Musik-Specials: Best of 2015

Das Jahr neigt sich bereits wieder dem Ende zu. Zeit, zurückzublicken: Wie klingt der Jahrgang 2015? Vom 30. November bis 6. Dezember stellen euch unsere Specials-Macher von SRF 1 und SRF 3 ihre Lieblings-Alben des Jahres vor. Perlen, die in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen dürfen!

«Sounds!»: Läuft Montag bis Freitag von 22 Uhr bis Mitternacht auf SRF 3

Matthias Erb ist die Stimme von Sounds!.

Bildlegende: Matthias Erb ist die Stimme von «Sounds!». SRF

Howlong Wolf «Where Do We Go From Here?»: Das überraschende Comeback-Album von Ex-Admiral James T. aus Winterthur. 12 Popsongs aus einem Guss. Mit einfachem Analog-Equipment aufgenommen. Warmer, handgemachter Retrosound.

The Drink «Company»: Ein Newcomer Trio aus London mit Bass-Gitarre-Schlagzeug. Die Songs bewegen sich zwischen Folk und Avantgarde, sind komplex und handwerklich sorgfältig arrangiert, klingen aber trotzdem leichtfüssig und unangestrengt.

LoneLady «Hinterland»: Julie Ann Campbell aka Lonelady überzeugt mit ihrem zweiten Album mit düsterem Eighties Funksound. Auf den Spuren von englischen Post Punk Bands wie Joy Division oder Gang of Four singt die Musikerin aus Manchester über Zerfall und Einsamkeit.

«Reggae Special»: Gibts immer Dienstags von 20 bis 22 Uhr auf SRF 3

Lukas Wyniger unser Fachmann in Sachen Reggae.

Bildlegende: Lukas Wyniger ist unser Fachmann in Sachen Reggae. SRF

Protoje «Ancient Future»: Ein Album ohne Hänger und mit dem grössten Reggae-Hit der letzten Jahre: «Who Knows». Protoje führt zusammen mit Chronixx eine junge Generation von Roots-Reggae Künstlern zum «Reggae Revival» – der Rückkehr des ursprünglichen Reggaes in Jamaika selbst.

Richie Campbell «In The 876»: In Portugal füllt er die grossen Hallen, sonst kennt man ihn nur in der Szene – wobei sich das mit Richies Album «In The 876» ein wenig geändert haben könnte. Für die Aufnahmen ist der Ausnahmesänger nach Jamaika gereist und hat sich dort mit den besten Musikern umgeben. Das Resultat ist ein europäisches Reggae-Album, welches besser klingt als so manche Platte aus Jamaika oder England. Modern-Roots aus Lissabon mit dem Hit «Best Friend».

Macka B «Never Played A 45»: Er ist ein alter Haudegen der englischen Reggae-Szene und lebt in Wolverhampton in der Nähe von Birmingham. Den grossen Durchbruch könnte er auf seine alten Tage hin mit seinem Album «Never Played A 45» noch erleben. Die aus den 70er Jahren neu aufgelegten Instrumentalversionen passen perfekt zum Wortwitz von Macka B. Ein überraschend grosser Wurf, den man so nicht erwarten durfte. Retro Roots aus England mit einem Augenzwinkern.

«Rock Special»: Mittwochs von 20 bis 22 Uhr sind auf SRF 3 Stromgitarren angesagt

Dominic Dillier moderiert den Rock Special.

Bildlegende: Dominic Dillier moderiert den «Rock Special». SRF

Desaparecidos «Payola»: Eigentlich komisch, dass es einen Folk-Musiker braucht, der sein Geld sonst eher mit gesäuseltem Gesang und Electronica verdient, um die beste Punk-Platte des Jahres zu machen. Bright Eyes-Kopf Conor Oberst und seine heimliche Liebe für verzerrte Gitarren.

Motörhead «Bad Magic»: Mit neuem Herzschrittmacher und ein bisschen wacklig auf den Beinen zeigte sich Lemmy im Jahr 2015 auf den Bühnen der Welt. Seine Band jedoch kracht in alt bekannter Qualität auf dem 22. (!) Motörhead Album «Bad Magic».

Faith No More «Sol Invictus»: Für ihr Comback-Album «Sol Invictus» haben sich die Crossover Pioniere Faith No More 18 Jahre Zeit gelassen - und klingen als wären sie nie weg gewesen.

«World Music Special»: Donnerstags von 20 bis 22 Uhr mit SRF 3 musikalisch um die Welt

Rahel Giger moderiert den World Music Special.

