Heitere Open Air: Hoch hinaus im heimeligen Aargau

Eine grosse Familie ist das heimelige Heitere Open Air. Und dazu ist der Unterhaltungsfaktor hoch. Kreative Zelte sind zu bestaunen, dank einem Riesenrad gibt es das Festival auch aus der Vogelperspektive zu sehen und das breite Musikprogramm hat für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Tina Nägeli auf dem Riesenrad am Heitere Open Air.

Bildlegende: Tina Nägeli auf dem Riesenrad am Heitere Open Air. SRF 3

Heitere, du schönes Ding! An welchem anderen Open Air kann man schon zwischen Lindenbäumen Live-Musik geniessen, Riesenrad fahren oder 3-stöckige Türme bauen?

Dementsprechend ist die Festival-Crowd ausgelassen, entspannt und spürbar zufrieden. «Hier sind wir alle eine grosse Familie», hat mir eine Festivalbesucherin erklärt. Für mich war es das erste Heitere Open Air - und ich habe mich auf Anhieb sehr wohl gefühlt in Zofingen. Hier mein Fazit zum Heitere 2016:

Festivalstyle

«Grün entspannt das Auge», pflegte meine Grossmutter früher zu sagen. Und am Heitere Open Air gibt es genug Grün auf die Augen. Die vielen Linden auf dem Gelände sehen nicht nur schön aus - sie sind auch praktische Schattenspender. Die Aussicht auf Zofingen und ins Luzernische kann sich ebenfalls sehen lassen.

Und als ob es nicht schon genug schön wäre hier, ziert auch noch ein Riesenrad die Heitere-Kulisse. Das sieht besonders in der Nacht, wenn die bunten Riesenrad-Lämpchen leuchten, fantastisch aus. Ein allgemein gültiges Gestaltungskonzept ist mir hier nicht aufgefallen; ich habe ein solches aber auch nicht vermisst. Das Heitere Open Air profitiert von der natürlichen Beschaffenheit des Geländes. Ein lauschiger Ort, an dem man sich bestimmt auch ohne Festival gerne aufhält.

Tina Nägeli

Bildlegende: Lauschiges Plätzchen: Tina Nägeli an einer Festbank vor der Hauptbühne. SRF 3

Publikum

Das Publikum kommt primär aus dem Aargau und den angrenzenden Kantonen. Vom Baby bis zum rüstigen Rentner – das Heitere Open Air zieht Besucher jeden Alters an.

Besonders aufgefallen ist mir die Kreativität der Festivalgänger auf dem Zeltplatz. Nirgends sonst habe ich derart grosse und liebevoll gestaltete Behausungen entdeckt, wie hier in Zofingen. Vom drei Meter hohen Holzturm über riesige Partyzelte mit integrierter Bar oder selbst gefertigten Schwingtüren wie in einem Western-Saloon – das Heitere-Publikum hat mir mit seinem Gestaltungswillen auf dem Zeltplatz Eindruck gemacht. Die Stimmung auf dem Gelände ist friedlich und sehr entspannt.

Line-Up und Show

Wer diesen Sommer - wie ich - schon ein paar Festivals besucht hat, der muss sich hier in Zofingen mit ein paar Wiederholungen arrangieren. Wanda, 77 Bombay Street und Bastian Baker habe ich diesen Sommer bereits mehrfach gesehen. So auch Sido, Fritz Kalkbrenner, Rudimental oder Fettes Brot. Klar, dass ich das Heitere-Line Up deshalb nicht als schampar innovativ einstufe.

Wer diesen Sommer aber keine anderen Festivals besucht hat, kann sich über das Programm nicht beklagen. Im Gegenteil: Für ein verhältnismässig kleines Festival hat sich das Heitere Open Air nicht lumpen lassen und bietet seinem Publikum ein breites Spektrum aus verschiedenen Genres. Rock, Hip-Hop, Soul, Electronica, Reggae und Pop: Auf dem Heitere hatte es von allem etwas.

Ich habe mich besonders über die Auftritte von Skunk Anansie, Soulfee Joss Stone und Chartstürmer Álvaro Soler gefreut. Ausserdem haben die Zofinger Bligg eingeladen - einer der wenigen Schweizer Acts, dem ich bis jetzt an keinem anderen Festival über den Weg gelaufen bin.

Komfort und Rahmenprogramm

Wer hier eine Konzertpause einlegen möchte, kann sich die Zeit problemlos anderweitig vertreiben. Ein paar Runden mit dem Riesenrad drehen und für einmal von oben auf’s Festivalgelände schauen. Auf dem Trampolin Energie loswerden. Sich ein Tattoo stechen lassen. Am Heitere Open Air ist alles möglich. Gegen den Hunger gibt es hier, was es an den meisten anderen Festivals auch gibt; keine kulinarischen Highlights – aber auch nichts, an dem ich was auszusetzen hätte.

Besonders positiv aufgefallen ist mir die Bewegungsfreiheit, die man als Festivalgänger hier geniesst. Bei Headliner-Konzerten fühlt man sich hier in Zofingen nicht wie eine Sardine in der Dose, im Gegenteil. Und das ist kein Zufall. Der Heitere-Chef Christoph Bill erklärt: «Das Publikum soll sich auf dem Gelände frei bewegen können, das ist uns sehr wichtig. Deshalb schöpfen wir die Platzkapazität auch nicht voll aus.» Oder anders gesagt: Das Wohlbefinden der Besucherschaft ist hier wichtiger, als der Umsatz. Denn mehr Publikum bringt mehr Kohle. Dass dieser Fakt hier nicht ausgenützt wird, ist nicht selbstverständlich. Sehr sympathisch!

Danke, Heitere Open Air. Ich komme wieder.

SRF 3-Festivalaward

Zum zweiten Mal vergibt SRF 3 den Festivalaward. Tina Nägeli reist von Festival zu Festival und entscheidet Ende Sommer zusammen mit einer Jury, wer diesen Sommer den Award verdient hat.

Alles zum SRF 3-Festivalaward