Lemmy Kilmister: Einer der letzten Rocker ist tot

Kein Musiker verkörperte die Formel Sex, Drugs & Rock'n'Roll so innig wie Lemmy Kilmister. Der Sänger und Bassist der englischen Rockband Motörhead stirbt im Alter von 70 Jahren an Krebs. Ein Kniefall vor einer der wichtigsten Figuren der Rockmusik.

Lemmy

Bildlegende: Lemmy Reuters

Es schien, als sei er unsterblich. Am Ende war der höchst aggressive Krebs stärker und beendete ein Leben voller Leidenschaft für Rockmusik, schöne Frauen, Tabak und vor allem Whisky.

Am 24. Dezember 1945 wurde der Sohn eines Pfarrers als Ian Fraser Kilmister geboren. Zeitlebens aber sollten ihn alle nur unter einem Namen kennen: Lemmy. Und es schien, als habe die Rockmusik nur auf Lemmy gewartet. In jungen Jahren war Lemmy zuerst als Roadie und Drogenkurier für Jimi Hendrix unterwegs, bis er selber mit Motörhead den Heavy Metal mitbegründete.

«  Wir wollen die Band sein, wegen der dein Rasen stirbt, wenn wir im Nachbarhaus einziehen. »

Lemmy Kilmister

Lemmy war Motörhead - und Motörhead war Lemmy. Auf die Frage, wie er seine Musik beschreiben würde, sagte Lemmy einmal: Stell dir einen Verkehrsunfall zwischen einem Motorrad und einem Lastwagen vor. Und nur der Motorradfahrer überlebt. So klingen Motörhead!

Drogen und Sex

Lemmy lebte sein Leben bis zum Exzess. Fast 40 Jahre lang trank er täglich eine Flasche seines heiss geliebten Jack Daniels und wurde mit seinem kompromisslosen Lebensstil zum Schutzpatron aller Rocker, Outlaws und Punks.

Ein Lebensstil, der nicht spurlos an ihm vorbei ging: Ein Herzschrittmacher, Diabetes, ein kaputter Rücken oder Schmerzen in den Beinen waren die Folgen. Alles Alterserscheinungen, welche Lemmy aber nie hemmten. So oft er nur konnte, stand er auf der Bühne und tat dies noch bis 2015, auf Motörheads 40-jähriger Jubiläums-Tournee. Unter anderem am Greenfield Festival in Interlaken, wo Rock Special-Macher Dominic Dillier mit ihm ein Interview führte.

Mehr als ein Heavy-Metaller

Lemmy allein auf den harten, rauchenden, trinkenden Rocker zu reduzieren, wäre aber falsch. Er war einer der Gründe, weshalb sich Metallica überhaupt gründeten. Er veränderte das Spiel von Rockbassisten grundlegend.

Und letzten Endes war er einer der letzten Vertreter einer aussterbenden Spezies: des echten Rockers. Eine Lebensart, welche heute nur noch selten geduldet wird: zu tun, was man will - und wie man es will.

Kein Wunder, verneigen sich heute nicht nur Fans, sondern auch eine Heerschar an Musikern vor der Heavy-Metal-Ikone. Sie lassen sich zu Sätzen hinreissen wie Dave Grohl vor zwei Jahren:

«  Fuck Elvis and Keith Richards, Lemmy's the king of rock 'n' roll! »

Dave Grohl
Foo Fighters

Privataudienz bei Lemmy

SRF 3 Rockexperte Dominic Dillier durfte Lemmy Kilmister als einziger Journalist vor seinem Greenfield Auftritt im Sommer 2015 treffen.

Interview hier hören