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Musik-Blog Tutti-Frutti für die Ohren: «Bravo Hits 100» ist da

Was? Gibt es die noch? Und wie. Seit gut 25 Jahren erscheinen die «Bravo Hits»-Sampler. Und noch heute landen die Hit-Sammlungen mit fast hundertprozentiger Sicherheit auf Platz eins der Kompilations-Charts. Wieso eigentlich?

Der Kult-Sampler «Bravo Hits» erscheint zum hundertsten Mal.
Legende: Der Kult-Sampler «Bravo Hits» erscheint zum hundertsten Mal. PD

Als 1992 die erste «Bravo Hits» erschien, war Kurt Cobain noch am Leben und ich 18 Jahre alt. Vielleicht könnt ihr verstehen, dass ich damals eine «Bravo Hits»-CD nicht mal mit der Feuerzange angefasst hätte.

Ich bildete mir viel auf meinen Musikgeschmack ein. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, die Bravo als musikberatendes Element beizuziehen. Ich war 18. Hallo? Aber auch 25 Jahre später gibt es keine «Bravo Hits»-CD in meiner Sammlung.

«Bravo Hits» ist Tutti-Frutti für die Ohren

Ich mag Haselnüsse. Ich mag auch Baumnüsse, Mandeln, Cashewkerne, Rosinen und Dörrobst. Aber bitte alles separat. Erscheint es im Mix als Tutti-Frutti, ergreife ich die Flucht. Studentenfutter. Für mich stand das stets für «Essen für Unentschlossene».

Kein Wunder konnte ich mich mit der Reihe «Bravo Hits» nie anfreunden. Zu viele Songs wären da als Beifang in meiner Sammlung gelandet und bestimmt gottsjämmerlich verrottet.

Das Phänomen «Bravo Hits»

In der ersten Hälfte der 1990er, als die erste «Bravo Hits» auf den Markt kam, befand sich die CD noch immer auf ihrem Siegeszug. Kurz darauf machten ihr erschwingliche CD-Brenner das Leben schwer. Etwas später wurde der physische Tonträger durch legale und illegale Downloadmöglichkeiten und Streamingdienste entwertet und partiell verdrängt.

Die «Bravo Hits»-Reihe überlebte den einbrechenden CD-Markt. Und dies, obwohl sie ausschliesslich mit grossen Hits bestückt ist. Also mit Songs, die allesamt auf Streamingdiensten zu finden sind und auf kommerziellen Radiostationen intensiv gespielt werden.

Wie kann sich die «Bravo Hits»-CD im Streaming-Zeitalter behaupten?

Die Antwort ist einfach: Weniger ist mehr. Wer sich eine «Bravo Hits» kauft, will nicht möglichst viele Songs für möglichst wenig Geld. Gefragt ist eine Auswahl der bekanntesten Melodien. Man möchte hören, was man kennt, ohne die Namen der dazugehörigen Interpreten und Titel kennen zu müssen. Ausserdem spielt der Nostalgie-Faktor und die Produkte-Treue (einmal «Bravo Hits» immer «Bravo Hits») eine Rolle.

«Bravo Hits» sind zwar längst nicht mehr cool. Einen gewissen Kult-Faktor kann man den regelmässig erscheinenden Hit-Sampler aber nicht absprechen. Darüber hinaus zelebriert man die Marke «Bravo Hits» an und durch gleichnamige Partys, welche es bei ihren Fans erfolgreich schaffen, Skilagergefühle auszulösen.

Sind 100 «Bravo Hits»-CDs nicht genug?

Für mich bleiben «Bravo Hits»-Sampler Satelliten, deren Umlaufbahn meine Konsumgewohnheiten nicht tangieren. Der Erfolg mag dem Produkt recht geben. Aber braucht es die «Bravo Hits» noch?

Ich muss gestehen, dass ich mir bis jetzt nicht einmal angeschaut habe, welche Songs auf der «Bravo Hits 100» zu finden sind. Ich vermute sie fängt mit einem Ed Sheeran-Song an. Ok. Nachschauen. Bingo. Ed Sheeran – «Perfect».

Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.