Lady Gaga ganz nackt!

Weg mit dem unnahbaren Kunstobjekt-Image! Lady Gaga hat mit ihrem neuen Album «Joanne» ein klares Ziel: Mehr Natürlichkeit, mehr Menschlichkeit, weniger Plastik. Ob sie das erreicht hat? Hier gibt es die Antwort!

Weg mit der Kunstfigur Lady Gaga - und her mit Stefani Joanne Angelina Germanotta, so der bürgerliche Name des US-Superstars. Nach dem überambitionierten Flop «Artpop» von 2013 standen alle Zeichen auf Neuausrichtung. Natürlicher, echter und persönlicher wollte sie werden, die Verkleidungen (Stichwort Fleisch-Kleid!) abstreifen. Ist das gelungen? Teilweise.

Der (un)nahbare Superstar

Nach ihrem von Kritik und Publikum gelobten Ausflug ins TV-Business zur Erfolgsserie American Horror Story und dem Grammy-ausgezeichneten Album mit Tony Bennet folgt nun also ein Album, welches uns Lady Gaga so persönlich und nahbar wie noch nie zeigen sollte.

Daher überrascht es wenig, dass sich ein Gros der Songs in ruhigeren Gewässern bewegt. Und diese Songs sind auch die besseren Songs auf «Joanne», allen voran die grossartige Single «Million Reasons», welche heute Freitag auch unser SRF 3 Song vom Tag ist. Hier unterstreicht Gaga nicht nur, was für eine fantastische Sängerin sie ist, wenn ihr die Musik den Raum lässt - für solch einen Song würden Country Stars wie Carrie Underwood oder Faith Hill morden. Und trotzdem, nahbar wird Gaga nie so ganz richtig. Auf vielen Songs geschieht leider nach wie vor zu viel und Gaga muss mit ihrer Stimme beinahe dagegen ankämpfen.

Eine Sammlung an Stilentwürfen

Sind die vielen Köche für den Stilmix verantwortlich, welche am Album mitarbeiteten? Uptown-Funk-Star Mark Ronson, Josh Homme von den Queens Of The Stone Age oder Beck sind nur einige prominente Namen. Und nein: ihr Einfluss ist weniger hörbar als erwartet. Deren Einfluss scheint weniger hörbarer sondern eher kompositorischer und kreativer Natur zu sein.

Und doch klingen die einzelnen Songs wie Stilentwürfe, welche sich voneinander unterscheiden. Lady Gaga will echt, ehrlich und nahbar klingen. Nur scheint sie noch nicht genau zu wissen, wie diese Lady Gaga klingt.

Der Weg ist das Ziel

So ist «Joanne» zwar um einiges besser als der Vorgänger «Artpop», doch scheint es mehr eine Suche nach der echten Gaga zu sein. Eine spannende Suche, welche trotz mehrerer belangloser Abschiffer einige der Stärksten Momente in Gagas Karriere hervorgebracht hat.

Hier stellt sich wohl die Frage, ob Gaga-Fans der ersten Stunde ihr auf diesem Weg Richtung mehr Americana und Rock-Pop folgen werden. Wir wünschen Gaga, dass sie die Suche fortsetzt. Es lohnt sich, die echte Stefani Joanne Angelina Germanotta zu finden!

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