Bildlegende: Rahel Giger moderiert den «World Music Special». SRF

Shantel «Viva Diaspora»: Auf Shantel haben wir viel zu lange warten müssen. Dabei wurden wir schon im Frühling von seinem Balkan-Pop angefixt. Als wir dann erfahren mussten, dass wir bis im Herbst nur von seiner Single zehren müssen, weinte ich bittere Tränen. Umso grösser die Party, als ich das Album «Viva Diaspora» endlich in den Händen hielt. Wir lassen es nicht mehr los.

Julieta Venegas «Algo Sucede»: Julieta Venegas - welch treue Seele. Wir umarmen jedes ihrer neuen Alben aus vollem Herzen. Die mexikanische Sängerin hat sich mit ihrem siebten Studio-Album «Algo sucede» zurück gemeldet. Eine Zusammenfassung aus alldem, was sie in 20 Jahren erschaffen hat. Ein Must-have für Venegas- und Latino-Fans.

Inna Modja «Motel Bamako»: Mut, Tiefgang, Selbstbewusstsein. Eine wohltuende Verschmelzung von Tradition und modernstem Pop. Unsere Entdeckung: Inna Modja aus Mali. Sie hat sich gemausert. Vom geschliffen-harmlosen Popsternchen mit Sommer-Hit in Frankreich zur Stimme gegen Terror und die Unterdrückung der Frauen. Sie singt jetzt in ihrer Muttersprache «Bambara», erzählt endlich Geschichten und kämpft gegen die Beschneidung der Mädchen.

«Black Music Special»: Immer Freitags von 20 bis 22 Uhr auf SRF 3

Sascha Rossier Moderator des Blackmusic-Special.

Bildlegende: Sascha Rossier Moderator des «Black Music Specials». SRF

Georgia Anne Muldrow «A Thoughtiverse Unmarred»: «Sie ist unglaublich! Sie ist wie eine Religion! Ich habe noch nie eine menschliches Wesen gehört, das so singt!» schwärmt Kult-Rapper Mos Def über das Multitalent Georgia Anne Muldrow. Zurecht: Ihr neues Album «A Thoughtiverse Unmarred» ist eine musikalische Offenbarung; wie ein warmes Bad nach einer Woche FKK-Ferien am Nordpol. Geschmeidige Beats treffen auf tiefsinnige Texte, mal gesungen, mal geflüstert, mal gerappt, mal gesummt - oder wie es Rapper Mos Def weiter formuliert: «Wer Amy Winehouse, Roberta Flack, Nina Simone und Ella Fitzgerald liebt, der wird von Georgia Anne Muldrow weggeblasen!».

Monophonics «Sound of Sinning»: Wie eine riesige Dunstwolke zwischen Hippie-Sound und der Musik aus frühen Edgar Wallace-Filmen benebeln uns die Songs der 6-köpfigen Band mit einer ganz eigenwilligen Klang-Mischung. Der einzige Grund, dass man sich in dieser hochemotionalen Zwischenwelt nicht verirrt, sind die wunderbar rumpligen Drumsounds und treibenden Bassläufe. Übersetzt bedeutet der Albumtitel ja «Der Klang der Sünde»; absolut treffend: Die Scheibe ist so verführerisch gut, dass man sie schon fast auf die Liste der verbotenen Betäubungsmittel setzen müsste.

Moskito «Maxilla»: Das beste CH-Rap Album aller Zeiten? Aber sicher doch! Auf jeden Fall so lange, bis das Luzerner Rap-Trio von einem anderen grossen Album vom Thron gestossen wird. Bis dann regieren Flew, Luzi und Little Miss Sunshine mit dicksten Elektro-Beats und scharf getexteten Beobachtungen einer vernetzten, digitalen mitunter pervertierten Welt. Ihre Debut-Scheibe «Maxilla» «zerfickt alles, was nicht spätestens nach dem Intro in einem Bunker verwahrt ist», wie ein begeisterter Rap-Fan nach einem Konzert im März in Richtung Bühne schrie. Und dieser Rap-Fan hat Recht.

«Swissmade»: Musik aus der Schweiz gibts auf SRF 1 jeweils am Freitag von 21 bis 22 Uhr

Joschi Kühne moderiert Swissmade.

Bildlegende: Joschi Kühne moderiert «Swissmade». SRF

Sina «Tiger & Reh»: 12 Songs auf Sinas 11. Album sind nicht einfach 12 Lieder, sondern 12 Geschichten aus dem Alltag – oder zwölfmal das Leben. Wer gut zuhört, lernt sie besser kennen, wie sie selber sagt. Es ist ein vielfältiges Album geworden und zeigt Sina vor allem textlich in Höchstform.

