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Musik-Blog Tokio Hotel: Peinliches Comeback mit flacher Provokation

Die etwas andere Boygroup Tokio Hotel meldet sich nach fünf Jahren Pause zurück. Am 3. Oktober 2014 erscheint ihr Album «Kings Of Suburbia». Schade, dass der unreife visuelle Auftritt der Band eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Musik verhindert, meint Musikredaktor Gregi Sigrist.

Tokio Hotel Cover
Legende: Tokio Hotel Artwork zur Tokio Hotel-Single «Love Who Loves You Back» Polydor / Island

Ich war nie ein Fan von Tokio Hotel. Trotzdem konnte ich nachvollziehen, wieso dieses Quartett vor bald zehn Jahren durchstartete. Frontfigur Bill Kaulitz hatte von Anfang an das gewisse Etwas, das einen Popstar vom Musiker unterscheidet. Dazu kamen ein paar durchaus brauchbare Pop-Songs und der Mut zur glaubwürdigen Attitüde, anders sein zu wollen und zu dürfen.

Der Jö-Effekt hat ausgedient

Natürlich sind sich Tokio Hotel bewusst, wie schwierig der Übergang vom Kinderstar und Teenie-Idol zum erwachsenen Künstler ist. Kaum jemand schafft, diese Hürde ohne schwerwiegende Rückschläge zu kassieren. Die Art und Weise, wie Tokio Hotel diese Metamorphose meistern wollen, ist jedoch mehr als fragwürdig. Anstatt einen Schritt nach vorne zu wagen, verschaffen sich die Mittzwanziger mit hochpubertären und überaus peinlichen Effekthaschereien Aufmerksamkeit. Der übersexualisierte Videoclip zur Single «Girl Got a Gun» löst bei mir allerhöchstens Mitleid aus. Mitleid für eine Band, die in die tragischen Fussstapfen von Miley Cyrus tritt und sich damit einen wichtigen Weg verbaut.

Klar, mit solchen Aktionen kommt man in die Presse und füttert Blogs (und schafft wohl auch den Sprung in die Hitparade). Inhaltlich wird sich jedoch das meiste um das grenzdebile, masturbierende Plüschtier drehen, da Tokio Hotel offenbar nicht mehr zu bieten haben.

Wie gerne hätte ich hier über Tokio Hotel und ihre Musik geschrieben. Ich mag Überraschungen und hätte mit Freude vom Reifeprozess einer Band berichtet, der man genau diesen Wandel nicht zugetraut hat. Nun bleiben zwei musikalisch lauwarme Singles und ein Album, das mich nicht im Geringsten interessiert, weil es gar nicht richtig gut sein kann. Schliesslich setzt die Band alles daran, dass man sich nicht mit ihrer Musik beschäftigt.

Schade. Erwachsen werden geht anders.

35 Kommentare

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  • Kommentar von Kitty Silvermoon, Mannheim
    Sie diskreditieren ihre journalistische Integrität, wenn sie einen Verriss über ein Album schreiben, dass sie "nicht im geringsten interessiert", und wohl auch nicht angehört haben. So sind Sie nicht in der Lage, auch nur eine fundierte Aussage über die neue Musik der Band zu schreiben. Stattdessen vergnügen Sie sich mit Totschlagrhetorik und Allgemeinplätzen. KoS ist ein gelungenes Dance-Elektro-Synthie-Album, eingängig und offenbar zu innovativ und provokant für das musikalische Establishment.
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  • Kommentar von Marion Zinke, An der Schmiede 17, 25451 Quickborn
    Schon der Einstieg Ihres Artikels macht deutlich, dass es für Sie ein Qual gewesen sein musste, über TH zu schreiben. Nicht « GGaG» sondern «LWLYB» ist die Single. Leider muss man sich die Mühe machen, reinzuhören. Ich finde es unerträglich, dass sobald der Name erwähnt oder geschrieben steht, die Menschen Probleme bekommen. Es ist echt armselig, dass das auch noch nach 5 Jahren bei Tokio Hotel angewendet wird. Vielleicht sollten Sie nächstes Mal über die schreiben, die ihnen liegen.
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  • Kommentar von Sonja Glatz, Innsbruck
    Tja, zu dieser Kritik kann ich nur sagen, dass das keine Kritik ist.Sätze wie "ich war noch nie ein Fan" und/oder "konnte die Band noch nie leiden" haben hier nichts verloren.Und zum Glück denkt sich eine Vielzahl etwas anderes.Kings of Suburbia ist garantiert nicht umsonst in 27 Ländern die Nr. 1 und in einigen anderen in den Top 3 bzw. 5.Und bevor man überhaupt etwas kritisiert,sollte man sich das GANZE Album angehört,die Texte verstanden und den Sinn bzw. Message von diesen erkannt haben.
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