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Highlights Dia-Show: Die schrägen Vögel vom Open Air

Sie tragen Wikingerhelme und stinken mit Stolz vor sich hin. Sie singen hundsmiserabel, aber laut. Die schrägen Vögel vom St.Galler Open Air Publikum. Ein Portrait in Dia-Bildern.

Auch Wikinger mögen Musik unter freiem Himmel: Open Air Besucher Mik aus Lenggenwil, SG.
Legende: Auch Wikinger mögen Musik unter freiem Himmel: Open Air Besucher Mik aus Lenggenwil, SG. SRF 3/ Claudia Herzog

Das Gelände ist mit Stroh ausgestreut wie ein Meerschweinchen-Stall. Prophylaxe im Hinblick auf tiefes Geläuf nach Regenfällen. Im Stroh liegen drei Dinge: Verschollene Zelt-Heringe, leere PET-Bierflaschen und schlafende Betrunkene.
Mit etwas Pech wachen sie mit einem Sonnenbrand auf. Mit viel Pech steht nach dem alkoholbedingten Erschöpfungs-Nickerchen das Wort Pimmel auf ihrer Stirn. Mit wasserfestem Filzstift. Und die Freunde lachen sich scheckig. Das ist das St.Galler Open Air-Publikum, wie es singt und lacht.

Vögel pfeifen, Nachbarn furzen

Wer sich nun bange fragt «Sind alle so?», dem sei beschieden: Natürlich nicht. Heterogen ist das Volk, das im St.Galler Sittertobel die Zelte aufgeschlagen hat. Eine kleine Auswahl: Da ist die Zürcher Studentin Dominique (22), die nicht nur trittsicher durch die Zelt-Agglomeration des Open Air federt, sondern gleichzeitig auch noch mit Puderquaste ihr Make-Up auf Vordermann bringt.

Sie will das Open Air geniessen und nicht im Delirium versinken lassen. Mik (26) aus dem St.Gallischen Lenggenwil hingegen trägt Wikingerhelm und Vollrausch, beides mit Fassung. Hans-Martin aus dem Bündnerischen Schiers schwärmt über die magische Open Air Stimmung früh morgens im Zelt.

Gute Laune und Filmriss

Dann hört man die Vögel zwitschern und den Zelt-Nachbar furzen. Aber nicht nur fürs Ohr, auch für die Nase gibt's an so einem Open Air Special Effects. «Open Air ist, wenn es nach Dreck riecht. Man darf ruhig ein bisschen stinken», resümiert Michèle (22) aus Flawil. Und Livio (25) schliesslich, ein Mann mit schulterlangem lockigen Haar, stellt sich als «Jesus vom Züri Oberland» vor.

Er philosophiert: «Etwas eint das ganze Publikum: alle wollen aus dem Alltag ausbrechen.» Festzuhalten bleibt: Nicht allen gelingt das gleich gut. Die einen nehmen gute Open Air Laune in die neue Woche mit. Die anderen einen Filmriss und Kopfweh à discrétion. Wenn man sie fragt, haben beide Spass gehabt.