10 Jahre Knast für ein bisschen Popo-Pop?

Billige Effekthascherei mag ich fast so wenig wie übertriebene Sanktionen. In der Geschichte der ugandischen Sängerin Jemimah Kansiime geht es um beides. Ich spiele das Spiel, welches unter Umständen keines ist, leicht widerwillig aber bewusst mit.

Jemimah Kansiime drohen 10 Jahre Gefängnis

Bildlegende: Jemimah Kansiime drohen 10 Jahre Gefängnis Jemimah Kansiime

Würde die 21-jährige Sängerin Jemimah Kansiime in unseren Breitengraden leben, wäre sie einfach eine Sängerin, die mit einem ziemlich billigen Song und einem ebenso billigen Clip dazu versuchen würde, das System «Sex Sells» anzuwenden. Womöglich würde sie gar nicht wahrgenommen. Doch Jemimah Kansiime lebt in Uganda. Das ostafrikanische Heimatland der Sängerin wird von harter Hand regiert.

Was bei Rihanna & Co. dazugehört wie Butter aufs Brot, wird in Uganda hart bestraft.

Bildlegende: Knackiger Blickfang! Was bei Rihanna & Co. dazugehört wie die Butter aufs Brot, wird in Uganda hart bestraft. Youtube

Kritik am Staat wird nicht geduldet und Uganda verfügt seit einem guten Jahr über ein Anti-Pornographie-Gesetz. Sprich: Was bei Madonna, Nicki Minaj, Rihanna & Co. unter lauwarmer Provokation abzulegen wäre, kann für Jemimah Kansiime fatale Folgen haben. Für den Clip zum Song «In Ensolo Yange» drohen ihr bis zu zehn Jahre Gefängnis! Für Ugandas Rechtssprechung ist das Video zu freizügig. Auf der Bühne nennt sich Kansiime übrigens «Panadol wa Basajja», was übersetzt «Medizin für Männer» bedeutet.

Worum es mir hier NICHT geht

Da ich gewisse Kommentare auf diese Geschichte bereits vor meinem geistigen Auge sehe, möchte ich diesen vorbeugen und betone: Es geht mir ganz bestimmt nicht darum, mit dem Finger auf Uganda zu zeigen und uns als vermeintliche Erfinder der Menschenrechte aufzuspielen. Ein Blick zurück in unsere eigene Geschichte landet schnell in einer Zeit, in der wir hierzulande Hexen verbrannten und noch schneller in einer, in der z.B. gleichgeschlechtliche Handlungen illegal waren.

Worum es mir hier SEHR WOHL geht

Es geht mir darum, einen kleinen Teil zur Visibilität von Jemimah Kansiime beizutragen. Denn: Darüber sprechen sollte man schon, wenn eine junge Sängerin – ganz offensichtlich schlecht beraten – für eine Jugendsünde unter Umständen mit zehn Jahren Gefängnis bestraft wird. Hier muss ich nicht abwägen zwischen kulturellem Verständnis und meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden, welches ganz klar sagt: Diese Sanktion ist unverhältnismässig!

Und um diesen Artikel doch noch musikalisch abzuschliessen: Weder ihr Song, noch der dazugehörige Clip und die damit verbundene globale Aufmerksamkeit wird Jemimah Kansiime zu einer internationalen musikalischen Karriere verhelfen. Dazu ist der künstlerische Teil dieser Geschichte dann doch schlicht und einfach zu schmierig.

Den Clip kann übrigens nur anschauen, wer eingeloggt ist - aus Altersgründen!