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Musik-Blog Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?

Frauen sind in der Schweizer Popszene nach wie vor untervertreten, Frauenbands extrem rar. Das heisst aber nicht unbedingt, dass die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem hat. Vielmehr ist Popmusik ein äusserst beliebter Lösungsansatz für Männerprobleme.

Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem? «Nein» sagt SRF Musikredaktor Gregi Sigrist.
Legende: Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem? «Nein» sagt SRF Musikredaktor Gregi Sigrist. SRF

Der Side-Event der Swiss Music Awards, «SMA presents», veranstaltet am 7. Februar im Zürcher Kulturhaus Kosmos einen Abend zur Frage «Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?».

Natürlich kann man diese Frage diskutieren. Vielleicht soll oder muss sie sogar diskutiert werden. Die Antwort auf die Frage, warum es viel mehr Männer als Frauen gibt, die Bands gründen, sich in Übungskellern verkriechen und Songs auf die Bühne bringen wollen, ist für mich aber klar.

Wieso machen Männer Musik?

Männer sind kleine Hanswurste mit grossen Träumen. Wie erobert das Durchschnitts-Pickelgesicht am ehesten die schönste Frau der Schule? Es gründet eine Band. Wie kriegt «der Loser» sie tatsächlich rum? Er schreibt ihr einen Song. Wie betrinkt man sich mit seinen Freunden so oft wie möglich – ohne eine eigene Bar zu eröffnen? Man spielt in einer Band.

Wie rächt man sich an der Gesellschaft der Angepassten, die für naive Popstar-Träumereien nie etwas übrighatten? Man probiert die Träumereien real werden zu lassen. Wie? Man spielt in einer Band!

Braucht es mehr Frauen im Pop?

Braucht es mehr Männer beim Synchronschwimmen? Diese Frage würde ich klar verneinen. Synchronschwimmen ist aber nun mal das pure Gegenteil von Popmusik und hat meines Erachtens kaum Einfluss auf unser Gesellschaftsbild.

Popmusik hingegen prägt unsere Gemeinschaft sehr deutlich. Popmusik ist ein Spiegel unserer Gemeinschaft und natürlich spielt es eine grosse Rolle, wer der Gesellschaft diesen Spiegel vorhält. Sprich: Mehr Frauen sind für den Schweizer Pop selbstverständlich ein Gewinn.

Braucht der CH-Pop eine Frauenquote?

So sehr ich Frauenquoten in Politik und Wirtschaft als sinnvoll, bereichernd oder gar notwendig betrachte, habe ich Mühe, mir eine solche in der Popmusik vorzustellen. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn in meinen Top-5-Alben von 2018 alles Werke von Frauen wären. Ich möchte aber auch kein Problem haben müssen, wenn es sich bei diesem Ranking um eine reine Männerliste handelte.

Ich bin zudem davon überzeugt, dass sich die Musikerinnen ihren Platz im Pop sowieso erobern. Sie machen das aber durch Qualität und Attitüde, und nicht durch ein Quotenreglement.

Der Frauen-Bonus

Ausserdem bin ich bei Musikdiskussionen dem Begriff «Frauen-Bonus» schon zu oft begegnet, als dass ich mich für eine zusätzliche Einrichtung zur Stärkung der Sonderrolle Frau einsetzen würde. So flösse zum negativ konnotierten «Frauen-Bonus» der ebenso despektierliche Ausdruck «Quoten-Frau» in Musikdiskussionen ein, was ich nicht als förderlich betrachte.

Nichts ändert sich von heute auf morgen. Weder in der Politik, noch in der Wirtschaft und schon gar nicht in der Kunst. Aber: Alles ändert sich mit der Zeit. Und: Das Selbstbewusstsein gepaart mit der Selbstverständlichkeit, wie Frauen die Schweizer Popszene heute bereichern, lässt mich zum Schluss kommen: Nein. Die Schweizer Popmusik hat kein Frauenproblem.

11 Kommentare

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  • Kommentar von beat zehnder (beat zehnder)
    Der Begriff Popmusik ist hier falsch gewählt.International gibt es hunderte Frauen die einfach schön aussehen und genau deshalb viele Teenie Herzen erobern,das Pendant zu den Boygroups. So läuft die Popindustrie.Und wenn ich an Rihanna,Madonna,Beyonce,Kate Perry,Tailor Swift,Adele, etc denke,ist es evtl mehr ein Ch - Problem,als ein absolutes.Leider hats in den anderen Musik Genres aber zu wenig Frauen,im Rock genau so wie im Rap oder Reggae.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist
      Lieber Beat. Im Artikel geht es explizit um die Schweizer Popmusik. Und: Zum Pop zähle ich natürlich auch die anderenvon dir erwähnten Genres, wie den Rock, den Rap oder den Reggae. lg. Gregi
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Mädchen, Frauen, leben das "Fansein" ganz anders und emotionaler, als Buben, Männer, weshalb es mehr männliche "Idole" gibt in der Musik- und Filmbranche!
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    1. Antwort von Gregi Sigrist
      Aber hat sich dieses Bild des weiblichen Fans nicht auch entwickelt? Ich glaube Frau Fan aus den 60ern ist schon eine andere Person, wie Frau Fan 2018. Oder wie siehst du das? lg. Gregi
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Wartet nur, bis Femen oder eine andere lustige Bewegung das Thema entdeckt, dann haben wir Presseartikel und Diskussionen, bis wir glauben, wir bräuchten eine musikalische Frauenquote. :-) Prost allerseits.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist
      Das klingt ja wie eine Drohung. Ich find's gut, wenn das diskutiert wird. Auf keinen Fall als "Kampf der Geschlechter". Unbedingt aber als kritische Auseinandersetzung mit unserer Pop-Szene. lg. Gregi
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