eine der Empathie: Willst du dich bemühen, den Berg zu verstehen?

Es regnet auf meinen Berg. In der dunklen Nacht flackern Glühwürmchen auf den Tannen. Mein Berg dreht sich.

Dann fragt er:

IF I EVER SEE ANOTHER THING LIKE ME, WILL IT LIKE ME?

«Mountain» ist für PC, Mac und Linux zum Download hier, oder für iOS.