Diagnose Borderline - «Die Chili-Schote kann helfen»

Borderline-Patienten, wie die 33jährigen Hausfrau Petra*, fügen sich oft selbst Verletzungen zu. Nach der Therapie weiss sie: der stachelige Igel-Ball kann helfen innere Spannungen abzubauen.

«Wenn jemand die Schnitte an meinem Arm sieht, schäme ich mich.»

Bildlegende: «Wenn jemand die Schnitte an meinem Arm sieht, schäme ich mich.» Colourbox

Petra ist ein Dampfkochtopf mit defektem Ventil. Wenn ihr die Milch überkocht, steigt ihre innere Spannung. Ebenso wenn sie später den Bus verpasst. Oder wenn ihre beiden Kinder sich streiten. Das Problem: Die innere Spannung baut sich zu langsam wieder ab.

«Irgendwann verjagt es einen fast.» Früher waren das die Situationen, in denen sich Petra selbst Schnittverletzungen zugefügt hat und diese Verletzungen gleich versteckt hat - unter langärmligen Blusen, Armbändern oder einer Armbanduhr.

Erleichterung und Schock

«Sieht es doch einmal jemand und fragt: was hast du da? – dann schäme ich mich.» 2009 beschliesst Petra Hilfe in der psychiatrischen Klinik zu suchen. «Den Kindern zuliebe. Weil es doch nichts bringt, wenn ich den ganzen Tag weine und mich auch noch schneide.»

Ihre Diagnose ist zunächst eine Erleichterung. Borderline und eine Depression. Endlich hat das Leiden einen Namen. Später weicht die Erleichterung dem Schock. Die Erkenntnis sickert durch: damit muss sie nun leben.

Chili-Chote und saurer Kaugummi

Und dieses Leben sieht derzeit so aus, dass Petra versucht, den Alltag mit ihren beiden Kindern in den Griff zu bekommen. Das geht ganz gut. Sie weiss: Es gibt Kniffe, um übergrosse Spannungen abzubauen. Bei manchen hilft der Biss in eine Chili-Chote oder in einen extrem sauren Kaugummi.

Oder dann nimmt Petra den stacheligen Igel-Ball zur Hand und drückt ihn fest. Zurzeit geht es ihr relativ gut. Ihr Notfalltäschli mit dem Igel-Ball hat sie auch schon zu Hause vergessen - ohne Folgen.

*Name geändert