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Musik-Blog Taylor Swift, du nervst!

Mit ihrem neuen Album «Reputation» hätte Taylor Swift die Chance gehabt, einen Imagewechsel zu vollziehen. So gerne hätte ich eine «Dark Taylor» gesehen, eine dunklere Variante der bisherigen Taylor Swift. Aber nein: Sie bleibt Opfer und Kontrollfreak. So sad!

Sie hält das «Good-Girl»-Image aufrecht. Koste es, was es wolle.
Legende: Taylor Swift: Sie hält das «Good-Girl»-Image aufrecht. Koste es, was es wolle. Reuters

Ich habe nichts gegen Songs, in denen auch mal so richtig schmutzige Wäsche gewaschen wird. Nur: Wer immer schmutzige Wäsche wäscht, ist nicht «strong and independent», sondern rachsüchtig. «Ich will da was richtigstellen» kann nicht der einzige Ansatz für Musik sein.

Genau darum nervt mich Taylor Swift. Ich mochte ihr letztes Album «1989» sehr. Das waren grossartige Popsongs (welchen durch Ryan Adams' Coveralbum, Link öffnet in einem neuen Fenster nochmals zusätzliche Tiefe verliehen wurde). Inhaltlich aber geht es immer nur um dasselbe: Taylor Swift rechnet ab!

And the haters gonna hate, hate, hate, hate, hate.
Autor: «Shake It Off»2014

Schon das Album «1989» war eine durchgehende Abrechnung mit Verflossenen und Hatern. Und Taylors Reaktion war klar: «I shake it off». Sie schüttelt alles ab. Nach dem Durchhören ihres neuen Albums «Reputation» muss ich leider sagen: Nein, Taylor – tust du nicht.

Sheeran und Adele machen es anders

Klar, auch Künstler wie Ed Sheeran, Link öffnet in einem neuen Fenster oder Adele, Link öffnet in einem neuen Fenster singen über verflossene Liebschaften – unterlassen aber offensichtliche Hinweise, um wen es sich genau handelt. Deren Songs sind universelle Geschichten, basierend auf persönlichen Erlebnissen. Taylors Songs sind konkrete Abrechnungen eines Kontrollfreaks., Link öffnet in einem neuen Fenster Oder lasst es mich so sagen: Ich hätte gerne mehr Selbstkritik à la «Ich hab Mist gebaut. Sorry. Das war mein Fehler!».

Taylor Swift ist pedantisch darauf bedacht, ihr Good-Girl-Image aufrecht zu erhalten, koste es was es wolle. Sie schickt Fans zu Weihnachten Überraschungsgeschenke, verschenkt selbst gestrickte Schals oder lädt Fans für ein Album-Vorhören zu sich nach Hause ein und backt Kekse. Das ist toller Fan-Service – mir zieht es bei solchen Geschichten aber den Magen zusammen.

Sie tut es wieder

Taylor Swift hat den Anspruch, sich mit jedem Album neu zu erfinden. Doch das kaufe ich ihr nicht ab. Wieder (seufz!) ist sie das aus allen Wolken fallende, naive Opfer. Die erste Single ihres neuen Albums heisst «Look What You Made Me Do», Link öffnet in einem neuen Fenster. Darin räumt sie mit allen Verurteilungen auf, welche sie erfahren muss, und schiebt wiederum alles auf andere. Frei nach dem Credo: «Ich wollte das alles gar nicht, ich armes Ding».

I've got a list of names and yours is in red, underlined. I check it once, then I check it twice, oh!
Autor: «Look What You Made Me Do»2017

Taylor Swift will allen sagen, dass es ihr egal ist, was man über sie denkt – und singt trotzdem auf jedem Album wieder und wieder darüber. Genau hier wäre doch der Moment da gewesen, sich für einmal nicht um die aufgebaute Reputation zu scheren.

Dank ihrer Popularität hat Taylor Swift die Macht, Kritiker oder verfeindete Künstler mit nur einem einzigen Tweet zu zerstören. Sie weiss, wie man die Charts dominiert. Sie hat das Stilgefühl, einen sexy Vamp zu verkörpern, ohne billig zu wirken. Sie hätte alles, um die Opferrolle abzustreifen und zur Täterin zu werden. Zum absoluten Female-Pop-Villain. Go dark, Taylor!

