Medaillen-Nuller kein Problem

Minim sind die Schweizer Medaillen-Erwartungen an der Ski-WM in Schladming. Ein Medaillen-Nuller aber wäre kein Weltuntergang. Das gab es auch 2005 in Bormio. Danach ging es aufwärts.

Zu sehen ist Skifahrer Bruno Kernen in Jeans und Jacket. Er steht vor einem Plakat. Darauf sind zwei vom Aussterben bedrohte Tierarten zu sehen. Zudem eine Zeichnung einer Schweizer Skifahrerin, die zuoberst auf dem Podest steht. Dazu der Schriftzug: Retten Sie auch den Schweizer Skistar vor dem Aussterben.

Bildlegende: Retten Sie auch den Schweizer Skistar vor dem Aussterben. Ski-WM 2005 in Bormio: null Medaillen. Skifahrer Bruno Kernen beweist aber Humor. Keystone

Zu schreiben, die Schweizer Medaillen-Hoffnungen sind dieses Mal bescheiden, ist wohl die Untertreibung des Jahres. Vielmehr ist es doch so: Gewinnt die Schweiz auch nur eine einzige Medaille, herrscht so viel Feierbedarf, dass Schladming gleich eine Champagner-Pipeline in die Champagne verlegen kann.

Anders gesagt: Kehrte die Schweiz ohne Medaille von der Ski-WM in Schladming heim, dann wäre das keine Überraschung. Die gute Nachricht: Die Medaillen-Null-Nummer kennen wir bereits. Ein erstes Mal gab es sie 1966 in Chile zu bejammern und zuletzt 2005 in Bormio.

«Die Deppen der Nation»

Da blieb die Schweizer Nationalhymne ungespielt und die Schweizer Flaggen müffelten ungelüftet im Rucksack eines Funktionärs vor sich hin. Das Heulen und Zähneklappern in den Medien war gross. Von einem «Ärgernis» schrieb die Berner Zeitung und die Neue Luzerner Zeitung von einem «Absturz».

Die Basler Zeitung schliesslich fragte bang: «Ist die Schweiz noch eine Ski-Nation?» Ski-Fahrer Bruno Kernen schlussfolgerte nach seinem Platz 5 in der WM-Abfahrt: «Wir Skifahrer sind die Deppen der Nation.» Was tun? Ski-Legende Bernhard Russi wusste die Antwort.

Stemmbogen vor Stöckli-Rechnung

Als Sofortmassnahme forderte er eine Volksabstimmung, um aus unseren Kindern wieder Ski-Helden zu formen. Die Stossrichtung: Schussfahrt und Stemmbogen zuerst! Stöckli-Rechnung und Schnürlischrift erst an zweiter Stelle. - Soweit kam es dann doch nicht.

Trotzdem war die berüchtigte Talsohle mit diesem Medaillen-Nuller durchschritten. Schon zwei Jahre später, 2007 in Schweden, durften sich die Stimmen der Sportreporter wieder vor Begeisterung überschlagen. Die Schweizer kehrten mit 6 WM-Medaillen heim.

Medaillen-Schwemme wird kommen

Die Geschichte lehrt uns: Triste Ski-Zeiten gehen vorbei. Es werden wieder goldene Zeiten kommen. Es muss ja nicht gleich wie an der Ski-WM 1987 in Crans-Montana sein: Pirmin Zurbriggen! Erika Hess! Peter Müller! Vreni Schneider! Maria Walliser! 14 Medaillen total!

So richtig geniessen lässt sich eine solche Schwemme an Gold, Silber und Bronze aber nur, wenn es zuvor auch magere Zeiten gegeben hat. Was uns zur Konklusion führt: Die Schweizer Athleten werden in Schladming den Grundstein legen, dass wir künftige Schweizer Ski-Triumphe umso mehr geniessen können.

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Ski-WM in Bormio: Ratloser Bruno Kernen

0:51 min, aus sportaktuell vom 5.2.2005