Michael von der Heide «Bellevue»: Fast 20 Jahre nach seinem ersten Album kam mit «Bellevue» sein 10. Album auf den Markt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ein bekannter Musiker wie er es ganz ohne Plattenfirma im Rücken veröffentlicht hat. Michael von der Heide beweist auf seinem 10. Album sein grosses Talent. Ob in deutscher Sprache, in Mundart oder in französischer Sprache, ob Pop, Schlager, jazzig angehaucht oder für die Tanzfläche - der Mann beherrscht sein Metier.

Patent Ochsner «Finito lavoro»: Das letzte Ochsner-Album der Trilogie von «The Rimini Flashdown». Das Album lebt von einer grossen Spielfreude und grosser Lust am Wort. 16 neue Titel, ein aufwendig gestaltetes Booklet mit allen Songtexten. Und textlich kann sich Büne Huber auch nach 25 Jahren noch empören. Nachzuhören im Song «Raubtier», wo er über Abzocker herfällt.

«CH-Special»: Jeden Samstag von 20 Uhr bis Mitternacht auf SRF 3

Len Sander «Phantom Garden»: Ein fantastisches, spannendes und stimmungsvolles Debut mit einer tollen Sängerin. Und was diese Zürcher Band auf Live-Bühnen zaubert, ist schlicht etwas vom bezauberndsten und eigenständigsten in der aktuellen Schweizer Musiklandschaft.

Verena von Horsten «Alien Angel Super Death»: Mutiger, direkter und unbequemer war in diesem Jahr kein Schweizer Musikschaffender. Die Zürcherin hat ein bewegendes, sperriges Meisterwerk zwischen Rock, Pop und dunkler Elektronik geschaffen.

Huck Finn «Before You Begin»: Die beste Schweizer Pop-Platte des Jahres ist zeitgleich auch die perfekte Sommerplatte. Wer zu Songs wie «We Ain’t Worried» oder «Tranquelizer» nicht tanzt – der findet wohl auch lachende Kinder und Katzenbabys doof. Durchgehend sackstarke Songs der Luzerner, welche das Tanzbein wie auch die grossen Gefühle bedienen.

«Country Special»: Gibts jeweils am Sonntag zum Abschluss der Woche von 20 bis 22 Uhr auf SRF 1

Christoph Schwegler Moderator des Country-Special.

Bildlegende: Christoph Schwegler Moderator des «Country Specials». SRF

Don Henley «Cass County»: Als Mitglied der Eagles platziert man Don Henley fast automatisch ins dekadente «Hotel California». Doch jetzt erdet er sich mit 68 und längst geläutert in der bodenständigen Country-Erde seiner Jugend im texanischen «Cass County». Sein erstes Solo-Album seit 15 Jahren ist aber kein Nostalgie-Trip, sondern eine gelungene Mischung von überraschenden Covers und engagierten neuen Eigenkompositionen – allen voran sein Klimawandel-Mahnruf «Praying for rain». Extra Bonus-Punkte gibt‘s für die Gäste: Dolly Parton, Merle Haggard, Mick Jagger etc.

Sam Outlaw «Angeleno»: Sam Morgan war mit 30 ein frustrierter Werber in Los Angeles – so elend, dass er mit dem Familiennamen seiner Mutter als Sam Outlaw auf den Traum einer brotlosen Grossstadt-Countrykarriere setzte. Der erste Meilenstein ist gesetzt: Das Vater-Sohn-Team Ry & Joachim Cooder setzte Outlaws Songs schlicht grossartig in Szene. Mit Country-Hochglanz und glühenden Mariachi-Trompeten machen sie den melancholischen Cowboy unter der elektrisch aufgeladenen Dunstglocke der Mega-City zum unwiderstehlichen Protagonisten.

Kacey Musgraves «Pageant Material»: Ein US-Countryradio-Berater riet kürzlich: je weniger Frauenstimmen desto besser die Einschaltquoten. Die Country-Ladies schrien auf. Zu Recht. So sind es eben gerade Nashvilles Frauen, die in ihren Songs das Leben in all seinen Facetten abbilden und kommentieren. Kaum eine macht dies zurzeit mit mehr Witz, Charme und Stil als die 27-jährige Kacey Musgraves: Miss-Wahlen, Familiengeschichten, Kleinstadt-Gezänk, Selbstbestimmung und natürlich die Liebe. Mit Liebe zu ganz traditionellen Country-Sounds. Und mit einem «hidden track» mit Willie Nelson.

dd