Zum Inhalt springen
Inhalt

Musik-Blog Xen flirtet mit Bligg und dem Kommerz

Nemo oder Lo & Leduc haben mit Schweizer Hip Hop nichts zu tun, liess der Zürcher Rapper Xen die Schweiz an den Swiss Music Awards wissen. Zwei Monate später erscheint er als Gastrapper auf Bliggs neuem Album. Das ist clever, schräg und ein bisschen lustig.

Xen und Bligg
Legende: Wie kam Xen als Gastrapper auf Bliggs Album? So wahrscheinlich nicht. Xen/Bligg (Montage SRF)

Kann man Nemo und Lo & Leduc dissen und kurz darauf mit Bligg einen Song veröffentlichen? Kein Problem für den Zürcher Rapper Xen, dem man durchaus «Street credibility» in der Rapszene attestiert. Und ein bisschen verstehe ich das sogar. Schliesslich war Bligg einmal ein wichtiger Teil der Schweizer Rapszene. Damals. Als er noch Texte schrieb und sich seine Songs nicht aus Slogans, Sprichwörtern und Wortspielereien zusammensetzten.

Heute ist Bligg ein kommerziell erfolgreicher Musiker mit einem Publikum, welches nicht dieselbe Musik hört wie er selbst. Dass er für seinen, auf Erfolg ausgerichteten, musikalischen Weg für viele frühe Fans an Kredibilität verloren hat, ist Bligg bewusst und gehört zum Spiel.

Was aber hat der auf Kredibilität pochende Rapper Xen auf dem neuen Album von Bligg verloren? Natürlich macht die Aussicht auf die Erschliessung eines grösseren Publikums viele Künstler flexibel. In diesem Fall frage ich mich aber trotzdem, wer sich von dieser Kollaboration was verspricht.

Was hat Bligg davon?

In einem Wort: NICHTS! Natürlich ist es cool, wenn einer wie Bligg weniger bekannten Namen eine Plattform bietet. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass Bligg durch diese Zusammenarbeit auch nur einen einzigen Fan dazugewinnt. Wer Bligg entdecken wollte, hat dies längst getan. Seine Fangemeinde ist riesig und treu. Daher denke ich nicht, dass Bligg durch den Song «Schnee» (feat. Xen) irgendetwas kriegt, was er sonst nicht kriegen würde – ausser vielleicht einer Einladung in die Hip Hop-Sendung Bounce auf SRF Virus, in welcher Bligg sonst seit Jahren kein Thema mehr ist.

Was hat Xen davon?

In einem Wort: VIEL! Xen hat durch die Zusammenarbeit mit Bligg die Möglichkeit, seinen Namen in Musiksammlungen von Leuten zu schmuggeln, die nie im Leben ein Xen-Album kaufen würden. Zwar glaube ich nicht, dass in Bliggs Publikum viele potenzielle Xen-Fans zu finden sind. Aber: Bligg hat ein sehr grosses Publikum und das bietet die Möglichkeit, Xens Name populärer zu machen. Steigende Popularität hilft jedem Künstler – auch wenn sie nicht mit einem direkten Geldfluss verbunden ist.

Was haben wir davon?

In einem Wort: WENIG! Bligg ist schlicht und einfach zu professionell, um durch die Zusammenarbeit mit Xen ein Risiko einzugehen. Ganze 28 Sekunden räumt Bligg das Feld und gibt seinem Gastrapper Xen Platz, sich dem Bligg-Publikum zu präsentieren. Der Rest des Songs «Schnee» ist 100% Bligg, wie es die Leute kennen und mögen.

Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Hol dir die die besten Geschichten von SRF 3 direkt in dein Mail-Postfach. Sonntag für Sonntag frisch für dich angerichtet - der SRF 3-Newsletter. Melde dich jetzt an.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Galgano (AlexGii)
    Schad, dass en Pop/Rock-Kritiker keis guets Wort über en aktuelle schwiizer Hip-Hop/Rap-Künstler verlüre chan. De Punkt bi dere ganze Gschicht isch, dass d'Masse durch LoLeduc oder Nemo es falsches Bild vo Hip-Hop/Rap bechunt und es us dem Grund für talentierti Rapper ide Schwiiz so guet wie kei Möglichkeit git im Radio zlande. Ich gseh das als en Versuech vom Xen echte Rap de breite Masse zbringe. Doch leider sind schwiizer Radios im Gegesatz zum Rest vode Welt was das abelangt hinedri.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen