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Musik-Blog Der Vatikan entweiht die Rockmusik

Zwar gibt es gewisse Parallelen zwischen einem Gottesdienst und einem Rockkonzert. Dass der Papst, der wohl grösste Popstar der Welt, nun aber im Musikgeschäft mitmischen will, erachte ich als eine der bescheuertsten Ideen seit Rondo Veneziano.

Papst Franziskus bei einem Besuch auf den Phlippinen
Legende: Papst Franziskus (rechts) bei einem Besuch auf den Phlippinen. Keystone

Wie viel Rock steckt unter der Soutane?

Die als päpstliches Rock-Album, Link öffnet in einem neuen Fenster angekündigte Veröffentlichung von Papst Franziskus, hat mit Rock reichlich wenig an der Mitra. Produziert wurde das Album vom brasilianischen Priester Don Giulo Neroni und dem italienischen Musiker Toni Pagliuca (ehemaliges Mitglied der Band Le Orme, Link öffnet in einem neuen Fenster).

Die musikalische Scheusslichkeit der Produktion ist schnell zusammengefasst: Es klingt nach Warenhausgesäusel. Die Arrangements schlängeln sich um Reden und Predigten des Papstes und gipfeln bei der Single «Wake Up! Go! Go! Forward!» in einem Refrain, der in punkto Originalität an Armseligkeit kaum zu toppen ist.

Die Idee des Albums erinnert an die schreckliche Zeit, als griffige Promi-Zitate als Sample in lausig produzierten Popsongs auftauchten. Und die Umsetzung erinnert an Rondo Veneziano, Link öffnet in einem neuen Fenster, das italienische Orchester, das mit ihrer fragwürdigen Fusion von Rock- und Barockmusik einst grosse Erfolge feierte.

Der Bärendienst am Gottesdienst

Wie man mit vermeintlicher Rockmusik Leute für den Gottesdienst begeistert, machen Freikirchen seit Jahren vor. Dies geschieht aber ziemlich bis komplett abgelöst von sakraler Musik. Das päpstliche Album ist eine andere Geschichte und wohl näher bei Michael Cretus 90er-Jahre Projekt Enigma, Link öffnet in einem neuen Fenster anzusiedeln.

Dass Rom damit hierzulande mehr Leute in den Gottesdienst bringt, wage ich zu bezweifeln. Hingegen bin ich mir ziemlich sicher, dass dieses Album in Katholiken-Hochburgen wie Brasilien oder den Philippinen durchaus Anklang findet.

Bringt der Erlös die Erlösung?

Natürlich hat das Album auch seine gute Seite. Die B-Seite. Hier steht das B für Benefiz. Ein Teil des Erlöses soll nämlich in einen Fonds für Flüchtlingshilfe fliessen. Dies rettet das Papst-Debut in musikalischer Hinsicht aber natürlich auch nicht.

Mir ist jedenfalls nach wie vor lieber, wenn eine Rockband mit religiösen Elementen flirtet, als wenn der Vatikan probiert im Musikbusiness mitzumischen.

Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Markus, Gerlafingen
    Kreative Idee find ich super, der Papst ist sicher mit Samba und Rumba aufgewachsen,und kommt mit Rock in eine neue Dimension. Finde nur den Kommentar wegen Rondo Veniziano nicht passend, war und ist einfach nur gefällige Musik die mit gutem Rock nicht verglichen werden darf.
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  • Kommentar von K. Schenk, Ansbach
    Ich gebe Ihnen recht und ergänze: Der Papst ist sich wohl nicht bewusst, dass er ein Zeichen macht, dass viele als satanisch interpretieren. Er entweiht somit nicht nur die Rockmusik. Gruezi, K. Schenk
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  • Kommentar von David Rüdisühli, Luzern
    Der Hintergrund der Sache ist klar: Es geht um Benefiz. Da ist dieser Verriss fehl am Platz. Zudem verstehe ich nicht, warum sich Rockmusik religiöser Elemente annehmen darf, Religion dagegen aber nicht Rockmusik machen darf? Dafür gibt es weder einen plausiblen Grund noch ist es konsequent... Ich freue mich jedenfalls auf die Musik!
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