Aber Taylor Swift schert sich eben leider doch zu sehr um ihre Reputation – und schuld sind alle anderen.

Autor: Dominique Marcel Iten

Autor: Dominique Marcel Iten

Dominique Marcel Iten ist Online-Redaktor bei Radio SRF 3 und schaut unter und hinter aktuelle Themen der Popkultur und ihre Nebengeräusche.

Twitter: @dominique_iten
Instagram: @domi_iten

6 Kommentare

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  • Kommentar von Carmen Bauer (Carmen13)
    Schade, dass Taylor Swift in diesem Artikel auf Look What You Made me Do reduziert wird. Dabei gehen songs wie I did something bad, in dem sie sich selbst ein Bad Girl image auferlegt, Call it What you Want oder King of my Heart , in dem es um die positiven Seite der Liebe geht, vergessen. Taylor Swift ist weit mehr als nur ihre "Opferrolle". Das geht aber leider häufig vergessen, da sie immer wieder genau auf dieser festgenagelt wird.
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    1. Antwort von Dominique Marcel Iten
      Liebe Carmen. Du hast schon Recht - zu sagen, Taylor Swift wäre in 100% ihrer Musik das Opfer wäre doch sehr übertrieben. Aber die Frequenz ist mir persönlich halt zu hoch. Und wie schon unten bereits geschrieben: «I Did Something Bad» ist genau das falsch Beispiel, weil sie dort auf wütende Art abrechnet. Gegen andere zu schiessen ist nicht gleich «Bad Girl». Ich habe Mühe damit, wenn jemand sagt: Eure Meinung interessiert mich nicht - aber dann doch noch mal hinterher treten muss. Aber vielleicht ist meine «Taylor ist immer Opfer»-Brille etwas zu schwer auf der Nase gelegen ;-)
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  • Kommentar von Stefan Keller (Stefanooo)
    Dieses "Review", wenn es überhaupt so genannt werden darf, ist einfach nur lächerlich unprofessionell. Es scheint, als wäre Taylor Swifts neues Album "Reputation" von Marcel Dominique Iten gar nicht angehört worden, sonst wüsste er, dass kein einziger Song darauf von ihren Ex-Freunden handelt und sehr viele neue Musikelemente vorhanden sind. Ausschliesslich ihre 1. Single wird zitiert, jegliche Aussagen über die eigentliche Musik fehlen. Die Überschrift ist einfach nur unhöflich -> qualitätslos
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    1. Antwort von Dominique Marcel Iten
      Lieber Stefan. Ich würde mir nie anmassen, über etwas zu schreiben, was ich nicht ausgiebig angehört habe. In diesem (klar subjektiv gefärbten) Blog geht es aber nicht um eine Album-Kritik und auch nicht um die musikalische Qualität. Ich erwähne ja sogar, dass ich ihr letztes Album sehr mochte. Und: es geht ja nicht nur um Ex-Freunde (auch davon rede ich im Artikel) sondern um ihre allgemeine Opfer-Haltung und den Drang, immer mit allen abzurechnen, anstelle einfach mal die bessere zu sein und es zu lassen. Ein kleines Beispiel: der Track «I Did Something Bad», in welchem sie gleich mal Kayne West disst und im späteren Verlauf des Songs noch mit Calvin Harris und Tom Hiddleston (einer ihrer Verflossenen) sowie Kim Kardashian abrechnet. Und das alles in nur einem Song. Klar, es kann auch Spass machen, all diese Hinweise und Spitzen heraus zu hören - aber ich hätte mir halt von Taylor persönlich etwas anderes gewünscht. Aber auch das ist wieder komplett subjektiv ;-)
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  • Kommentar von Rudolf Räber (carator)
    Wieso liest jemand diesen Artikel, wohl wegen dem verführerischen Bild, das es auf die Homepage von SRF Online schafft. Meine Kinder sicher nicht, sie hörten diese Musik mit zehn oder elf. Und gerade weil Taylor Swift eine der bestverdienenden Musiker ist, sehen wir, welch ungeheures Spendierpotential unsere Kinder haben. Diesen Kindern nun auch noch mitzuteilen, dass sie DARK gehen sollen - hä! Zur Tat schreiten kann man auch anders. Einig gehe ich, was das ewige Schuld abschieben angeht.
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